Richard Hanke-Rauschenbach im Gespräch mit dem Publikum. Foto: Ilja C. Hendel/WiD

 

Vortragsreihe „Forschung in Magdeburg“

Energie nutzen und gewinnen

Im Rahmenprogramm für den Wissenschaftssommer hat die Stadt Magdeburg eine facettenreiche Vortragsreihe zusammengestellt. In zehn Vorträgen an fünf Tagen nehmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zentraler lokaler Forschungseinrichtungen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln unter die Lupe, wie sich Energie nutzen und gewinnen lässt. 

 

Andreas Höpfner

„Virtuell-interaktive Stadtvisualisierung“

Virtuelle 3-D-Modelle sind heute ein fester Bestandteil nahezu aller Planungs- und Konstruktionsprozesse und der fachübergreifenden Kommunikation. Nicht mehr wegzudenken sind sie, wenn es darum geht, Baumaßnahmen noch vor der Realisierung mit den Bürgern der Stadt, den Architekten und den Fachplanern zu diskutieren. Der Vortrag beschreibt die Möglichkeiten virtuell-interaktiver Technologien und zeigt, welche Chancen sich damit verbinden.

Andreas Höpfner, Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung
IFF Magdeburg


Richard Hanke-Rauschenbach

Richard Hanke-Rauschenbach

„Das Feuer mit Wasser entfachen?!“

Als einer der Hoffnungsträger unserer zukünftigen Energiewirtschaft wird die Brennstoffzelle gehandelt. Mit ihrer Hilfe lässt sich Wasserstoff auf direktem Weg und mit hohem Wirkungsgrad in elektrische Energie wandeln. Allerdings hält sie immer noch einige Geheimnisse bereit. Eines davon wurde kürzlich theoretisch und experimentell gelüftet. Der Vortrag beschreibt, wie Brennstoffzellen funktionieren, wo sie zukünftig eingesetzt werden können und welche Fragen speziell bei den Forschungsarbeiten an der PEM-Brennstoffzelle (Polymerelektrolytmembran-Brennstoffzelle) zu lösen waren.

Dr.-Ing. Richard Hanke-Rauschenbach ist Ingenieur für Energieverfahrenstechnik und Mitarbeiter der Fachgruppe Physikalisch-Chemische Prozesstechnik am Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg. 2009 wurde ihm die Otto-Hahn-Medaille für den wissenschaftlichen Nachwuchs der Max-Planck-Gesellschaft verliehen.


Dietrich Borchardt

Dietrich Borchardt

„Was wird aus unseren Wasserressourcen in Zeiten des Klimawandels?“

In allen Ländern Nordafrikas, im Nahen Osten und in vielen Ländern Zentralasiens stehen der Bevölkerung weit weniger als 1.000 Kubikmeter Wasser pro Person und Jahr zur Verfügung. Hohes Bevölkerungswachstum und der Klimawandel werden das Problem des Wassermangels in diesen Gebieten weiter verschärfen. Wie können die schon heute knappen Wasservorräte in Zukunft nachhaltig genutzt und geschützt werden? Wissenschaftler des UFZ suchen unter anderem am Beispiel des Wassereinzugsgebietes des Toten Meeres und im Flussgebiet Kharaa in der Mongolei nach Managementmethoden für Wasserressourcen. Im Fokus stehen Wasserbilanzen, Wassermengen- und Wassergüteprobleme, Schadstoffeinträge aus Siedlungsbereichen und der Landwirtschaft sowie die Aufbereitung und Wiederverwendung von Abwasser.

Prof. Dr. Dietrich Borchardt leitet das Department „Aquatische Ökosystemanalyse und Management“ am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Magdeburg und ist Inhaber einer gleichnamigen Professur an der TU Dresden. Seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte betreffen das nachhaltige Wasserressourcenmanagement unter den Bedingungen des Globalen Wandels in Europa und hydrologisch sensitiven Regionen weltweit.


Erik Gawel

Erik Gawel

„Bioenergie – Hoffnungsträger für den Klimaschutz?“

Erneuerbare Energien sind angesichts immer knapper werdender fossiler Energieträger, steigender Ölpreise und des Klimawandels ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Aber Sonne und Wind sind unstete Energiequellen. Anders die Bioenergie: Sie ist jederzeit verfügbar und – ob als Biogas, Bio-Ethanol oder Bio-Diesel – überall und vielseitig einsetzbar. Deshalb gilt sie als eine der Schlüsselenergien der nächsten Jahrzehnte. Traditionelle Branchen wie die Land- und Forstwirtschaft erhoffen sich vom neuen Bioenergiemarkt einen Boom für ihre Sektoren. Klimaschützer hoffen darauf, dass so der Ausstoß an CO2 gesenkt werden kann. Und Wirtschaftspolitiker hoffen auf gute Exportchancen für deutsche Technik. Hohe Erwartungen also – doch sind sie realistisch? Was wird es uns kosten? Gibt es vielleicht Nebenwirkungen, und falls ja, wie lassen sie sich vermeiden?

