Wissenschaft persönlich

WiD fragt – Wolf Singer antwortet

15 Fragen, 15 mal ernsthafte, mal vergnügliche Antworten. In Etappen stellen wir Ihnen mit unserem Fragebogen interessante Forscherpersönlichkeiten vor. Den Anfang machen die bisherigen Gewinner des Communicator-Preises – des höchstdotierten deutschen Preises für Wissenschaftskommunikation. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft vergeben ihn seit 2000 jährlich. Der Hirnforscher Wolf Singer erhielt ihn 2003.

 

Wolf Singer

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Forscher?

Als die Suche nach einem vermuteten Fehler im Messsystem zur Entdeckung eines Phänomens führte, dessen weitere Bearbeitung meine Forschung in eine vollkommen neue Richtung lenkte.

Welche wissenschaftliche Entdeckung war in Ihren Augen bisher die wichtigste?

Die Entdeckung der Elektrizität und die daraus resultierende Möglichkeit, Informationen über große Entfernungen drahtlos zu übertragen.

Was sollte unbedingt noch erfunden werden?

Ein Erziehungsmodell, das friedfertige, empathische und mit ihrer Endlichkeit zufriedene Menschen hervorbringt.

Welcher prominenten Person würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt erklären?

Jeder, wenn sie die dafür erforderliche Geduld aufbringt.

Was hat Sie dazu gebracht, Forscher zu werden?

Das erratische Durchschreiten zahlloser Weggabelungen ohne Richtungsschilder.

Wenn nicht Wissenschaftler – was würden Sie gerne sein?

Eine Sopranistin, Belcanto-begabt.

Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie beim Forschen am meisten?

Anderswo sein zu wollen.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Die Zeit als die meine zu begreifen.

Was regt Ihre Kreativität am besten an?

Darf ich das mein Geheimnis sein lassen?

Mit welchem historischen Kollegen würden Sie gerne essen gehen?

Mit Leonardo und Sokrates, und das abwechselnd mehrmals.

Was ist die bedeutendste Frage, welche die Wissenschaft in Ihrem Forschungsbereich noch nicht beantwortet hat?

Wie ein Gewirr von Neuronen sich seiner selbst gewahr werden kann.

Was wird die Wissenschaft vermutlich nie erklären können?

Die Frage: Wozu das Ganze?

Was war Ihr größter Erfolg bei der Kommunikation Ihrer Forschungstätigkeit?

Als es anlässlich eines öffentlichen Vortrages gelang, eine engagierte Tierschützerin von der Bedeutung neurobiologischer Grundlagenforschung zu überzeugen, woraufhin sie ihr Testament änderte und ihr Vermögen nicht dem Verband der Tierversuchsgegner, sondern der Max-Planck-Gesellschaft übertrug.

Und was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Das Unvermögen, die Debatte über die Willensfreiheit vor polemischen Übergriffen zu schützen.

Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?

Meinem Enkel zu zeigen, wie unberechenbar die Welt ist.


Zur Person

Wolf Singer, Jahrgang 1943, wurde in München geboren, wo er 1962 an der LMU sein Medizinstudium begann. Nach zwei Semestern an der Faculté de Medicine an der Université de Paris 3ème machte er 1968 sein Staatsexamen.

Nach seiner Promotion an der LMU ging zunächst an die University of Sussex in England und habilitierte sich 1975 an der TU München für das Fach Physiologie.

1981 wurde er Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt.

Er ist Gründungsdirektor des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) und des Ernst Strüngmann Instituts für Hirnforschung (ESI).

Der Neurophysiologe ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und Preise, darunter der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft und der Communicator-Preis.

Er beschäftigt sich mit den neuronalen Grundlagen höherer kognitiver Leistungen. Insbesondere mit der Struktur und funktionellen Organisation der Großhirnrinde.

Neben der Vermittlung von Forschungsergebnissen setzt sich Wolf Singer auch für die verbesserte Kommunikation zwischen Wissenschaft und Schule ein.

Mit dem Projekt „Brückenschlagen – Wissenschaft in die Schulen“ initiierte Singer ein Programm, das bei Schülerinnen und Schülern schon früh Interesse an wissenschaftlichen Themen wecken soll.

 
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