
Rund 60 000 Menschen besuchten den Wissenschaftssommer 2006 in München. Bei tropischen Temperaturen folgten sie der Einladung von Wissenschaft im Dialog, in Ausstellungen, Vorträgen, an Tagen der offenen Tür, beim Filmfest und beim Schülerparlament Neues aus Wissenschaft und Forschung zu erfahren - vor allem aus dem Bereich der Informatik.
Bundesministerin Annette Schavan, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude und der Vorsitzende der Initiative Wissenschaft im Dialog, Joachim Treusch, eröffneten den Wissenschaftssommer mit einem Binär-Countdown auf dem Marienplatz. Dort präsentierte das Think Theater eine Open-Air-Show mit Körperkünstler, Rückwärtssprecher und einem weltrekordverdächtigen Kopfrechner.
Herzstück des Wissenschafts-Festivals war der große Jahrmarkt der Wissenschaften auf dem Marienhof und im Alten Rathaus. Im Jahr der Informatik konnten hier über 30.000 Besucher erfahren, wie und wo die Informatik in Forschung und Alltag eingesetzt wird. Nicht nur aus Bayern, sondern aus ganz Deutschland und aus Europa, waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gekommen um ihre Arbeiten zu präsentieren. Exponate und Experimente luden zum Diskutieren, Ausprobieren und Mitmachen ein.
So konnten die Besucher zum Beispiel aus erster Hand erfahren, was Feldroboter sind: elektronische Platzwarte, die den Fußballrasen mit Spezialsensoren kontrollieren und für das Spiel frei geben. Sie konnten Robotern beim Fußball spielen zusehen oder eine Dartscheibe testen, bei der man immer ins Ziel trifft. Computer und Computerspiele aus drei Jahrzehnten zeigten, wie die einst elitäre Technik für jedermann nutzbar gemacht wurde. An Originalcomputern aus verschiedenen Epochen hatten die Besucher die Möglichkeit sich spielend davon zu überzeugen, mit welcher Geschwindigkeit sich diese Technik entwickelt hat.
Vor allem Schulklassen besuchten die Schülerlabors, Mikroskopierstationen und Internet-Lernspiele. Die Schüler konnten dort beispielsweise ihre eigene DNA isolieren, herausfinden, wie sich ein Schokokuss im Vakuum verhält, wie man eine Rakete für den „Hausgebrauch“ baut oder wer am lautesten schreien kann. Wer wollte, konnte vorübergehend Teil des Internets werden oder in das Innere eines Computers schlüpfen. Im Geopuppentheater erklärte Mammut Helmut den Kleinsten während einer Zeitreise die spannende Geschichte unseres Planeten.
Beim Wissenschafts-Filmfest im Mathäser Filmpalast erfuhren Besucher, wie viel wissenschaftliche Wahrheit in populären Hollywood-Produktionen steckt. Kann man ein menschliches Gehirn, wie in Minority Report, tatsächlich an einen Computer anschließen? Können sich Roboter wirklich selber weiter entwickeln, wie sie es in I, Robot tun? Könnte die Wirklichkeit eines Tages so aussehen oder ist das alles erfunden? Ein Wissenschaftler vom Fach führte vor jedem Film in die Thematik ein und beantwort im Anschluss Fragen der Zuschauer.
Im Schülerparlament befassten sich rund 100 Schülerinnen und Schüler aus ganz Bayern mit der Informatik und deren Auswirkungen auf unser Leben. Zwei Tage lang diskutierten die Oberstufenschüler im Bayerischen Landtag Themen wie die Rechtslage im Internet, die Möglichkeiten und Risiken von RFID-Chips und die Bedeutung des Supercomputing. Sie löcherten im Expertenhearing Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und verfassten schließlich Anträge und Thesen, die im Rahmen einer simulierten parlamentarischen Debatte im Bayerischen Landtag verhandelt wurden.
Bei Tagen der offenen Tür auf dem Campus Martinsried/Großhadern und beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen konnten sich die Besucher auch vor Ort einen Eindruck über die Arbeit der Wissenschaftler verschaffen.
Zeitgleich mit dem Wissenschaftssommer fand im Forum am Deutschen Museum das Euroscience Open Forum 2006 (ESOF2006) statt. Dort kamen Wissenschaftler, Journalisten und Politiker aus aller Welt zusammen, um ihre Forschungsarbeiten zu präsentieren und über wichtige Themen aus Natur- und Geisteswissenschaften zu diskutieren. Auch interessierte Laien wurden von ESOF 2006 angesprochen: bei der kostenlos zugänglichen ESOF-Ausstellung im Forum und bei science cafés und hands-on Exponaten, die in den Jahrmarkt der Wissenschaften des Wissenschaftssommers integriert waren.