„Den Fußballroman“ gibt es nicht – darüber sind sich die Literaturwissenschaftler einig. Fußballbücher im literarischen Gewand sind mehr oder weniger Autobiografien, in denen die Rolle des Fußballs im Leben des Autors im Zentrum steht.
Der Grund dafür, dass sich das Fußballspiel der literarischen Bearbeitung entzieht, liegt darin, dass es selbst eine Kunst ist: Das Fußballfeld ist ein Rahmen, in dem sich während eines Spiels die unterschiedlichsten Kunsttechniken vollziehen. Ein faires Spiel, gut aufgenommen, übertragen oder im Stadion gesehen, ist vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet ein Kunstwerk für sich. Man kann es nicht oder nur unzulänglich in eine andere Kunstform, beispielsweise die der Literatur übersetzen. Alle diesbezüglichen Versuche müssen scheitern oder aber so blass bleiben, dass sich das ursprüngliche Kunsterlebnis nicht mehr mitteilt, weil es übersetzt, vermittelt, mittelbar wird. In Peter Handkes Gedicht über „Die Welt des Fußballs“ von 1968 heißt es: „Der Fußball hat eine Seele.“ Das Gedicht endet – mit der Mannschaftsaufstellung des 1. FC Nürnberg!
Die Anekdote gilt als das literarische Genre, das den Geist des Fußballspiels am besten wiedergibt. Eine Anekdote beschreibt eine einzelne, bemerkenswerte oder charakteristische Begebenheit, ohne den ganzen Hintergrund mitzuliefern. Der Schriftsteller Ror Wolf hat dies zur Perfektion gebracht: In penibler Kleinarbeit bastelte er aus Ansagen, Reportagen und Berichten große Fußball-Collagen zusammen, die dem vielschichtigen Phänomen Fußball sehr nahe kommen.
Trotzdem erscheinen im Zyklus der Welt- und Europameisterschaften immer neue und immer größere Mengen Fußballbücher. 1992 (EM in Schweden: Dänemark besiegt Deutschland im Finale mit 2:0) erfuhr dieses Buchhandelssegment einen besonders großen Schub durch Nick Hornbys „Fever pitch“ (dt. „Ballfieber“). Doch auch bei diesem Werk handelt es sich weniger um einen Roman, als vielmehr um eine spannend erzählte Autobiografie. Es beginnt mit den Worten: „Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte ...“ Das Buch erzählt vom Erwachsenwerden eines Londoner Vorstadtjungen, von seiner Familie und Freunden und hauptsächlich vom Fußball aus der Sicht eines Fans von Arsenal London.
Auch Albert Camus, der Großmeister des existentialistischen Romans, rannte als Jugendlicher auf einem Spielfeld dem Ball hinterher. Von ihm ist überliefert: „Alles, was ich vom Leben weiß, habe ich vom Fußball gelernt.“