Foto: Carola Radke, Museum für Naturkunde Berlin

Wie?So!

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Wann entstand der Begriff Naturwissenschaft?

Eine systematische Untersuchung der Frage, wann und in welcher Bedeutung das Wort „Naturwissenschaft“ auftauchte, steht bislang noch aus. Bekannt ist aber, dass der Begriff im Laufe des 19. Jahrhunderts geprägt wurde. Zu dieser Zeit hatte sich die Naturwissenschaft zu einem eigenständigen Bereich entwickelt und aus der Philosophie herausgelöst.

Heute bezeichnet man als Naturwissenschaft den Bereich der Wissenschaft, der sich mit der Erforschung der Gegebenheiten und Vorgänge in der Natur beschäftigt. Dies war nicht immer so. Zwar können systematische Erkenntnisbemühungen über die Phänomene der Natur bis in die Zeiten der alten Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens zurückverfolgt werden. Doch bis ins 16. Jahrhundert hinein wurde das Wissen über die Natur als integraler Bestandteil eines allgemeinen Erkenntnisstrebens betrachtet. Eine Trennung zwischen Geistes- und Naturwissenschaften und der Philosophie gab es bis dahin nicht.

Erst im 16. und 17. Jahrhundert konzentrierten sich die neu entstehenden Akademien auf Natur und Technik – und verfolgten häufig auch das Ziel, technisch anwendbares Wissen zu entwickeln. So änderte sich das Verständnis des Begriffs „Natur“ und bezog nun auch künstlich geschaffene Dinge mit ein. Im 18. Jahrhundert reagierten die Universitäten auf das stark angewachsene Wissen über die Natur sowie die neu entwickelten Instrumente und Verfahren, sie zu erforschen. Sie richteten Lehrstühle für einzelne Teilbereiche ein, darunter Experimentalphysik, Chemie oder Naturgeschichte. Nach wie vor wurden diese aber den Philosophischen Fakultäten zugeordnet und nicht als einzelne Teilbereiche eines großen Bereichs Naturwissenschaften angesehen.

Erst im 19. Jahrhundert änderte sich dieses Verständnis der Naturforschung. In vielen Ländern wurden „Naturforschende Gesellschaften“ gegründet und der Begriff des „Naturforschers“ eingeführt. Der britische Geistliche, Naturforscher und Philosoph William Whewell prägte den Begriff „scientist“, der dem heutigen Begriff des Naturwissenschaftlers sehr nahe kommt und damit im Gegensatz zum zuvor gebrauchten „natural philosopher“ stand. In seiner 1837 erschienen Wissenschaftsgeschichte der Naturwissenschaft stellte Whewell die mathematischen, physikalischen, chemischen und naturhistorischen Bereiche unter einen gemeinsamen Oberbegriff: „Inductive Sciences“ und akzentuierte damit den Beginn der Naturwissenschaften als eigenständiger Fächergruppe.

Die Frage wurde beantwortet von Prof. Dr. Friedrich Steinle, Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte der Technischen Universität Berlin

Weitere Informationen: "Enzyklopädie der Neuzeit, 1450-1850", Band 9, Metzler Verlag Stuttgart

(Redaktion WiD: urs)

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