Wissenschaft persönlich

WiD fragt – Heike Walles antwortet

15 Fragen, 15 mal ernsthafte, mal vergnügliche Antworten. In Etappen stellen wir Ihnen interessante Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor. Nach den Communicator-Preisträgern kommen nun Forschende zu Wort, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema Gesundheit beschäftigen.

 
Heike Walles

Heike Walles
Foto: Ilja C. Hendel/WiD

Im Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung zuerst die Frage: Was ist „gesund“?

Für mich ist „gesund“ das Gefühl, das ein jeder Mensch hat, wenn er mit sich zufrieden ist. Ich bin überzeugt davon, dass es sehr wichtig ist, diese persönliche Bewertungskomponente wesentlich stärker zu berücksichtigen. Es ist sicher gesund, sich regelmäßig körperlich zu betätigen. Aber ein sinnvolles Maß für sportliche Aktivitäten dürfte individuell ganz unterschiedlich ausfallen. 

Was war in der Geschichte der Medizin der größte Durchbruch?

Die Beobachtung, dass Bakterien Penicillin produzieren und die daraus abgeleiteten Konsequenzen zur Entwicklung der Antibiotika.

Welches sind die wichtigsten Fragen, die die Gesundheitsforschung in den nächsten Jahrzehnten beantworten muss?

Wie ist eine faire und angemessene medizinische Versorgung der Gesellschaft möglich? Ein besonderers Augenmerk muss dabei auf den Problemen der alternden Gesellschaft liegen.  

... und was kann Ihre Disziplin dazu beitragen?

Mein Arbeitsfeld kann hierzu

(I) Erkenntnisse zum Regenerationspotential des menschlichen Organismus liefern, das durch neuartige Therapieformen aktiviert werden sollte. Ein sich daraus entwickelnder Schwerpunkt sollte

(II) die frühzeitige Unterstützung geschädigter Gewebe- oder Organfunktionen durch regenerative Therapeutika sein, damit der Ausfall und komplette Ersatz von Organen vermieden oder möglichst lange hinausgezögert werden kann. Hinzu kommt

(III) die Erarbeitung von Kriterien zur individualisierten Therapie und deren konsequente Umsetzung.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Forscherin?

Als wir unser Luftröhrentransplantat dem ersten Patienten implantiert hatten. Dieser konnte sofort nach der Operation wieder sprechen und schon nach 14 Tagen die Klinik verlassen, ohne weitere Medikamente einnehmen zu müssen.

Welcher prominenten Person würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt erklären?

Rita Süßmuth

Was hat Sie dazu gebracht, Forscherin zu werden?

Nach dem Abitur wollte ich zunächst Medizin studieren. Nach einem Praktikum auf einer onkologischen Station war mir aber klar, dass ich nicht täglich dort arbeiten und vor allen Dingen nicht die direkte Verantwortung für Patienten übernehmen wollte. Die medizinische anwendungsorientierte Forschung war für mich persönlich eine gute Alternative.

Wenn nicht Wissenschaftlerin – was würden Sie gerne sein?

Politikerin, Staatsekretärin im Gesundheits- oder Wissenschaftsbereich

Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie bei der wissenschaftlichen Arbeit am meisten?

Ungeduld, ... oder dass auch die motivierte Wissenschaftlerin regelmäßig Schlaf benötigt. Am nächsten Tag ist dann der „Elan“ bei der Planung oder Durchführung des Experiments zunächst oft nicht so intensiv wie am Vorabend. 

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Ein gutes Namensgedächtnis

Was regt Ihre Kreativität am besten an?

Fahrrad fahren und dabei mit meinem Mann diskutieren

Mit welchem historischen Kollegen würden Sie gerne essen gehen?

Paul Ehrlich

Was wird die Wissenschaft vermutlich nie erklären können?

All die vielen „Henne und Ei“-Fragen

Was war Ihr größter Erfolg bei der Kommunikation Ihrer Forschungstätigkeit?

Vorträge und Diskussionen über unsere Arbeiten in Schulen und bei Lehrerfortbildungen

Und was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Ein Interview im ARD-Morgen-Magazin, bei dem ich so geschminkt wurde, dass ich mich in meiner eigene Haut nicht mehr wohlgefühlt habe.

Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?

Auf das jährliche Wochenende mit meinen Patentenkindern und meinen eigenen Kindern, ganz ohne andere Erwachsene.

Zur Person

Heike Walles ist Leiterin der Abteilung Zellsysteme am Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik. Seit 2009 leitet sie außerdem den Lehrstuhl Tissue Engineering und Regenerative Medizin der Universität Würzburg. Mehr

Zur Forschung

Heike Walles erforscht Methoden der Gewebezüchtung, auch Tissue Engineering genannt. Aus körpereigenen Zellen eines Menschen züchtet die Biologin neue, dreidimensionale Gewebe. Diese können implantiert, aber auch zu anderen Zwecken - etwa in der Medikamentenentwicklung - eingesetzt werden. Mehr

Forschungsbörse

Schülerinnen und Schüler können Heike Walles auch in ihre Schule einladen. Sie macht mit bei der Forschungsbörse des Wissenschaftsjahres 2011 - Forschung für unsere Gesundheit. Ihr Thema im Unterricht: „Neues aus Frankensteins Werkstatt” Forschungsbörse

 
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