Mittwoch 14.05.08

Schon gewusst, dass Fische sprechen können?

Wer glaubt, dass im Meer tiefes Schweigen herrscht, der irrt. Entgegen der Redensart „Stumm wie ein Fisch“ sind die Unterwasserbewohner alles andere als leise. Nicht nur Delphine, Wale und Robben verständigen sich durch Laute. Auch Fische können Geräusche erzeugen und so miteinander kommunizieren.

Sie reiben ihre Flossen knarrend in den Gelenken, knirschen mit den Zähnen oder zupfen an gespannten Sehnen wie an einer Gitarrensaite. Andere nutzen die mit Luft gefüllte Schwimmblase zur Geräuscherzeugung, indem sie darauf trommeln oder sie durch Ausdrücken von Luft in Schwingungen versetzen.  Damit sind sie wohl die einzigen Lebewesen, die mit den Ohren sprechen können. Denn die Schwimmblase ist auch Bestandteil des Fisch-Ohres. Dieses ist ganz ähnlich aufgebaut, wie das der höheren Säugetiere. Die Schwimmblase übernimmt die Funktion des Trommelfells. Der Weber’sche Apparat – eine Anordnung von kleineren Knöchelchen – verbindet die Schwimmblase akustisch mit dem Innenohr der Fische, in dem Schallwellen in Nervenreize umgewandelt werden.

Der Kommunikation der Fische unter Wasser können auch Menschen folgen, da die Mehrzahl der erzeugten Geräusche in dem für sie wahrnehmbaren Frequenzbereich liegt. So könnte es passieren, dass man sich unter Wasser plötzlich von einem Hund verfolgt fühlt – in Wirklichkeit aber einen Riffbarsch beim Fressen gestört hat, was dieser mit ärgerlichem Knurren quittiert. Glaubt man einen Presslufthammer mit metallischem Unterton zu hören, ist man wohl einem Silbernen Perlfisch begegnet. 

„Viele Kenntnisse auf diesem Gebiet sind eigentlich ein Nebenprodukt des Kalten Krieges“, erklärt Dr. Bernd Ueberschär, Wissenschaftler am IFM-GEOMAR in Kiel. Um das Agieren von U-Booten unter Wasser zu verfolgen, hatte die amerikanische Navy Hydrophone im Meer versenkt. Doch nicht jeder Klopfton, den die Unterwassermikrofone meldeten, deutete auf eine Schiffsbewegung hin. Oft war man einfach Zeuge eines Gesprächs unter Fischen geworden.

Und die sind unter Wasser über sehr große Distanzen möglich. „Heute weiß man, dass Wale sich über Strecken von mehr als tausend Kilometern hinweg verständigen können“, erklärt Ueberschär.  Grund dafür sind neben der hohen Schallgeschwindigkeit auch Dichte- und Temperaturunterschiede im Meereswasser. Dadurch kann sich eine Zwischenschicht bilden, in der Schallwellen fixiert werden und sich über weite Strecken ausbreiten.  Es entsteht eine Art Sprachrohr, das den Schall über weite Strecken hinweg leitet – ähnlich wie ein Glasfaserkabel das Licht.  Auch wenn Menschen diese Unterhaltungen (noch) nicht verstehen, so haben sie doch etwas davon gelernt: Heute nutzen U-Boote solche Kanäle zur Kommunikation.

 
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