Prof. Dr. Erik Gawel ist stellvertretender Leiter des Departments Ökonomie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und Direktor des Instituts für Infrastruktur und Ressourcenmanagement der Universität Leipzig. Seine Forschungsschwerpunkte sind Umwelt- und Institutionenökonomik sowie Finanzwissenschaft. Aktuelle Forschungsfragen betreffen die Konzeption nachhaltiger Bioenergie-Strategien und die Ökonomie der Klimaanpassung.


Reinhard König

Reinhard König

„Jenseits unserer Vorstellungskraft – Magnetfelder in den bildgebenden Verfahren der Hirnforschung“

In allen Bereichen des Lebens, ob zuhause, bei der Arbeit oder in der Natur, sind wir von Magnetfeldern umgeben. In den meisten Fällen sind sie relativ klein und für unsere Sinne nicht wahrnehmbar — zum Beispiel das Magnetfeld der Erde. In der Hirnforschung macht man sich Magnetfelder zunutze, um Einblicke in die Anatomie des Gehirns und seine komplexen Vorgänge zu erhalten. Zur Auflösung räumlicher Strukturen nutzt man in der Magnetresonanztomographie (MRT) Felder, die zehn- bis hunderttausendmal größer sind als das Erdmagnetfeld. Im Gegensatz dazu wird in der Magnetenzephalographie, mit der zeitliche Vorgänge hochauflösend darstellbar sind, das vom Gehirn selbst produzierte Magnetfeld gemessen — und das ist winzig klein, weniger als ein Millionstel des Magnetfelds der Erde.

Dr. Reinhard König
arbeitet im Speziallabor „Nicht-Invasive Bildgebung“ am Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg.


Constanze Seidenbecher

Constanze Seidenbecher

„Einsteins Frühstück – oder: Wie kommt die Energie ins Hirn?“

„Voller Bauch studiert nicht gern“ oder „Essen hält Leib und Seele zusammen“ – glaubt man dem Volksmund, so hat die Nahrungsaufnahme großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Manche Lebensmittel gelten gar als „Nervennahrung“ und sollen – ähnlich wie bei sportlichen Herausforderungen – auch geistige Leistungen verbessern. Doch warum sind Gehirnprozesse wie Aufmerksamkeit, Lernen oder Gedächtnis so energieintensiv? Wie viel Energie braucht das Hirn eigentlich im Laufe eines Tages? Und wie gelangen die Nährstoffe bis zu den Nervenzellen? Die Zuhörer erwartet ein unterhaltsamer Einblick in den Energiestoffwechsel des Gehirns. Ganz nebenbei erfahren sie, was Geistesgrößen wie Einstein, Leibniz oder Goethe gern zum Frühstück aßen.

PD Dr. Constanze Seidenbecher ist Leiterin der Abteilung „Neurochemie/Molekularbiologie“ am Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg.


Daniel Kürschner und Axel Hoppe

Daniel Kürschner, Axel Hoppe

„Strom ohne Kabel – wie geht das?“

GSM, UMTS, Bluetooth, WLAN – Daten ohne Kabel zwischen verschiedenen Geräten auszutauschen ist heute allgegenwärtig. Aber ist es auch möglich, Energie ohne eine Kabelverbindung zu übertragen? Dass die kabellose Übertragung von Energie über Entfernungen von fast einem halben Meter funktioniert, zeigen Entwicklungen am ifak. Neben vielfältigen Anwendungen in der Industrie, im Automobil und in der Luftfahrt ergeben sich für die kontaktlose Energie- und Datenübertragung auch interessante Lösungen im Haushalts- und Bürobereich. An verschiedenen Beispielen stellt der Vortrag die Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen der Technologie anschaulich dar.

Dr. Daniel Kürschner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Schwerpunkt „Kontaktlose Leistungsübertragung“ am ifak – Institut für Automation und Kommunikation e. V. Magdeburg. Zudem ist er Leiter der ETG Task Force „Kontaktlose Energie- und Datenübertragung“.

Dipl-Ing. Axel Hoppe ist Leiter der Schwerpunkte „Antriebs- und Energietechnik“, „Mess- und Analysensysteme“ und „Kontaktlose Leistungsübertragung“ am ifak in Magdeburg – Institut für Automation und Kommunikation e. V.


Jens Alex

Jens Alex

„Ansätze zur ganzheitlichen Planung von Abwassersystemen – Funktion, Kosten, Ressourcen, Energie und soziale Akzeptanz“

Systeme der Abwasserableitung und Reinigung sind wichtige Komponenten urbaner Infrastruktur. Sie sollen die Gesundheit und die Sachwerte des Menschen zu schützen, die Lebensqualität verbessern und den natürlichen Zustand der Umwelt erhalten. Die Planung guter Abwassersysteme erfordert zunächst, dass vorausbestimmt werden kann, mit welchen Maßnahmen (Art und Größe von Kläranlagen, Dimension und Struktur von Kanalnetzen) sich welche technischen Effekte (z. B. chemische Ablaufqualität des gereinigten Abwassers) erzielen lassen. Diese Aufgabe wird bestmöglich durch dynamische Modelle gelöst, die als Computersimulation gerechnet werden. Dies allein reicht aber nicht mehr aus. Neben der Frage nach den Investitions- und Betriebskosten stellt sich auch die Frage nach Energieeinsatz, Ressourcenverbrauch und Klimawirkung. Der Vortrag stellt aktuelle Softwarewerkzeuge und Projekte in Europa und Lateinamerika vor, in denen diese Aspekte ganzheitlich betrachtet werden.

