Zum Umgang mit Medien- und Kommunikationstrainings

Kommunikative Kompetenz trainieren


Von Ludwig Kürten

Kontakte mit Medien oder Öffentlichkeit schaden der wissenschaftlichen Karriere nicht – im Gegenteil. Entsprechende Kontakte – und die dazu notwendigen Kompetenzen – gehören inzwischen zum guten (wissenschaftlichen) Ton. Wo immer Sie in der Wissenschaft stehen: Signalisieren Sie Ihrem Arbeit- oder Mittelgeber, Ihren Vorgesetzten oder den zuständigen Gremien, dass Sie persönlich (oder Personen in Ihrem Verantwortungsbereich) Interesse an einem Kommunikationstraining haben und erzeugen Sie damit gleichzeitig eine Nachfrage am Markt.

Wichtig ist, dass Sie individuell entscheiden: 1. Welche Zielgruppen sind Ihnen wichtig? 2. Welche Art von Training benötigen Sie, um sich die entsprechenden Kompetenzen anzueignen? Das Angebot an geprüften Trainern und Teams ist klein. Sichten Sie mögliche Angebote auf jeden Fall sorgfältig und entscheiden Sie gemäß Ihren persönlichen Wünschen und Bedürfnissen. […]

Die beiden Checklisten versuchen, Ihnen bei Planung und Auswahl möglicher Angebote entsprechende Entscheidungshilfen zu geben:

Checkliste: Anforderung an das Trainingsprogramm

  • Ist das Programm auf die für Sie wichtige(n) Zielgruppe(n) zugeschnitten?
  • Wie ist das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis? Die Erfahrung zeigt: Je mehr (realitätsnahe) Übungen eingebaut sind, desto stärker und nachhaltiger ist der Lerneffekt.
  • Ist das Programm – gemäß Ihren Bedürfnissen – eher auf eine schriftliche oder eine mündliche Kommunikation ausgerichtet?
  • Gehen die theoretischen Einführungen (etwa für Formulierungen und Beispiele) gezielt auf typische Inhalte Ihrer Disziplin ein?
  • Sieht das Programm ausreichend Zeit für ein individuelles, das heißt, auf jeden einzelnen Teilnehmer und dessen wissenschaftliche Anliegen eingehendes Feedback vor?
  • Wie ist das Zahlenverhältnis zwischen Trainern und Teilnehmern? Bei Nachwuchstrainings sollte das Verhältnis 1:6 nicht überschreiten; bei Führungskräften ist eher ein Verhältnis 1:2 angeraten.
  • Bauen die einzelnen Programm- und insbesondere die Übungselemente so aufeinander auf, dass die kommunikativen Fähigkeiten schrittweise und systematisch erweitert werden?
  • Ist bei den Übungen ein Feedback durch Videoaufnahmen vorgesehen?
  • Werden nicht nur inhaltliche, sondern auch körpersprachliche Elemente der Kommunikation berücksichtigt und trainiert?
  • Ist nach Ende der Veranstaltung ein (anonymes) Feedback vorgesehen, auch mit persönlicher Bewertung der Trainer?
  • Werden als Gedächtnisstütze schriftliche Unterlagen oder Checklisten (bzw. Internet-Informationen) angeboten?

Checkliste: Anforderung an das Trainingsteam

  • Können der (oder die) Trainer(innen) Erfahrungen im Wissenschaftsjournalismus und/oder in der Öffentlichkeitsarbeit (Wissenschafts-PR) nachweisen, und kennen sie darüber hinaus auch die spezifischen kommunikativen Bedürfnisse der Wissenschaften?
  • Hat das Team Kenntnisse über die kommunikativen Anforderungen (und Probleme) nicht nur einer bestimmten Fakultät (z. B. der Naturwissenschaften), sondern kann auch bei anderen Disziplinen mithalten, vor allem in derjenigen, die Sie vertreten (z. B. kritische Fragen von Medien oder Bürgern antizipieren oder bei spezifischen Kommunikationshindernissen beraten)?
  • Verfügt das Team über hinreichende didaktische und psychologische Kenntnisse und Erfahrungen für eine solche Trainings- und Beratungstätigkeit?


Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Artikel „Kommunikative Kompetenz trainieren – Ein Leitfaden zum Umgang mit Medien- und Kommunikationstrainings“, Handbuch „Wissenschaft kommunizieren“, J 1.1.

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Zum Autor

Ludwig Kürten war nach dem Biologiestudium zunächst Wissenschaftsredakteur bei der Tageszeitung „Die WELT“. Seit 1991 ist er freiberuflich als Wissenschaftsjournalist und Autor, in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie als Organisator und Leiter von Kommunikations- und Medientrainings tätig.

1996 initiierte er die Seminarreihe „Das Wissen der Forschung – verständlich für Laien“, die zehn Jahre im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft Kommunikationstrainings für den wissenschaftlichen Nachwuchs anbot.

Darüber hinaus hat er viele weitere Trainingsveranstaltungen für wissenschaftliche Einrichtungen und Organisationen organisiert und geleitet.

Medientraining

Zu diesem Thema siehe auch unsere Rubrik Medientraining

 
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