Martin Buchholz, der Sieger des ersten deutschlandweiten Science Slams in Braunschweig, in Aktion. Im Hintergrund steht die Siegestrophäe, das „Bundeshirn“.
Foto: Haus der Wissenschaft Braunschweig/Koch

Science Slams

Mit Applaus und Punkten zum Champion

Der Science Slam ist eine neue Form der Wissenschsaftskommunikation, die in Deutschland entstand. Maximal zehn Minuten stehen jedem Referenten (in der Regel Nachwuchswissenschaftler) zur Verfügung, um das eigene aktuelle Forschungsthema in einem populärwissenschaftlichen Vortrag vorzustellen und die Herzen der Zuschauer zu gewinnen. Das anwesende Publikum bewertet die unterschiedlichen Vorträge und krönt so den „Slam-Champion“.

Ausschlaggebend für die Bewertung ist zum einen die Verständlichkeit des Vortrags: Wie komplex ist die zu erklärende Materie? Wie gut wird sie erklärt? Zum anderen spielt natürlich auch der Vortragsstil eine Rolle. Das Publikum bewertet – je nach Ort und Organisationsteam – entweder über die Applauslautstärke oder mit Punktetafeln.

Auch bei der Wahl der Mittel gibt es regionale Unterschiede: In Braunschweig sind z.B. fast alle Hilfsmittel (außer langandauernden Videos und Musik) erlaubt, während die Slammer in Bayreuth sogar ohne Power-Point auskommen müssen.

Eine Übersicht über alle Science Slams in Deutschland

 

 

Sieger des ersten deutschlandweiten Science Slam

Martin Buchholz erhält das „Bundeshirn“

Science-Slam-Gewinner aus ganz Deutschland trafen sich zum Wettkampf um das „schwarz-rot-goldene Gehirn“ im Haus der Wissenschaft in Braunschweig. Mit seinem Vortrag über Entropie und die Unumkehrbarkeit der Dinge gewann Martin Buchholz vom Institut für Thermodynamik an der TU Braunschweig den ersten deutschlandweiten Science Slam. Er machte nachvollziehbar, wie die physikalische Zustandsgröße auch unser Zeitgefühl prägt, und erläuterte fast nebenbei die Notwendigkeit von Kühltürmen in Kraftwerken.

Zweiter Sieger wurde Andé Lampe von der Universität Bielefeld, der am Beispiel des „Hodenknackerfischs“ dem Publikum ein Verfahren erläuterte, „Interleukin 1 beta“ im Blut schneller als bisher zu erkennen. Das Protein spielt bei vielen Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder HIV eine Rolle. Den dritten Platz errang Martin Storbeck von der TU Ilmenau. Der Medienwissenschaftler verglich in einer rasanten Präsentation die Philosophie von Wikipedia mit der von konventionellen Enzyklopädie-Verlagen.

Weitere hochkarätige Beiträge widmeten sich der perfekten Steuer, die auf das Verhältnis von Einkommen und Konsum erhoben werden könnte, und winzigen Bärtierchen, die lebensfeindlichste Bedingungen im „Tönnchenstadium“ überleben. Sie beschäftigten sich mit der Bibelauslegung am Beispiel der Geschichte von Josef und Potiphars Gattin, zeigten, wie man medizinische Aufnahmen mithilfe der Mathematik vergleichen kann, wieviel CO2 vom letzten Röchler Julius Cäsars noch durch die Welt schwirrt, und warum Pauschaltourismus und Auslandssemester bereits im Mittelalter erfunden wurden.

 

Redaktion WiD: mba

Deutschlandslam

Erstes Finale der bundesweiten Science Slammer am 19. Juni 2010 im Haus der Wissenschaft in Braunschweig

Science-Slam-Finale

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