Wissenschaft persönlich

WiD fragt – Hubert Wolf antwortet

15 Fragen, 15 mal ernsthafte, mal vergnügliche Antworten. In Etappen stellen wir Ihnen mit unserem Fragebogen interessante Forscherpersönlichkeiten vor. Den Anfang machen die bisherigen Gewinner des Communicator-Preises – des höchstdotierten deutschen Preises für Wissenschaftskommunikation. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft vergeben ihn seit 2000 jährlich. Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf erhielt ihn 2004.

 

Hubert Wolf
Foto: Universität Münster/Wilfried Gerharz

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Forscher?

In meiner Doktorarbeit habe ich einen Inquisitionsprozess ohne die eigentlichen römischen Akten rekonstruiert. Als ich dann doch endlich ins geheimnisumwitterte Archiv mit all seinen historischen Schätzen durfte, habe ich nur gedacht: Wow! Außerdem habe ich mich sehr gefreut, dass die Akten den Ergebnissen meiner Doktorarbeit genau entsprochen haben ...

Welche wissenschaftliche Entdeckung war in Ihren Augen bisher die wichtigste?

Fragen Sie den Theologen, den Historiker oder den allgemeinen Wissenschaftler? Für den Theologen ist sicherlich der Beleg am brisantesten, den ein Kirchenhistoriker im 19. Jahrhundert dafür gefunden hat, dass Päpste in theologischen Fragen geirrt haben und deshalb nicht unfehlbar sein können.

Was sollte unbedingt noch erfunden werden?

Medikamente gegen bisher unheilbare Krankheiten.

Welcher prominenten Person würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt erklären?

Da ich momentan zwei große Forschungsprojekte habe, möchte ich zwei Antworten geben: Mein Buchzensur-Projekt würde ich gerne dem iranischen Chefzensor vorstellen, mit der Botschaft, dass eine Totalkontrolle der Medien unmöglich ist … Und mein Pacelli-Projekt Benedikt XVI. (der es auch schon kennt), um ihm zu verdeutlichen, welche Forschungslücken in der Erforschung des Pontifikats Pius’ XII. noch bestehen, und ihm aufzuzeigen, dass man erst ein wissenschaftliches Fundament erarbeiten muss, bevor man diesen Papst und sein Handeln angemessen beurteilen kann.

Was hat Sie dazu gebracht, Forscher zu werden?

Die Lust, Unbekanntes in Archiven und alten Akten auszugraben.

Wenn nicht Wissenschaftler – was würden Sie gerne sein?

Raketenantriebstechnikerfinder.

Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie beim Forschen am meisten?

Meine Ungeduld.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Mehr Talent zum Sprachenlernen …

Was regt Ihre Kreativität am besten an?

Eine Wanderung durch die heimatlichen schwäbischen Wälder oder Bergsteigen.

Mit welchem historischen Kollegen würden Sie gerne essen gehen?

Mit Carl Joseph von Hefele (1809-1893), Kirchenhistoriker in Tübingen und Bischof von Rottenburg.

Was ist die bedeutendste Frage, welche die Wissenschaft in Ihrem Forschungsbereich noch nicht beantwortet hat?

Warum schwieg Pius XII. zum Holocaust?

Was wird die Wissenschaft vermutlich nie erklären können?

Warum Pius XII. zum Holocaust schwieg.

Was war Ihr größter Erfolg bei der Kommunikation Ihrer Forschungstätigkeit?

Bei der Öffnung der Bestände zum Pontifikat Pius XI. im Vatikanischen Geheimarchiv im Jahr 2006 auf internationaler Ebene einer breiten Öffentlichkeit erklären zu können, warum dies so wichtig ist und welche Möglichkeiten die Akten bieten, offene Fragen zum Thema Kirche und Nationalsozialismus zu beantworten.

Und was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Kommunikationsdesaster drohen immer dann, wenn ich mich auf die Technik verlassen muss, zum Beispiel auf Powerpoint-Präsentationen. Fragen Sie meine Mitarbeiter …

Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?

Dass ich ein neues Buch über eine wunderbar spannende Kriminalgeschichte im Vatikan schreiben darf, alles Fakten, keine Fiktion.


Zur Person

Hubert Wolf wurde 1959 in Wört/Ostalbkreis geboren. Er studierte in Tübingen und München katholische Theologie, wurde 1985 zum Priester geweiht, 1990 promoviert und 1992 in Tübingen für das Fach Mittlere und Neuere Kirchengeschichte habilitiert.

Ab 1991 war er Professor für Kirchengeschichte an der Universität Frankfurt. Seit 2000 lehrt er an der Universität Münster.

2003 erhielt er den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis und 2004 den Communicator-Preis. Er beschäftigt sich zum einen mit der Auswertung der Archive der Inquisition und zum anderen mit der Erforschung der Pontifikate von Pius XI. und Pius XII.

 
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