Konzepte für den Stadtverkehr der Zukunft
„Öffentliche Stromladesäulen werden das zukünftige Stadtbild prägen“
Interview mit Dr. Rainer Schubach, Vattenfall Europe
WiD: Elektroautos, Wasserstoffautos, E-Fahrräder, Car-Sharing und attraktiver Öffentlicher Nahverkehr – neue und zum Teil umfassende Verkehrskonzepte sollen insbesondere den Umwelt- und Klimaschutz nachhaltig verbessern. Wie sieht Ihr Idealbild von urbaner Mobilität der Zukunft aus?
Schubach: Die Elektromobilität ist eine wichtige Säule für eine signifikante Emissionseinsparung im Straßenverkehr und trägt ebenso zur Ressourcenunabhängigkeit bei. Verschiedene Konzepte kommen dabei zum Tragen. Wir setzen auf wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge sowie auf batteriebetriebene Elektroautos. Eine flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Stromladesäulen wird mit Sicherheit das zukünftige Stadtbild prägen.
In Hamburg beginnen wir im Sommer mit dem Bau einer zweiten Wasserstoffstation, die 20 Busse der Hamburger Hochbahn versorgen kann. Zukünftig, also dann, wenn wasserstoffbetriebene Fahrzeug serienmäßig verfügbar sind, werden auch herkömmliche Tankstellen mit einer „Zapfsäule“ für Wasserstoff ausgestattet sein.
Darüber hinaus wird auch der sogenannte „multimodale Einsatz“ das Bild prägen. Multimodal heißt in diesem Kontext die kombinierte Nutzung verschiedener klimafreundlicher Fahrzeugarten. Vorstellbar wäre eine Anreise per Bahn und eine anschließende Nutzung von Elektrofahrzeugen, um zum Ziel zu gelangen. Diese stehen dann im Car-Sharing-Prinzip zur Verfügung. So ein Pilotprojekt werden wir Ende dieses Jahres in Hamburg gemeinsam mit unseren Partnern starten.
WiD: Welches sind die größten Probleme, die auf dem Weg zu diesem Idealbild zu bewältigen sind?
Schubach: Es müssen zum einem die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, zum Beispiel europäisch einheitliche Standards für Stecker. Aber auch überregionale Abrechnungssysteme oder ein deutschlandweites Fahrstromangebot sind künftig erforderlich. Zum anderen ist natürlich eine gesellschaftliche Akzeptanz eine wesentliche Voraussetzung.
Eine ausreichende und konstante Bereitstellung von grüner Energie stellt uns als Energieversorger vor große Herausforderungen. Offshore-Windparks sind eine ideale Energiequelle für Elektrofahrzeuge. Doch der Wind weht, wann er will, nicht wenn er benötigt wird. Daher gilt es, Speichermöglichkeiten in Form von Wasserstoff oder Autobatterien zu schaffen.
WiD: Enorme Mengen an Energie müssen zur Verfügung gestellt werden. Klimaschonend soll das Ganze auch noch sein. Wie will die Energiebranche dies bewerkstelligen?
Schubach: Das Stromnetz muss vor allem intelligenter werden, denn durch den Ausbau der erneuerbaren Energien, wie Offshore-Wind, verändern sich die Anforderungen erheblich – durch Einspeiseschwankungen oder eben durch neue Lastspitzen. Das heutige Netz ist für diese Koordinierung nicht ausgelegt. Das künftige Netz muss „intelligenter“ werden. Dies geschieht durch Computersteuerung, die dafür sorgt, dass alle Stromverbraucher und Erzeuger miteinander kommunizieren.
Auch der Ausbau von dezentralen und erneuerbaren Erzeugungsanlagen muss in die Planung der elektromobilen Infrastruktur einbezogen werden. In Hamburg und in Berlin bauen wir Biomasse-Heizkraftwerke, die eine CO2-neutrale Verbrennung ermöglichen. Eine wichtige Maßnahme, um auch die Klimaschutzziele der Metropolen zu unterstützen.
Der größte Anteil des Stroms für den emissionsfreien Straßenverkehr wird offshore erzeugt werden. Bereits heute trägt Vattenfall als Betreiber der vier weltgrößten Offshore-Windenergieparks hierzu einen großen Beitrag.
WiD: Unter welchen Voraussetzungen würden Sie selbst sofort und dauerhaft Ihr eigenes Auto aufgeben?
Schubach: Ein Mobilitätsverzicht ist nicht die vorrangige Frage. Die Frage ist, mit welcher Energie werden die Fahrzeuge in Zukunft klimaschonend betrieben.
Sobald eine ausreichende Infrastruktur für Elektromobilität aufgebaut ist, kann ich mir persönlich ein Elektrofahrzeug sehr gut vorstellen.