Donnerstag 14.04.11

Schon gewusst, dass Feuerwehrgeräte auch archäologische Fundstücke „retten“?

Bei Rettungseinsätzen der Feuerwehr helfen sogenannte Hebekissen, Verschüttete zu bergen. Sie stemmen per Luftdruck Betonblöcke oder andere schwere Lasten hoch und machen so den Weg frei. Auf der Grabungsstelle der ägyptischen Tempelanlage Athribis geht es nicht nur darum, den Weg zu räumen. Die Steinblöcke, Säulen und Kapitelle selbst sind die Hauptpersonen der Rettungsaktion.

Denn die Archäologen aus Ägypten und Deutschland, die in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Langzeitprojekt die Anlage erforschen, behandeln alle Fundstücke wie rohe Eier. Das bedeutet auch, für die zerbrechlichen, oft farbig dekorierten Kalksteinblöcke eigene Hebe- und Transportkonstruktionen zu entwerfen. Dabei greifen die Forscher auf deutsche Hebekissen mit Stahlverstärkung zurück, die sonst bei Rettungseinsätzen der Feuerwehr zum Einsatz kommen. Durch rhythmische Luftstöße hebt sich das Kissen Millimeter für Millimeter an, bis sich etwa ein neun Tonnen schwerer Kalksteinblock in stabiler Lage befindet. Anschließend kann das Fundstück auf eine Bausatzbahn aus massiven Holzbohlen und ausbetonierten Stahlrohren gesetzt und abtransportiert werden.

In Athribis, der letzten großen unerforschten Tempelanlage des antiken Ägypten, stehen noch rund 400 Blöcke und damit vermutlich rund ein Drittel der mächtigen Tempelanlage aus dem ersten Jahrhundert vor Christus. Das imposante Bauwerk – rund 400 Kilometer südlich von Kairo anzutreffen – ist deshalb so sehr „geschrumpft“, weil die Menschen von der Spätantike bis die frühe Neuzeit in den Kalksteinmonumenten keine Kunstgegenstände, sondern weiterverwendbaren Rohstoff sahen. Einige Öfen, in denen – wie in anderen Tempelanlagen Ägyptens auch – die Blöcke an Ort und Stelle zu Kalkpulver verbrannt wurden, haben die Archäologen auch schon gefunden und ebenfalls kartiert.

Quelle: forschung 03/2010

 
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