Was war Ihr schönstes Erlebnis als Forscher?
Als es mir gelang, ein einzelnes Atom – nur etwa ein Hunderttausendstel eines Haardurchmessers groß – mit dem Rastertunnelmikroskop direkt abzubilden und aus dem Kristallverband einer Molybdändisulfidoberfläche herauszulösen. Dies ging als das Bohren des kleinsten Lochs der Welt in das Guinness-Buch der Rekorde ein. Da wurde Wissenschaft für das allgemeine Publikum greifbar.
Welche wissenschaftliche Entdeckung war in Ihren Augen bisher die wichtigste?
Die Erkenntnis, dass die „normalen“ Verhältnisse, in denen wir leben, keineswegs normal sind, sondern meist nur Spezialfälle von Naturgesetzen für besondere Bedingungen. Das wurde zum Beispiel bei der Entdeckung der Quanten- oder der Relativitätstheorie klar.
Was sollte unbedingt noch erfunden werden?
Ein Avatar, der mir Routinearbeiten abnimmt und zudem noch all meine Fragen beantwortet.
Welcher prominenten Person würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt erklären?
Am liebsten würde ich allen Menschen mein aktuelles Forschungsprojekt zur molekularen Selbstordnung am Ursprung des Lebens erklären. Wenn es nur eine einzelne prominente Person sein dürfte, dann dem Papst, da er dazu sicherlich ein interessanter und äußerst kompetenter Gesprächspartner wäre.
Was hat Sie dazu gebracht, Forscher zu werden?
Mein unaufhaltsamer Drang, wissen zu wollen, und die Erkenntnis, fast nichts zu verstehen in dieser Welt.
Wenn nicht Wissenschaftler – was würden Sie gerne sein?
Museumsdirektor, aber das bin ich schon, daher Sänger in einer Rockband, Maler ... Ich hätte viele Ideen.
Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie beim Forschen am meisten?
Meine Ungeduld.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Fantasie, schnelle Auffassungsgabe gepaart mit scharfem analytischen Verstand und fotographischem Gedächtnis und – siehe oben – eine Stimme wie Ken Hensley oder Ian Gillan.
Was regt Ihre Kreativität am besten an?
Ausgeschlafenheit und die Diskussion mit Kollegen.
Mit welchem historischen Kollegen würden Sie gerne essen gehen?
Mit Albert Einstein, um ihn nachträglich von der Idee abzubringen, dass man seine Relativitätstheorie nicht in einer Ausstellung erklären kann. Dies hatte er dem Deutschen Museum am Ende eines Briefwechsels geschrieben. Allerdings dauerte es tatsächlich bis 2005, ehe wir diese Idee von Oskar von Miller, dem Gründer des Deutschen Museums, verwirklichen konnten.
Was ist die bedeutendste Frage, welche die Wissenschaft in Ihrem Forschungsbereich noch nicht beantwortet hat?
Wie ist der genaue molekulare Mechanismus der Selbstordnung, der Leben aus „toter“ Materie hat entstehen lassen. Oder in anderen Worten, wie kann man die zirkulare Kausalität der Existenz von DNA und Proteinen lösen? In lebenden Systemen existiert, in Form von Enzymen und verschiedenen RNA-Typen, eine Transkriptions-und Translationsmaschinerie, die den genetischen Code realisiert. Doch diese Maschinerie setzt die Realisation des Codes zu ihrer eigenen Synthese voraus. Ein typisches Henne-Ei-Problem.
Was wird die Wissenschaft vermutlich nie erklären können?
Die Frage nach dem „Warum“.
Was war Ihr größter Erfolg bei der Kommunikation Ihrer Forschungstätigkeit?
Dass ich Kinder von Naturwissenschaft und Technik begeistern kann, inklusive meiner Tochter.
Und was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?
Als mich nach einem Vortrag für ein interessiertes Laienpublikum eine Dame mit der Frage schockte, woher ich meine schöne Tenorstimme hätte. Da begriff ich, dass ich ihr mein so spannendes Thema Nano nicht hatte näherbringen können.
Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?
Auf die neue Ausstellung zum Thema „Leben in den 50er Jahren“ im Deutschen Museum, auf die Ausstellung meiner Bilder im Rahmen unserer Kunstgilde Parsberg, auf die Neueinrichtung meines Ultrahochvakuumlabors zusammen mit meinen Studenten im Deutschen Museum und ganz besonders auf das Abitur meiner Tochter.
Redaktion WiD: urs