„You can say you to me!“

Denglisch in der Wissenschaftskommunikation

Von Christoph Fasel

Keine Frage: Englisch ist die Sprache der internationalen Wissenschaft. Kein Austausch unter Forschern, kein Kongress, kein wichtiges Paper und erst recht keine Veröffentlichung in den wichtigen internationalen Zeitschriften, ohne dass sie in der Sprache Shakespeares und Edgar Allen Poes abgefasst sein könnte. Doch was für den Erfolg in der Wahrnehmung der „international scientific community“, vulgo: der internationalen Gemeinschaft der Wissenschaftler, unabdingbar ist – in der nationalen Kommunikation von Wissenschaftserträgen ist fremdsprachige Vermittlung oder gar die modisch gewordene Mischung zwischen deutschen und englischen Sprachelementen ein Problem.


Researchen, brainstorming, peer review, assets, meeten, mindset, downsizen, outsourcen: Denglisch ist für Manager aus der Wirtschaft, aber vor allem auch für Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikateure – besonders für die jüngeren – mittlerweile zu einer natürlichen Ausdrucksform geworden. Kein Wunder – haben doch viele Wissenschaftler die Aufgabe, innerhalb ihres Fachgebietes mit anderen Experten in einer gemeinsamen Sprache zu kommunizieren. Und diese ist im Wissenschaftsbetrieb nun einmal Englisch.

Diese sprachliche Vorherrschaft im Fachgebiet bleibt allerdings nicht ohne Folgen – besonders dann, wenn es um die Kommunikation von Wissenschaftsergebnissen in die Öffentlichkeit geht. Denn dann fällt es vielen Forschern schwer, sich auf eine andere Zielgruppe einzustellen, die mit einem unverständlichen Slang vor allem einen Verdacht verknüpft. In der Öffentlichkeit erweckt der Gebrauch von Denglisch zunehmend den Eindruck, die Mischsprache werde vor allem von jenen Menschen gerne benutzt, die eigentlich gar nicht verstanden werden wollen. Denn Tatsache ist: Es lässt sich mit Denglisch nicht nur kommunizieren, sondern im negativen Fall auch verschleiern, kaschieren und imponieren. Vor allem dann, wenn das Gegenüber nicht weiß, worum es wirklich geht. [...]

Wer Wert darauf legt, verstanden zu werden, wer sich bemüht, keine Missverständnisse zu produzieren, wer schließlich die Chance, überhaupt gelesen zu werden, steigern will, der muss in seiner Kommunikation gerade komplexer Sachverhalte auf Barrieren wie Denglisch verzichten, wenn er mit seiner Botschaft gehört werden will.

Warum kein Denglisch in der Wissenschaftskommunikation?

Der Gebrauch von Denglisch oder Englisch-Konstruktionen in der Kommunikation wissenschaftlicher Erträge in der Öffentlichkeit:

  • vermindert die Geschwindigkeit der Aufnahme der Inhalte
  • erhöht die Gefahr von Missverständnissen beim Verstehen
  • schreckt weniger kompetente Teilnehmer der Kommunikation ab
  • distanziert den Leser auch emotional von den Inhalten des Textes
  • wirkt auf viele Leser seit einigen Jahren zunehmend lächerlich

[...]

Vier Thesen für Wissenschaftskommunikateure

1. These: Denglisch konterkariert die Aufgabe von Wissenschaftskommunikation: Wer mündige und informierte Bürger haben will, darf sie nicht durch unzulängliche Übersetzungen von Wissenschaftsthemen abschrecken.

2. These: Denglisch grenzt diejenigen aus, die sich auf dem Markt der Informationen aus der Wissenschaft ohnehin schon schwer tun. Wer diesen Sprachstil ungehemmt verwendet, scheint es darauf anzulegen, bewusst Bevölkerungsschichten von kompetenten Informationen auszuschließen.

3. These: Denglisch behindert Verständnis und damit Verstehen – und damit letztlich Anerkennung und Reputation des wissenschaftlichen Absenders; wer damit Verständnis für seine Forschungsprojekte erwerben will, wendet sich vom Dialog mit dem Bürger ab, weil er selbst für Sprachkompetente Hürden im Sinne der geglückten Kommunikation errichtet.

4. These: Denglisch sollte im Umgang mit der Öffentlichkeit in der Wissenschaftskommunikation geächtet werden. Denn abseits von Marotte und modischem Firlefanz brauchen die Bürger in einer sich komplizierenden Wissenschaftswelt brauchbare und nachvollziehbare Informationen, die sie verständlich bedienen – mit Denglisch gelingt diese Information jedoch nicht.

 

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Artikel „ 'You can say you to me!' –
Denglisch in der Wissenschaftskommunikation“, Handbuch „Wissenschaft kommunizieren“, E 1.9.

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Der Autor

Christoph Fasel lehrt als Dekan und Prorektor an der SRH Hochschule in Calw Medien und Kommunikationsmanagement.

Als Journalist arbeitete er unter anderem bei BILD, der Abendzeitung, dem Bayerischen Rundfunk und der Zeitschrift Eltern.

Er war Reporter des STERN, Chefredakteur von Reader’s Digest Deutschland und Österreich und Leiter der Henri Nannen Journalistenschule Gruner+Jahr/DIE ZEIT.

Er ist Gründungs-Chefredakteur des Wissenschaftsmagazins „Faszination Forschung“ der TU München.

 
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