Dr. Frank Schröter (rechts) mit Moderator Ingolf Baur bei „Dialog an Deck“ auf dem Energieschiff am 28. Juni 2010 in Hamburg. Foto: Miriam Buchmann-Alisch/WiD

Konzepte für den Stadtverkehr der Zukunft

„Chancengleichheit der Verkehrsmittel“

Interview mit Dr. Frank Schröter, Technische Universität Braunschweig

WiD: Elektroautos, Wasserstoffautos, E-Fahrräder, Car-Sharing und attraktiver Öffentlicher Nahverkehr – neue und zum Teil umfassende Verkehrskonzepte sollen insbesondere den Umwelt- und Klimaschutz nachhaltig verbessern. Wie sieht Ihr Idealbild von urbaner Mobilität der Zukunft aus?


Schröter: Jeder kann seine Wünsche nach Mobilität realisieren und dabei aus einem gleichwertigen Angebot der verschiedensten Verkehrsmittel wählen. Hierzu muss das Leitbild einer nachhaltigen Mobilität umgesetzt werden, die aus drei Schritten besteht: Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung, Umweltschutz an der Quelle.

WiD: Welches sind die größten Probleme, die auf dem Weg zu diesem Idealbild zu bewältigen sind?

Schröter: Neben dem Bewusstseinswandel in der Bevölkerung ist das die Schaffung der Chancengleichheit für die Verkehrsmittel (Förderung des Rad- und Fußverkehrs sowie des ÖPNV) und der Bedingungen im Raum (Stichwort: Stadt der kurzen Wege).

WiD: Muss der Staat für die Verwirklichung eines zukunftsfähigen Mobilitätskonzepts lenkend eingreifen? Welche staatlichen Regulierungen oder Förderungen für Verbraucher, Kommunen und Industrie halten Sie für sinnvoll?

Schröter: Ja, es muss ein ausgewogenes Konzept mit Push- und Pull-Maßnahmen geben. Push-Maßnahmen sind zum Beispiel eine Erhöhung der Kosten für die Nutzung des Pkw (Abschaffung der Kfz-Steuer und Umlage auf Benzinpreise). Pull-Maßnahmen sind kurze, bequeme Wege im Radverkehr und kurze Takte im Öffentlichen Verkehr, die vom Staat gefördert werden.

WiD: Nutzerakzeptanz ist letztlich der Schlüssel für den Markterfolg. Wie lässt sich die Attraktivität neuer Mobilitätskonzepte für die Nutzer und damit für die Gesellschaft erhöhen? Welche Anreize könnte es beispielsweise dafür geben, eine entindividualisierte Mobilität in Form von Car-Sharing für eine breite Bevölkerung attraktiv zu machen?

Schröter: Die Konzepte müssen der Bequemlichkeit der Menschen entgegenkommen, das heißt, sie müssen leicht verständlich und preiswert sein, es muss ein ausreichendes Angebot geben etc. Weitere Vorteile, zum Beispiel separate Parkplätze, können zusätzlich dabei helfen, die Akzeptanz zu steigern.

WiD: Unter welchen Voraussetzungen würden Sie selbst sofort und dauerhaft Ihr eigenes Auto aufgeben?

Schröter: Wenn meine Frau einen Arbeitsplatz am Wohnort finden würde, die Chancengleichheit der Verkehrsmittel gegeben ist und die unter 4. genannten Bedingungen des Car-Sharings erfüllt sind.



Siehe auch:

Dr. Frank Schröter: Nachhaltige Verkehrspolitik

 

Redaktion WiD: mba

Zur Person

Dr.-Ing. Frank Schröter lehrt Stadt- und Regionalplanung mit dem Schwerpunkt Umweltschutz am Institut für Verkehr und Stadtbauwesen der Technischen Universität Braunschweig.

Hintergrund

Welche Verkehrskonzepte für die Zukunft gibt es?

Eine Materialsammlung zum Thema.

Materialsammlung

Dialog an Deck

Die Diskussionsreihe „Dialog an Deck“ startete im Mai auf der MS Wissenschaft, die in diesem Jahr als Energieschiff unterwegs ist.

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