Kennen Sie das? Sie erzählen Ihrem Gegenüber voller Begeisterung eine Geschichte – und werden nach kurzer Zeit unsanft unterbrochen: „Das hast Du mir doch schon gestern erzählt!“ Keine Sorge: Sie sind nicht besonders vergesslich, und Situationen wie diese müssen Ihnen auch nicht peinlich sein.
Die Psychologen Nigel Gopic und Colin McLeod zeigen in einer aktuellen Forschungsarbeit, dass dieses Phänomen auf die natürliche Funktionsweise unseres Gedächtnisses zurückzuführen ist.
Die beiden Forscher nehmen an, dass bei einer Unterhaltung Erzähler und Zuhörer der Umgebung unterschiedlich viel Aufmerksamkeit widmen können: Wer erzählt, richtet seine Aufmerksamkeit zu allererst auf sich selbst und auf die Prozesse, die an der Übermittung von Gesprächsinhalten beteiligt sind – beispielsweise den Vorgang des Sprechens. Der Kontext – in diesem Fall der Zuhörer – wird weniger aufmerksam verarbeitet. Der Zuhörer hingegen kann seine gesamte Aufmerksamkeit auf das Gesagte und die sprechende Person richten. In mehreren Experimenten konnten die Forscher nachweisen, dass sich deshalb der Zuhörer besser an die Quelle einer Information erinnern kann, als der Erzähler sich an sein Gegenüber.
Laut einer weiteren Studie von Gopic und Macleod kann man dieses Gedächtnisdefizit jedoch mit einem einfachen Trick ausgleichen: Demnach hilft es, den Namen des Gesprächspartners laut auszusprechen, bevor man etwas erzählt. Dadurch wird die Aufmerksamkeit des Sprechers auf die zuhörende Person gerichtet und die spätere Erinnerung an den Gesprächspartner verbessert.
Quelle: forschung erleben