Von Klaus Herkenrath
Modernisierungsprozesse generieren nicht allein Erkenntnisgewinn, sondern auch neue Methoden der Verständigung: Video- oder Audiobeiträge und -serien, die auf individuelle Rechner – mobil oder feststehend – heruntergeladen werden können, zählen dazu. Für die Wissenschafts-PR wird Podcasting bisher wenig genutzt. Zwar finden sich online einzelne Image-Videos und solche für das Fernstudium sowie zu Lernzwecken in Medien-Studiengängen, doch bestand Anfang 2009 bundesweit nur ein Projekt zur systematischen Entwicklung von Podcasting als Instrument der Wissenschaftskommunikation: das Projekt Sehen, Hören, Verstehen an der Universität Bonn.
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Podcast-Botschaften vermitteln sich nicht ohne Bilder. Diese scheinbar banale oder gar tautologische Aussage bringt aber manche Podcast-Idee zum Scheitern. Wenn eine Botschaft nur von einer Person gesprochen erscheint, oder allein über einen Tafelanschrieb vermittelt wird, dann wird sie nicht bei den Rezipienten ankommen. Wenn ein Labor, eine Klinik, ein Forschungsinstitut keine Bilder zum Neuen, bisher Unbekannten hat, dann sind Vergleichsbilder, Analogien, Symbole notwenig. Ein Video-Podcast soll eigene Bilder in den Köpfen der Betrachter bewirken können, die der Wirklichkeit so nah als möglich kommen.
Eine Botschaft ist eine Botschaft – und nicht zwei: Was von jeder gut geschriebenen Nachricht bekannt ist, das gilt noch erbarmungsloser für das Video. Eine Botschaft vermittelt sich immer besser, wenn sie in mehreren Varianten mit verschiedenen Bildern transportiert wird.
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Ziel der redaktionellen Arbeit ist die Serie; eine Variante der Serie ist die thematische Reihe. Formal gestützt wird die Kommunikation der Reihe durch das Corporate Design.
Inhaltlich kann eine Reihe beispielsweise in mehreren Folgen über die Arbeit des Sonderforschungsbereiches „Mesiale Temporallappen-Epilepsien“ an der Uni Bonn berichten, wie dies in o. g. Projekt geschieht. Das erste Video erläutert den Begriff der Epilepsie; ein zweites Video klärt die Struktur der Arbeit dieses Sonderforschungsbereiches und erläutert die Begrenzung der Forschungsarbeit auf den Temporallappen; ein drittes Video befasst sich mit einem Teilprojekt, nämlich der Forschung zur Entstehung von Epilepsien im Bereich des Temporallappens.
Alle drei Videos wurden bisher von 2.000 verschiedenen Besuchern des Videoportals abgerufen. Die Entwicklung thematischer Reihen ist im Kontext der Integrierten Kommunikation Aufgabe der Pressestelle der Organisation.
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Zeitloses Rohmaterial
Erstens kann allgemeines, nicht aktuelles, sendefähiges und ungeschnittenes Material abgerufen werden, das TV- und/oder Film-/Videoautoren dazu dient, so genannte Insertbilder (Schnittbilder) zu erhalten. So kann jederzeit Material im Format 16:9 beispielsweise vom Hauptgebäude der Universität, also dem vormals Kürfürstlichen Schloss, im Sommer und mit Schnee im Winter angefordert werden.
Aktuelles Rohmaterial
Zweitens bietet www.uni-bonn.tv nach Möglichkeit für Journalisten tagesaktuelles und ungeschnittenes Rohmaterial an, das so genannte footage: Beispielsweise wurde am Tag der Errichtung eines neuen Regenradars für das Meteorologische Institut bzw. für den beteiligten Sonderforschungsbereich TR 32 ab Mittag des Tages aktuelles, sendefähiges Rohmaterial vom morgendlichen Aufbau des neuen Radars angeboten. Der redaktionell gefragte TV-Lokalsender nahm das Angebot an und konnte es um 19:30 Uhr senden.
Mitschnitt
Drittens bietet das Projekt zur Dokumentation von Veranstaltungen den vollständigen Mitschnitt vornehmlich für Veranstalter und Teilnehmer und fachlich Interessierte an. So liegt beispielsweise die im April 2008 an der Uni Bonn gehaltene Gauß-Vorlesung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung nun in Form mehrerer Videopodcasts vor und kann vom Videoportal abgerufen werden, ebenso eine Veranstaltung des Ordens Pour Le Mérite mit Umberto Eco.
Gebauter Beitrag
Viertens ist die am meisten abgerufene Form der Podcasts zu nennen, die das Videoportal der Universität präsentiert: der gebaute, geschnittene, kurze Beitrag. Ein Rundgang durch das Wissenschaftszelt aus der Perspektive des Besuchers und Laien wird ebenso geschätzt wie die Zusammenfassung eines halben Jahres Kinder-Universität in sechs Minuten oder die Vorstellung eines internationalen Austauschprogramms mit Forschungsnachwuchs aus den USA. Diesen Beiträgen gemeinsam ist die dem TV-Magazin-Format vergleichbare Struktur, die den Besuchern des Videoportals bekannt und vertraut ist. Hierhin, zu www.uni-bonn.tv, legen Wissenschaftler und Fachinteressierte von ihrem eigenen Webauftritt einen Link.
Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Artikel „Podcasting. Videos in der hochschulbasierten Wissenschaft“, Handbuch Wissenschaft kommunizieren E 11.3, Raabe Verlag.
Klaus Herkenrath ist Koordinator des DFG-geförderten Projekts Sehen, Hören, Verstehen im Bereich Presse und Kommunikation der Universität Bonn.
Der Politikwissenschaftler war zuvor Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und hat für Tageszeitungen und Formate der TV-Unterhaltung gearbeitet.