Kicken für die Statistik: Jugendliche auf dem Jahrmarkt der Wissenschaften in Leipzig.
Foto: Ilja Hendel / Wissenschaft im Dialog

Tischkicker und Torwandschießen für die Wissenschaft

Physiker erklären die Mathematik des Fußballspiels

Leipziger Wissenschaftler wussten es schon vor dem Spiel: Das 1:0 der Spanier im EM-Finale gegen Deutschland hätte locker ein 2:0 oder 3:0 werden können. Denn jedes erzielte Tor erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Treffer.

Auf dieser Prämisse basiert auch ein Modell der Wissenschaftler des Instituts für Theoretische Physik der Universität Leipzig. Es bezieht das "Fußball-Fieber", den Selbstmotivierungsmechanismus der Spieler durch erfolgreiche Aktionen, Taktik-Änderungen und Torschüsse, in die Wahrscheinlickeits-Berechnung mit ein.
Beim "Jahrmarkt der Wissenschaften" auf dem Augustusplatz  stellen die Physiker ihr Modell bis zum 4. August nicht nur vor, sondern die Besucher können mit Tischkicker und Torwand an der Datensammlung mitwirken. So erzeugen die Besucher des Wissenschaftssommers an Stand 46 im Ausstellungszelt 4 aktiv Spielergebnisse, die die Wissenschaftler sofort online mit Methoden der statistischen Physik und der mathematischen Statistik auswerten. Die Ergebnisse werden auf einer Leinwand präsentiert. Mit diesem interaktiven Experiment wollen die Physiker weitere Torerfolgsdaten sammeln, die sie dann mit Hilfe ihres neuen Modells analysieren können.

„Das Modell beruht auf einem Selbstmotivierungsmechanismus, der wichtige Rückkoppelungseffekte auf den Torerfolg berücksichtigt“, erklärt Wolfhard Janke, Professor am Institut für Theoretische Physik der Universität Leipzig. „Durch Änderungen der Taktik beim Spiel oder Torschuss und psychologische Motivationseffekte erhöht danach jedes erzielte Tor die Wahrscheinlichkeit weiterer Treffer." Die zu testende These laute also: "Fußball kann nicht ohne Berücksichtigung des 'Fußballfiebers' modelliert werden“, sagt Janke.

Einige der wichtigsten mathematischen Grundlagen sind am Stand auf drei Plakatwänden auch für Nichtfachleute genauer erklärt. Insgesamt basiert die bisherige Arbeit auf den Endergebnissen von mehr als 30 000 Spielen. Bei reger Beteiligung der Besucher des Wissenschaftssommers erhoffen sich die theoretischen Physiker eine deutliche Erweiterung ihres Datenbestands - auch in bisher noch nicht untersuchten Spielklassen.

 

 
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