
Zehn zehnstellige Zahlen nach Stoppuhr addieren, achtstellige Zahlen in Windeseile multiplizieren, ganz ohne Hilfsmittel – das sind zwei der Aufgaben, die die Kandidaten in Leipzig bei der dritten Weltmeisterschaft im Kopfrechnen lösen müssen. Aber nicht nur das: In einem öffentlichen Show- Rechnen geben die Zahlengenies und Gedächtniskünstler spektakuläre Kostproben ihres außergewöhnlichen Könnens.
Mehr als 30 Teilnehmer aus 12 Ländern treten vom 29. Juni bis 1. Juli 2008 im Wettbewerb gegeneinander an. Wer diese Welt der Zahlen für eine Männerdomäne hält, der irrt. Auch zwei Frauen und sogar zwei Mädchen stellen sich dem Wettkampf um die Zahlen.
Überhaupt üben sich die Kopfrechner früh: Aus Indien haben sich etliche Kinder angemeldet, die dort als Sieger aus landesweiten Abakus-Wettbewerben hervorgingen. Die jüngste Kandidatin ist erst zehn Jahre alt. Als Favorit auf den WM-Titel gilt Robert Fountain, ein Kernphysiker aus England, der schon die beiden vorherigen Weltmeisterschaften in Annaberg und Gießen gewonnen hat. Dicht auf den Fersen ist ihm der Deutsche Jan van Koningsveld, der beide Male auf Platz 2 kam. „Ich versuche, mein Training zu variieren, um in der Spitze mehr rauszukitzeln“, sagt der Vizeweltmeister.
Neben einem Faible für Zahlen bringen die meisten Akteure höchste Konzentration und Kombinationsgabe mit. „Besonders wichtig sind Kreativität beim Überlegen von Algorithmen und vor allem, wie in jedem Sport, viel Training“, erklärt Ralf Laue, der Initiator der WM und selbst Mathematiker an der Universität Leipzig. Die Aufgaben verteilen sich auf mehrere Disziplinen, wie Addition, Multiplikation, Wurzelziehen, Kalenderrechnen und Überraschungsaufgaben. Neben dem angestrebten Weltmeistertitel winken diverse Preise, für deutsche Teilnehmer unter anderem das Buch „Der Matheknüller“, das auf der WM zum ersten Mal präsentiert wird. Die Kopfrechen-Weltmeisterschaft entstand als Projekt der Professur für Angewandte Telematik und E-Business der Universität Leipzig und findet alle zwei Jahre statt. In diesem Jahr wird sie im Rahmen des Wissenschaftssommers zum „Jahr der Mathematik“ gemeinsam mit der Initiative Wissenschaft im Dialog ausgetragen.
Beeindruckende Beispiele ihrer Fähigkeiten geben einige der inselbegabten Kandidaten beim öffentlichen Show-Rechnen auf dem Augustusplatz. Am Montag, dem 30. Juni, um 16 Uhr sind alle Leipziger herzlich eingeladen, unter anderem einem Weltrekordversuch im Kalenderrechnen beizuwohnen. Die Zuschauer können auch selbst aktiv werden: Ein Teilnehmer aus Peru hat sich vorgenommen, Zahlen im Kopf schneller zu addieren, als das Publikum es mit einem Taschenrechner schafft. Als Besonderheit im Wissenschaftssommer kann man einige Mitglieder der internationalen Rechenelite täglich auf dem Augustusplatz am Stand des Sponsors, der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft, besuchen und mit ihnen in den Dialog treten – bis die Köpfe rauchen.
Samstag, 29. Juni,
15.00–16.00 Uhr
Rechnen wie die Weltmeister
Vortrag von Willem Bouman
Kellertheater in der Oper
Seiteneingang Georgiring
Augustusplatz 12
Eintritt frei!
Montag, 30. Juni,
16.00–17.00 Uhr
Rechenkünstler gegen Taschenrechner
Aktionszelt 1
Jahrmarkt der Wissenschaften
Zeltausstellung auf dem
Augustusplatz
Eintritt frei!
Dienstag, 1. Juli,
17.00–18.00 Uhr
Siegerehrung
Kellertheater in der Oper
Seiteneingang Georgiring
Augustusplatz 12
Eintritt frei!