Im Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung zuerst die Frage: Was ist „gesund“?
Für mich ist „gesund“ das Gefühl, das ein jeder Mensch hat, wenn er mit sich zufrieden ist. Ich bin überzeugt davon, dass es sehr wichtig ist, diese persönliche Bewertungskomponente wesentlich stärker zu berücksichtigen. Es ist sicher gesund, sich regelmäßig körperlich zu betätigen. Aber ein sinnvolles Maß für sportliche Aktivitäten dürfte individuell ganz unterschiedlich ausfallen.
Was war in der Geschichte der Medizin der größte Durchbruch?
Die Beobachtung, dass Bakterien Penicillin produzieren und die daraus abgeleiteten Konsequenzen zur Entwicklung der Antibiotika.
Welches sind die wichtigsten Fragen, die die Gesundheitsforschung in den nächsten Jahrzehnten beantworten muss?
Wie ist eine faire und angemessene medizinische Versorgung der Gesellschaft möglich? Ein besonderers Augenmerk muss dabei auf den Problemen der alternden Gesellschaft liegen.
... und was kann Ihre Disziplin dazu beitragen?
Mein Arbeitsfeld kann hierzu
(I) Erkenntnisse zum Regenerationspotential des menschlichen Organismus liefern, das durch neuartige Therapieformen aktiviert werden sollte. Ein sich daraus entwickelnder Schwerpunkt sollte
(II) die frühzeitige Unterstützung geschädigter Gewebe- oder Organfunktionen durch regenerative Therapeutika sein, damit der Ausfall und komplette Ersatz von Organen vermieden oder möglichst lange hinausgezögert werden kann. Hinzu kommt
(III) die Erarbeitung von Kriterien zur individualisierten Therapie und deren konsequente Umsetzung.
Was war Ihr schönstes Erlebnis als Forscherin?
Als wir unser Luftröhrentransplantat dem ersten Patienten implantiert hatten. Dieser konnte sofort nach der Operation wieder sprechen und schon nach 14 Tagen die Klinik verlassen, ohne weitere Medikamente einnehmen zu müssen.
Welcher prominenten Person würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt erklären?
Rita Süßmuth
Was hat Sie dazu gebracht, Forscherin zu werden?
Nach dem Abitur wollte ich zunächst Medizin studieren. Nach einem Praktikum auf einer onkologischen Station war mir aber klar, dass ich nicht täglich dort arbeiten und vor allen Dingen nicht die direkte Verantwortung für Patienten übernehmen wollte. Die medizinische anwendungsorientierte Forschung war für mich persönlich eine gute Alternative.
Wenn nicht Wissenschaftlerin – was würden Sie gerne sein?
Politikerin, Staatsekretärin im Gesundheits- oder Wissenschaftsbereich
Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie bei der wissenschaftlichen Arbeit am meisten?
Ungeduld, ... oder dass auch die motivierte Wissenschaftlerin regelmäßig Schlaf benötigt. Am nächsten Tag ist dann der „Elan“ bei der Planung oder Durchführung des Experiments zunächst oft nicht so intensiv wie am Vorabend.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Ein gutes Namensgedächtnis
Was regt Ihre Kreativität am besten an?
Fahrrad fahren und dabei mit meinem Mann diskutieren
Mit welchem historischen Kollegen würden Sie gerne essen gehen?
Paul Ehrlich
Was wird die Wissenschaft vermutlich nie erklären können?
All die vielen „Henne und Ei“-Fragen
Was war Ihr größter Erfolg bei der Kommunikation Ihrer Forschungstätigkeit?
Vorträge und Diskussionen über unsere Arbeiten in Schulen und bei Lehrerfortbildungen
Und was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?
Ein Interview im ARD-Morgen-Magazin, bei dem ich so geschminkt wurde, dass ich mich in meiner eigene Haut nicht mehr wohlgefühlt habe.
Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?
Auf das jährliche Wochenende mit meinen Patentenkindern und meinen eigenen Kindern, ganz ohne andere Erwachsene.