Was war Ihr schönstes Erlebnis als Forscher?
Der Glanz in den Augen junger Menschen, wenn sie dabei sind, sich in die Welt der Ideen zu verlieben.
Welche wissenschaftliche Entdeckung war in Ihren Augen bisher die wichtigste?
Auf meinem Gebiet: Dass man mit einfachen intuitiven Prinzipien – Heuristiken – bessere Entscheidungen treffen kann, als mit komplexen statistischen Software-Paketen. Weniger ist oft mehr.
Was sollte unbedingt noch erfunden werden?
Die deutsche Universität — sie sollte wiedererfunden werden. Vor hundert Jahren waren deutsche Universitäten weltweit führend in Forschung und Lehre, heute haben sie sich in Organismen verwandelt, deren Lebensblut komplizierte Verwaltungsabläufe und rechtliche Absicherungen sind.
Welcher prominenten Person würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt erklären?
Hans Magnus Enzensberger in Anwesenheit des frisch gewählten Gesundheitsministers.
Was hat Sie dazu gebracht, Forscher zu werden?
Ich wollte frei im Denken sein.
Wenn nicht forschen – was würden Sie gerne tun?
Psychologische Science Fiction schreiben – darüber, wie wir in hundert Jahren denken und fühlen werden und vor was wir uns dann fürchten. Und wie neue Technologien unsere Psyche verändern.
Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie beim Forschen am meisten?
Ich bin durch Kuchen leicht ablenkbar.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Ein besseres Gedächtnis.
Was regt Ihre Kreativität am besten an?
Gespräche mit Menschen, die sich trauen, quer zu denken.
Mit welchem historischen Kollegen würden Sie gerne essen gehen?
Also, mit Herbert Simon jedenfalls nicht, da er stets nur Cheese-Sandwich zu Mittag aß; dann lieber mit jemandem aus Österreich, wie dem vergessenen Psychologen Egon Brunswik.
Was ist die bedeutendste Frage, welche die Wissenschaft in Ihrem Forschungsbereich noch nicht beantwortet hat?
Wie treffen Menschen Entscheidungen unter Unsicherheit? Entscheidungsforscher, ob Neurowissenschaftler oder nicht, untersuchen immer noch Entscheidungen unter Sicherheit, also Verhalten in Situationen, in denen alle Alternativen, Konsequenzen und Wahrscheinlichkeiten bekannt sind und keine Überraschungen erlaubt sind. Dies hilft uns wenig in der wirklichen Welt, in der eben nichts sicher ist, außer dem Tod und den Steuern.
Was wird die Wissenschaft vermutlich nie erklären können?
Warum es die Wissenschaft gibt und was nach ihr kommt.
Was war Ihr größter Erfolg bei der Kommunikation Ihrer Forschungstätigkeit?
Nach einem Vortrag gab mir ein Londoner Investmentbanker einen Scheck über 1,5 Millionen Euro zum Aufbau eines Zentrums für Risikokompetenz in Berlin (Harding Center for Risk Literacy).
Und was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?
In den neunziger Jahren hatte ich gemeinsam mit zwei tapferen Kollegen die Gründe untersucht, warum die akademischen Psychologen in Deutschland international wenig Einfluss hatten. Das kam nicht gut an. Es gab Wutausbrüche nach Vorträgen, eine Lawine von zornigen Briefen bis zur Androhung von Gerichtsprozessen. Aber all die Aufregung damals hat dazu beigetragen, dass die Psychologie in Deutschland heute völlig anders dasteht.
Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?
Urlaub in Cape Cod in einer kleinen Hütte am Meer ohne digitale Kommunikationsmittel, die einen ständig unterbrechen. Also, ich freue mich darauf, zwei Wochen lang Zeit zu haben.