Wissenschaft persönlich

WiD fragt – Jörg Hacker antwortet

15 Fragen, 15 mal ernsthafte, mal vergnügliche Antworten. In Etappen stellen wir Ihnen interessante Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor. Nach den Communicator-Preisträgern kommen nun Forschende zu Wort, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema Gesundheit beschäftigen.

 

Jörg Hacker
Foto: Leopoldina/D. Ausserhofer

Im Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung zuerst die Frage: Was ist „gesund“?

Gesund ist zum einen das Gegenteil von krank. Es ist aber mehr, gesund hat etwas zu tun mit Lebensqualität, psychischem und physischem Wohlbefinden, aber auch mit einer guten sozialen Situation. Dabei ist auch das Lebensalter ganz entscheidend zu berücksichtigen.

Was war in der Geschichte der Medizin der größte Durchbruch?

Aus meiner Sicht war das die Tatsache, dass Impfungen in der Tat Krankheiten ausrotten können. Dies haben wir bei den Pocken erreicht und ich hoffe, dass auch weitere Infektionskrankheiten durch Impfungen von unserem Erdball verschwinden, beispielsweise die Kinderlähmung.

Welches sind die wichtigsten Fragen, die die Gesundheitsforschung in den nächsten Jahrzehnten beantworten muss?

Hier gibt es sehr viele Fragen. Meine Disziplin, die Infektionsforschung, muss dazu beitragen, bessere antiinfektiv wirkende Mittel und Impfstoffe zu entwickeln, beispielsweise gegen das Denguefieber oder gegen Durchfallerkrankungen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Forscher?

Eines der schönsten Erlebnisse war, dass ich als junger Postdoktorand Gencluster für bakterielle Haftfaktoren klonieren konnte. An diesem Projekt haben wir in Würzburg lange gearbeitet und ich war froh, als das gelang.

Welcher prominenten Person würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt erklären?

Ich habe kürzlich im Rahmen der Nobelpreisträger-Tagung in Lindau ein Gespräch mit Bill Gates zu infektionsbiologischen Fragen geführt, das war sehr interessant.

Was hat Sie dazu gebracht, Forscher zu werden?

Vor allen Dingen Neugierde, Interesse an wissenschaftlichen Fragen. Die Biologie war Ende der 60er Jahre in einem Aufbruch, das war faszinierend.

Wenn nicht Wissenschaftler – was würden Sie gerne sein?

Ich habe lange darüber nachgedacht, Theologie zu studieren und wäre dann wahrscheinlich evangelischer Pfarrer geworden.

Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie bei der wissenschaftlichen Arbeit am meisten?

Es kann störend sein, wenn man wissenschaftliche Fragestellungen zu breit anlegt. Man muss schnell zum Punkt kommen und spezifische Probleme bearbeiten.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Fließend Französisch zu sprechen.

Was regt Ihre Kreativität am besten an?

Lange Spaziergänge, idealerweise mit meiner Frau und den Kindern, bei gutem Wetter an der Ostsee.

Mit welchem historischen Kollegen würden Sie gerne essen gehen?

Mit Luther und Melanchthon, das würde wahrscheinlich ein interessantes Gespräch ergeben.

Was wird die Wissenschaft vermutlich nie erklären können?

Es gibt bestimmte Systeme und Fragestellungen, die eine hohe Komplexität aufweisen, beispielsweise die Entstehung des Universums, auch die Funktionsweise des Gehirns. Hier wird die Wissenschaft noch lange forschen können...

Was war Ihr größter Erfolg bei der Kommunikation Ihrer Forschungstätigkeit?

Recht gut ist die zweite Stammzelldebatte vor drei Jahren gelaufen, als ich mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft dabei war, einen Kompromiss zu formulieren, der dann auch als Gesetz verabschiedet wurde.

Und was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Desaster ist vielleicht das falsche Wort. Ich denke aber, dass es der Wissenschaft bis heute nicht gelungen ist, in Deutschland und auch in anderen europäischen Staaten die Bedeutung der grünen Gentechnik zu vermitteln. Es handelt sich hier um eine wichtige, weltweit benutzte Technologie, die für die Grundlagenforschung, aber auch für die Pflanzenzüchtung wichtig ist. Hier muss noch viel „Kommunikationsarbeit“ geleistet werden. 

Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?

Auf die Jahresversammlung der Leopoldina zum Thema „Was ist Leben“.

Zur Person

Jörg Hacker ist Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften LeopoldinaMehr

Zur Forschung

Als Wissenschaftler untersucht Jörg Hacker die molekularen Grundlagen von Infektionsprozessen. Als Präsident der Leopoldina ist er wissenschaftlicher Berater für Politik und Öffentlichkeit zu gesellschaftlich relevanten Fragestellungen. Mehr

 
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