Dieses Verbot gilt in der katholischen Kirche seit 40 Jahren nicht mehr. In der Tat war Gelb allerdings – wie übrigens auch Blau, Braun und Grau – als liturgische Farbe ab dem 16. Jahrhundert bis einschließlich 1970 in der katholischen Kirche verboten. Seitdem (und in der Zeit vor 1570) ist Gelb in der Liturgie erlaubt und kam wohl auch des Öfteren zum Einsatz.
Schon Papst Innozenz III. hatte im 12. Jahrhundert in „De sacro altaris mysterio I, 1, 65“ Regeln aufgestellt, die Gelb in der Liturgie nicht berücksichtigten. Unter Pius V. wurden diese Regeln im „Missale Romanum“, dem Messbuch der katholischen Kirche, 1570 einheitlich und verbindlich festgelegt. Demnach waren als liturgische Farben vorgeschrieben: Weiß, Rot, Grün, Violett und Schwarz. Weiß, Rot oder Grün konnten dabei durch Gold, Weiß auch durch Silber ersetzt werden. Gelb gehörte dementsprechend nicht zu den für die Liturgie vorgesehenen Farben.
Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils kam es auch zu einer umfassenden Liturgiereform. Seit 1970 sieht die „Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch“ für die Farben der liturgischen Kleidung folgende Ordnung vor (Auszug aus dem Messbuch):
Bereits die nicht-christliche römische Antike hatte kein positives Verhältnis zur gelben Farbe. So war das „schmutzige Gelb“ („luteum“ ist wohl so zu übersetzen, ganz sicher weiß man das allerdings nicht) beispielsweise die Farbe der Prostituierten im Alten Rom – eine Zuordnung, die sich bis ins Mittelalter hielt.
Dass Gelb in der frühen Zeit des Christentums mit Tod, Verderben, Irrglauben, Heuchelei und Neid konnotiert war, führt man auf das „fahle“ (lat. pallidus) Pferd zurück, das in der Apokalypse des Johannes (6,8) vorkommt. Diese mutmaßlich apokalyptisch-biblischen Wurzeln der Schandfarbe Gelb kommen allerdings erst im Mittelalter deutlich zutage.
Viele Beispiele belegen, dass Gelb damals als Schandfarbe galt. „Ketzern“ wurde im Mittelalter bei der Hinrichtung ein gelbes Kreuz umgehängt.
Seit dem 4. Laterankonzil mussten Juden auf Anweisung von Papst Innozenz III. ab 1215 zur Kennzeichnung einen so genannten „Judenhut“ oder einen gelben Stofffleck auf ihrer Kleidung tragen. Diese Bestimmung zur Kennzeichnung von Juden wurde über die Jahrhunderte immer wieder erneuert, wobei die Formen der Stoffmarkierung wechseln sollten, nicht aber die Farbe. Hierauf geht auch der gelbe „Judenstern“ unter den Nazis zurück.
In mittelalterlichen europäischen Städten wurde außerdem bei Ausbruch der Pest eine gelbe Fahne gehisst.
Man assoziierte die Farbe außerdem mit Alter und Krankheit (vergilben, gelbe Zähne, Haut etc.), Neid und Geiz (n. christl. Lehre 2 der 7 Todsünden), Ärger (Redewendung „die Galle übergehen“ – Galle und Gelb gehen auf den gleichen Wortstamm zurück) und Verlogenheit.
Und schließlich gibt es auch einen wirtschaftlichen Grund, warum die Farbe Gelb im Mittelalter eher unbeliebt war: Der einzige damals bekannte Farbstoff, mit dem sich ein leuchtendes, licht- und waschbeständiges Gelb erzielen ließ, war Safran. Und das war für Europäer unerschwinglich. Alle anderen bekannten Farbstoffe wie Wau und Saflor erzeugten entweder ein fahles Gelb oder blichen schnell aus. Daher war es nie eine anerkannte Kleiderfarbe.
Diese Frage beantwortete Thomas Jürgasch, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg
Quellen:
Deutsches Liturgisches Institut – Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch
(Redaktion WiD: mba)