Was war Ihr schönstes Erlebnis als Forscher?
Der Durchbruch bei meiner Diplomarbeit. Ich hatte seit Monaten mit dem Problem gekämpft, hatte versucht, es von allen Seiten zu attackieren, ich hatte „geniale“ Lösungen gefunden (die alle falsch waren), und so weiter. Dann war ich ein Wochenende in einem Kurzurlaub. Nachts träumte ich von dem Problem. Es war ein schrecklicher Traum: laut und bedrohlich – er war so schrecklich, dass ich mich übergeben musste. Und – am darauffolgenden Dienstag war die Lösung da. Ich brauchte nur richtig hinzuschauen. Einfach und elegant und einsehbar. Daraus entstand meine schönste Veröffentlichung.
Welche wissenschaftliche Entdeckung war in Ihren Augen bisher die wichtigste?
Die Entdeckung der griechischen Antike, dass wir Menschen durch eigenes Nachdenken Erkenntnisse erzielen können. Diese Erkenntnis führte unter anderem zur Logik und zur Mathematik.
Was sollte unbedingt noch erfunden werden?
Eine Maschine, die (sinnvolle) Gedanken in Realität verwandelt.
Welcher prominenten Person würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt erklären?
Papst Benedikt XVI.
Was hat Sie dazu gebracht, Forscher zu werden?
Zwei Frauen. Zuerst meine Mutter, die nicht müde wurde, uns Kinder auf die Schönheit der Welt hinzuweisen und damit darauf, was es alles zu entdecken gibt. Später meine akademische Lehrerin, Frau Prof. Judita Cofman, die mir die Leidenschaft für die Mathematik vorlebte.
Wenn nicht Wissenschaftler – was würden Sie gerne sein?
Dirigent – aber ich bin dafür viel zu unmusikalisch.
Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie beim Forschen am meisten?
Mangelnde Hartnäckigkeit – ich hätte gerne, dass mir die Erkenntnisse einfach so zufliegen …
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Singen.
Was regt Ihre Kreativität am besten an?
Zuerst alles ausprobieren und mit vielen darüber reden – und dann Ruhe und Tee.
Mit welchem historischen Kollegen würden Sie gerne essen gehen?
Johannes Kepler – das würde zwar kulinarisch nicht bemerkenswert sein, aber Kepler hat so viel Ordnung und Struktur im Kosmos gesehen, dass ein Gespräch mit ihm eine Offenbarung sein muss.
Was ist die bedeutendste Frage, welche die Wissenschaft in Ihrem Forschungsbereich noch nicht beantwortet hat?
Die uralte Frage nach den Primzahlen: Wie sind diese genau verteilt? Wie weit ist die nächste entfernt? Gibt es eine Formel? Und so weiter.
Was wird die Wissenschaft vermutlich nie erklären können?
Warum die Mathematik – eine Wissenschaft, die sich nur mit virtuellen Objekten beschäftigt – so perfekt auf die Wirklichkeit passt.
Was war Ihr größter Erfolg bei der Kommunikation Ihrer Forschungstätigkeit?
Ich hatte exakt fünf Minuten beim Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG. In diesen fünf Minuten musste ich ihm meine Forschungsaufgabe so erklären, dass er sich anschließend mit mir darüber unterhalten konnte. Es hat geklappt. Und die „fünf Minuten“ (also weder 60 Sekunden noch eine Stunde) dienen mir als Vorbild für viele Kommunikationsherausforderungen.
Und was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?
Es muss im 8. Schuljahr gewesen sein. Damals war „Mengenlehre“ dran. Unser Lehrer unterrichte das, aber richtig: Er erklärte uns die Abzählbarkeit der rationalen Zahlen! Ich weiß nicht, ob jemand außer mir überhaupt aufgepasst hat. Ich aber war davon offenbar so begeistert, dass ich am Nachmittag einem armen Nachhilfeschüler die ganze Stunde wiederholte – bis dieser am Ende, als er zum ersten Mal wieder zu Wort kam, darum bat, mit ihm doch lieber Prozentaufgaben zu rechnen.
Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?
Auf den morgigen Tag im Mathematikum.