Dr. Jens Alex ist Leiter Schwerpunkt Umweltinformatik im ifak in Magdeburg – Institut für Automation und Kommunikation e. V. Seine Schwerpunkte sind die Simulation und das Datenmanagement von Abwassersystemen.


Jan Mugele

Jan Mugele

„Gebäudeenergie: Effizient und erneuerbar – Wege zur nachhaltigen Energieversorgung“

Immer häufiger müssen aus den verschiedensten Gründen Gebäude energetisch saniert werden. Der wichtigste Anlass sind steigende Energiepreise. Die Gründe dafür sind die drohende Verknappung von Energieträgern wie Erdöl und Erdgas, aber auch deren Herkunft aus politisch instabilen Regionen und die Monopolstruktur der Versorger. Doch auch die Anforderungen an den Klimaschutz und an die Nachhaltigkeit der Energieversorgung nehmen zu und werden immer wichtiger für die Energieversorgung von Gebäuden. Der Vortrag zeigt Gründe für eine nachhaltige Energieversorgung und technologische Lösungen, Gebäude effizient und erneuerbar mit Energie zu versorgen.

Dr. Ing. Jan Mugele ist Professor für „Regenerative Gebäudeenergietechnik“ an der Hochschule Magdeburg-Stendal und betreut den Masterstudiengang „Regenerative Gebäudeenergiesysteme“.


Eva Labouvie

Eva Labouvie

„Unwetter. Zum Umgang mit Naturkatastrophen in der Vormoderne“

Naturgewalten damals und heute: Wie stark unterscheiden sich vormoderne Vorstellungen von Energien in und aus der Natur von den heutigen? Und wie unterscheiden sie sich in Umgang und Prävention? Erst allmählich setzte neben einer naturwissenschaftlichen Erforschung auch ein mentaler Wandel ein.

Prof. Dr. Eva Labouvie ist seit 2002 Professorin für Geschichte der Neuzeit und Geschlechterforschung am Institut für Geschichte der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. 1995 erhielt sie den Heinz-Maier-Leibnitz-Förderpreis des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie für das wissenschaftliche Fachgebiet „Historische Anthropologie“.


Was Wann Wo

Adresse:
Foyer des Alten Rathauses,
Alter Markt

Eintritt frei

Montag, 7. Juni

17:00 bis 18:30 Uhr
„Virtuell-interaktive Stadtvisualisierung“
Referent: Andreas Höpfner
Institution: Fraunhofer IFF

19:00 bis 20:30 Uhr
„Das Feuer mit Wasser entfachen?!“
Referent: Dr.-Ing. Richard Hanke-Rauschenbach
Institution: MPI für Dynamik komplexer technischer Systeme

Dienstag, 8. Juni

17:00 bis 18:30 Uhr
„Was wird aus unseren Wasserressourcen in Zeiten des Klimawandels?“
Referent: Prof. Dr. Dietrich Borchardt
Institution: UFZ Magdeburg

19:00 bis 20:30 Uhr
„Bioenergie – Hoffnungsträger für den Klimaschutz?“
Referent: Prof. Erik Gawel
Institution: UFZ Leipzig

Mittwoch, 9. Juni

17:00 bis 18:30 Uhr
„Jenseits unserer Vorstellungskraft – Magnetfelder in den bildgebenden Verfahren der Hirnforschung“
Referent: PD Dr. Reinhard König
Institution: Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg

19:00 bis 20:30 Uhr
„Einsteins Frühstück – oder: Wie kommt die Energie ins Hirn?“
Referent: PD Dr. Constanze Seidenbecher
Institution: Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg

Donnerstag, 10. Juni

17:00 bis 18:30 Uhr
„Strom ohne Kabel – wie geht das?“

Referent: Dr. Daniel Kürschner und Herr Axel Hoppe
Institution: ifak – Institut für Automation und Kommunikation e.V. Magdeburg

19:00 bis 20:30 Uhr
„Ansätze zur ganzheitlichen Planung von Abwassersystemen – Funktion, Kosten, Ressourcen, Energie und soziale Akzeptanz“
Referent: Dr. Jens Alex
Institution: ifak – Institut für Automation und Kommunikation e.V. Magdeburg

Freitag, 11. Juni

17:00 bis 18:30 Uhr
„Gebäudeenergie: Effizient und erneuerbar – Wege zur nachhaltigen Energieversorgung“
Referent: Prof. Dr. Jan Mugele
Institution: Hochschule Magdeburg-Stendal

19:00 bis 20:30 Uhr
„Unwetter. Zum Umgang mit Naturkatastrophen in der Vormoderne“
Referent: Prof. Dr. Eva Labouvie
Institution: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 
 Impressum | Disclaimer | Datenschutz