Montag 18.06.12

Schon gewusst, wie Fußballer das Laufen lernen?

Ein Schuss aus kurzer Distanz, der Torwart reagiert einen Sekundenbruchteil zu spät, der Ball zappelt im Netz – und die Mannschaft hat ein Eigentor kassiert. Das ist ärgerlich, aber nicht weiter tragisch: Während Jogi Löw und sein Team noch davon träumen, den Europameistertitel zu holen, haben die Spieler von B-Human das schon geschafft.

Trotz Eigentor gewannen sie im April beim RoboCup German Open 2012. Dort treten ganz unterschiedliche Roboter im Fußballspiel gegeneinander an. Die Spieler von B-Human sind in der Liga der menschenähnlichen Roboter aktiv. Die Hardware ist bei diesem Turnier für alle Mannschaften gleich. Die Herausforderung liegt in der Software-Entwicklung. Denn das Programm legt fest, wie die Roboter spielen und entscheidet damit über Sieg und Niederlage einer Mannschaft. Trainiert, sprich programmiert, werden die B-Humans von Studenten und Wissenschaftlern des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, DFKI, und der Uni Bremen.

Sie müssen ihren Schützlingen einiges beibringen, was Löws Spieler längst im Schaf beherrschen: zum Beispiel die Orientierung auf dem Spielfeld. Im Wettbewerb 2012 war es für die Bots besonders schwierig, sich zurechtzufinden. Denn zum ersten Mal waren beide Tore gleichfarbig und damit das Spielfeld vollständig symmetrisch. Da kann es schon einmal zu Orientierungsschwierigkeiten kommen, etwa wenn der Roboter umfällt oder im Kampf um den Ball angerempelt und dabei gedreht wird. Damit trotzdem keiner auf das falsche Tor schießt, müssen sich die Bots bereits beim Einlaufen „merken“, wo das gegnerische Tor steht und alle Richtungsänderungen während des Spiels genau verfolgen. Zusätzlich stehen die Spieler der Mannschaft über WLAN in Kontakt und gleichen ihre Bewegungsrichtungen relativ zum Ball ab.

Eine andere Herausforderung ist das schnelle und stabile Laufen. Immerhin muss das Programm die Bewegung von elf Gelenken an den Roboterbeinen, vier pro Arm und zwei im Hals möglichst effektiv koordinieren – und hundertmal pro Sekunde die einzunehmenden Stellungen an die Gelenke übermitteln. Die Wissenschaftler des DFKI sind spitze, wenn es darum geht, den Robotern das Laufen beizubringen. Jedes Jahr nach dem Wettbewerb stellen sie ihren Programmcode den anderen Teams zur Verfügung. Und entwickeln selbst ihr Programm weiter, damit die Bots das Laufen immer besser lernen. Mittlerweile erreichen diese Geschwindigkeiten von rund 30 Zentimetern pro Sekunde.

Es gibt noch einiges zu tun, bis das große Ziel des RoboCups erreicht ist: Bis zum Jahre 2050 soll ein Team von autonomen, humanoiden Robotern entwickelt werden, das den dann amtierenden menschlichen Fußballweltmeister schlagen kann.

In mancher Hinsicht können die B-Humans aber schon jetzt Vorbild für Löw und sein Team sein: Beim RoboCup 2012 versenkten sie den Ball 55 Mal im gegnerischen Kasten. Sie wurden zum vierten Mal in Folge Europameister und sind seit 49 Spielen ungeschlagen. Im Juni 2012 reisen Roboter, Studenten und Wissenschaftler nach Mexico City, um den Weltmeistertitel zu verteidigen.

 
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