Die Pressemitteilung


Von Andreas Archut

Die klassische Pressemitteilung entspricht in ihrem Aufbau am ehesten dem journalistischen Bericht. Sie besteht also aus einem ersten Absatz (dem Lead), in dem die wesentlichen Informationen genannt sind, gefolgt von weiteren Absätzen mit ergänzenden und Zusatzinformationen. Die Reihenfolge der Informationen ergibt sich aus ihrer Wichtigkeit für das Verständnis des Gegenstandes. [...]

Zur Form

  • Die Länge einer Pressemitteilung sollte zwei Seiten nicht überschreiten. Eine Seite wäre besser, denn in der Informationsflut gilt: Weniger ist mehr.
  • Schreiben Sie am besten in einer 12-Punkt-Schrift mit anderthalbzeiligem Abstand und lassen Sie dabei einen breiten Korrekturrand.
  • Am Ende jedes Nachrichtentextes sollte ein Ansprechpartner für die Medien genannt werden (inklusive Funktionen, Telefonnummer und E-Mail). Ist der Absender der Pressemitteilung eine Pressestelle, so sollten auch deren Kontaktdaten im Layout berücksichtigt werden.
  • Sollte es im Internet weiterführende Informationen oder zusätzliches Bildmaterial zum Gegenstand der Pressemitteilung geben, so ist auch diese Adresse zu vermerken.

Zur Sprache

  • Orientieren Sie sich bei der Sprache Ihres Pressetextes an der gesprochenen Sprache, indem Sie Verben den Vorzug vor Hauptwörtern geben.
  • Je häufiger Sie die Endungen „-keit“, „-heit“ und „-ung“ in Ihrem Text finden, desto „nominaler“ ist er. Die meisten dieser substantivierten Verben kann man leicht wieder zurück verwandeln. Also statt: „Die Einführung machte Dr. Meier...“ besser „Dr. Meier führte ein...“ oder statt „Er berichtete über die Betroffenheit der Landbevölkerung von der Trockenheit...“ sagen Sie besser: „Er berichtete, wie sehr die Bewohner der ländlichen Gegend von dem trockenen Klima betroffen sind, ...“.
  • Der Sprachstil von Pressetexten sollte einfach und ohne Marotten sein und sich eher am Stil der Nachrichtensprecher orientieren als am Feuilleton der Süddeutschen Zeitung.
  • Keine Frage des persönlichen Stils ist die Rechtschreibung. Sie sollten ausschließlich die neue Rechtschreibung verwenden, denn praktisch alle Redaktionen benutzen heute die neue Rechtschreibung und müssten Texte, die in der alten Rechtschreibung verfasst sind, mühselig umbauen.

Zum Satzbau

  • Erleichtern Sie dem Leser das Textverständnis, indem Sie möglichst kurze Sätze mit wenigen Nebensätzen formulieren und lange Schachtelsätze ganz vermeiden.
  • Der direkten Rede sollten Sie stets den Vorzug vor indirekter Rede geben, weil letztere dazu verleitet, die handelnden Personen zu verschleiern. Die gleiche Funktion hat die Verwendung des Wörtchens „man“, weshalb es in Pressetexten nicht gerne gesehen ist.
  • Abkürzungen müssen bei ihrer ersten Nennung erklärt werden, wenn sie nicht zum allgemeinen Sprachgebrauch (der breiten Öffentlichkeit, nicht der Fachleute!) gehören. In diese Kategorie fallen beispielsweise Parteienkürzel wie SPD und CDU oder Ländernamen wie USA und DDR. Alle anderen Abkürzungen müssen zunächst erklärt werden.

Zum Umgang mit Fremdwörtern

Der beste Umgang mit Fremdwörtern wäre, sie gar nicht erst zu verwenden. Doch das ist gerade beim Thema Wissenschaft allenfalls ein frommer Wunsch, denn hier werden häufig Fachwörter benutzt, die für die Mitglieder der Scientific community einen genau definierten Inhalt haben. Sie sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass Fremdwörter für den Laien nicht dieselbe (hilfreiche) Funktion haben. Leicht werden Fremdwörter als Fremdkörper in Texten wahrgenommen, die den Lesefluss hemmen und letztlich zum Abbruch des Lesens führen können. Wo immer es möglich ist, sollten Fremdwörter daher vermieden werden. Schreiben Sie also nicht „Plural“, wo Sie von der „Mehrzahl“ sprechen können und „differenzieren“ Sie nicht, wo Sie „unterscheiden“ können.


Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung des Artikels „Die Pressemitteilung“, Handbuch Wissenschaft kommunizieren E 2.2, Raabe Verlag.

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Der Autor

Dr. Andreas Archut ist seit 2000 Leiter der Abteilung Presse und Kommunikation und Pressesprecher der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seit Herbst 2004 ist er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Hochschulpressestellen in Deutschland.

Der promovierte Chemiker war nach Abschluss seiner akademischen Ausbildung freier Mitarbeiter der Bonner Rundschau und ab 1998 als Redakteur im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Forschungskommunikation verantwortlich.

Er unterrichtete in Medientrainings Kollegiaten von DFG-geförderten  Graduiertenkollegs. Journalistische Erfahrung sammelte Archut bereits als Schüler und Student als freier Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Bonner Rundschau, der Honnefer Volkszeitung und bei Radio Bonn/Rhein-Sieg.

 
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