Was war Ihr schönstes Erlebnis als Forscher?
Für mich ist das schönste Erlebnis eines Forschers, wenn er zum ersten Mal im Experiment etwas beobachten kann, was vor ihm noch kein Menschenauge gesehen hat, zum Beispiel die Reaktion einer Zelle oder eines Rezeptors auf einen bestimmten Reiz. Dieses Glück hatte ich drei Mal in meiner Laufbahn: das erste Mal, als wir durch eine extrem schnelle chemische Reizapplikation einen bis dahin unbekannten Ionenkanal zeigen konnten, das zweite Mal, als der erste menschliche Riechrezeptor auf einen Duftstoff antwortete, und das dritte Mal, als ein lebendes menschliches Spermium durch Maiglöckchenduft erregt wurde.
Welche wissenschaftliche Entdeckung war in Ihren Augen bisher die wichtigste?
Neben der Entschlüsselung des genetischen Codes die Entdeckung des Penizillins, weil es die meisten Menschenleben rettete.
Was sollte unbedingt noch erfunden werden?
Sich an einen anderen Ort zu „beamen“, dann könnte ich mir viele mühsame und zeitaufwendige Reisen ersparen.
Welcher prominenten Person würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt erklären?
Thomas Gottschalk auf der Couch bei „Wetten, dass ...?“. Dann könnte ich vor großem Publikum meinen Traum erfüllen, noch mehr Deutsche von der Bedeutung des Riechens und der Nase zu begeistern.
Was hat Sie dazu gebracht, Forscher zu werden?
Der Spaß am Experimentieren und der spielerische Umgang mit vielen Geräten (vergleichbar mit dem Spielen mit der elektrischen Eisenbahn), sowie die Neugierde und der Wunsch, für die Menschheit Neues zu entdecken.
Wenn nicht Wissenschaftler – was würden Sie gerne sein?
Es gibt keine Alternative. Wissenschaft ist für mich Beruf und Hobby gleichzeitig, die schönste Tätigkeit der Welt.
Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie beim Forschen am meisten?
Die Ungeduld.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Manchmal mehr künstlerische Fähigkeiten, zum Beispiel würde mir das Malen in der Vorlesung weiterhelfen.
Was regt Ihre Kreativität am besten an?
Auf einem der großen internationalen Kongresse ganz früh am Morgen oder spät am Abend nahezu allein durch die Gänge mit Postern zu gehen, mich durch die vielen wunderbaren Ergebnisse von Kollegen inspirieren zu lassen und in Ruhe konzentriert darüber nachzudenken.
Mit welchem historischen Kollegen würden Sie gerne essen gehen?
Mit Alexander von Humboldt, denn er hat nicht nur faszinierende neue Welten entdeckt, sondern war auch ein extrem kluger Kopf.
Was ist die bedeutendste Frage, welche die Wissenschaft in Ihrem Forschungsbereich noch nicht beantwortet hat?
Wir konnten an einigen Beispielen zeigen, dass Riechrezeptoren nicht nur in der Nase vorkommen, sondern auch in vielen anderen Geweben des Körpers (zum Beispiel in Spermien oder in der Prostata) eine wichtige Funktion haben. Inzwischen weiß man, dass sie überall im Körper vorkommen (zum Beispiel in der Haut, im Herz oder im Gehirn). Die Erforschung ihrer Funktion wird Bereiche der Medizin und Physiologie revolutionieren.
Was wird die Wissenschaft vermutlich nie erklären können?
Was nach dem Tod kommt.
Was war Ihr größter Erfolg bei der Kommunikation Ihrer Forschungstätigkeit?
Neben dem Auftritt in der Sendung „Pelzig unterhält sich“ der Gewinn des Communicator-Preises.
Und was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?
Ein groß angekündigter Vortrag von mir über Riechen, zu dem ich in die Nähe von Marburg eingeladen war und bei dem am Ende sechs Menschen im Nebenzimmer eines großen Veranstaltungszentrums saßen, die vor allem gekommen waren, weil es anschließend ein Abendessen geben sollte.
Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?
Auf den 1. Oktober, wenn an der NRW-Akademie der Wissenschaften und der Künste, deren Präsident ich seit diesem Jahr bin, zum ersten Mal die Mitglieder aller Klassen zu einer gemeinsamen Plenumveranstaltung über das Thema Sprache zusammenkommen.