Wenn Scharen von Menschen sich zu ungewöhnlicher Zeit an Orten des Wissens tummeln, dann ist es erstmals auch in Leipzig so weit: Als Auftakt des einwöchigen Wissenschaftssommers öffnen zur Langen Nacht der Wissenschaften am 28. Juni 2008 mehr als 50 Einrichtungen aus Wissenschaft, Technik und Kultur ihre Pforten.
Alle wissensdurstigen Nachtschwärmer haben die Möglichkeit, sich vom frühen Abend bis Mitternacht mit Neugier und all ihren Fragen hinter die Kulissen der Leipziger Wissenschaftseinrichtungen zu begeben. In Labors und Sälen blicken sie Forschern über die Schultern, experimentieren selbst und gewinnen bei Vorträgen, Ausstellungen und Filmen faszinierende und unterhaltsame
Einblicke in fremdartige Welten.
Vor acht Jahren in Berlin ins Leben gerufen, zieht die Lange Nacht der Wissenschaften jährlich in immer mehr deutschen Städten hunderttausende von Menschen in ihren Bann. Im Zuge des Wissenschaftssommers zum „Jahr der Mathematik“ bringt die Initiative Wissenschaft im Dialog dieses Event im Verbund mit dem BMW Werk Leipzig und zahlreichen Projektkoordinatoren vor Ort nun auch in die sächsische Messestadt.
„Die Wissenschaftslandschaft in Leipzig ist enorm reich“, sagt Ulrich Brieler von der Stadt Leipzig. „Und da alle Akteure sich so engagiert beteiligen, sind wir sehr guter Dinge, diese Nacht als feste Institution etablieren zu können.“ Das reichhaltige Programm macht den Besuchern die Entscheidung für eine Route nicht leicht. Vom Zentrum bis zum Deutschen Platz, vom Wissenschaftspark Permoserstraße bis hin zum BMW Werk sind Hörsäle,
Museen, Labors und Bibliotheken auf regen Zulauf eingestellt.
Auf dem Augustusplatz in der Innenstadt, der sich für eine Woche in einen Jahrmarkt der Wissenschaften verwandelt, dreht sich alles um die Mathematik. Erwachsene, Jugendliche und auch kleinste Besucher können hier an „Forschungsstationen“ ausprobieren, staunen und lernen.
Auch das zu Fuß erreichbare Umfeld ist reich an Highlights. Allein die nah gelegene Universität lockt mit 50 eigenen Programmpunkten an verschiedenen Standorten. „Mit unseren vielseitigen Beiträgen zeigen wir, dass Wissenschaft nicht für den Elfenbeinturm gemacht wird“, sagt der Rektor der Universität Leipzig, Franz Häuser.
Die Fakultät für Chemie und Mineralogie am Friedenspark beispielsweise präsentiert als unterhaltsame Spiele mit dem Nichts mehrere Experimente mit dem Vakuum. Medizinisch spannend wird’s auch in der „Biocity“. Dort fliegen Besucher des TRM virtuell ins Innere des Menschen, erkunden Zellen und Gewebe, planen Gehirn-OPs und üben mit echten chirurgischen Instrumenten einen Eingriff an Patientenmodellen. Ebenso im Angebot ist ein Rundgang
durchs Gesamtareal des Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrums. Tierfreunde können einen Veterinär der Medizinischen Tierklinik bei seiner Abendvisite zu Pferd und Rind begleiten.
Auch viele außeruniversitäre Einrichtungen sind mit dabei: Wer sich gerne detektivisch auf die Spuren von Verbrechern begibt, ist in der Nationalbibliothek gut aufgehoben, in der sich nach einer Krimilesung die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Spezialisten der Leipziger Kriminalpolizei bietet. Und wen neben Wissensdurst auch eine trockene Kehle ereilt, dem bietet das frisch am Vorabend eröffnete Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie
neben seinen Exponaten einen ausgefallenen Durstlöscher: In einer Lounge im Atrium werden thematisch gestaltete Cocktails für erfolgreiche Mitdenker
gereicht.
Am anderen Ende der Stadt, im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, lernen die nachtaktiven Besucher experimentell, wie Regentropfen entstehen und unternehmen mittels Röntgen-Computertomographie eine Reise in die Wurzelwelt von Pflanzen. Das hauseigene 3D-Kino wartet bei rechtzeitiger Voranmeldung mit einer Visualisierung komplexer Vorgänge in der Natur auf – aus Zahlen werden Bilder. Im Leibniz-Institut für Länderkunde kommen unter anderem „Tatort“-Fans auf ihre Kosten: Der facettenreiche Nationalatlas enthält eine digitale Karte zu den einzelnen Schauplätzen und Einsatzorten der Tatort-Ermittler und klärt die Frage, wo eigentlich das „Waschcafé“ in Leipzig zu finden ist.
Wenn der nächtliche Wissensdurst gestillt ist, lässt um Mitternacht der Künstler Volkhard Stürzbecher auf dem Augustusplatz den Abend mit einer Live-Performance ausklingen, die in einem berauschenden Farbspiel den Evolutionsprozess eines Planeten auf die Bühne bringt.
Samstag, 28. Juni
18.00–24.00 Uhr
Weitere Informationen zu allen Veranstaltungsorten der Langen Nacht gibt es in einem Programmheft, das im Neuen Rathaus und in der Leipzig Information bereit liegt. Sie können das Heft auch herunterladen. Download
Fünf Touren durch die Lange Nacht haben wir für Sie zusammengestellt. Ein kostenloser Bus-Shuttle bringt Sie am Samstag, 28. Juni 2008 zwischen 18 und 24 Uhr an mehr als 50 verschiedene Orte, an denen Sie Wissenschaft erleben können.
Der Eintritt zur Langen Nacht der Wissenschaften und der Bus-Service sind kostenlos. Die Touren starten alle ab 18 Uhr bzw. 18. 15 Uhr am Augustusplatz (Opernseite); danach fahren die Busse stündlich bzw. halbstündlich (siehe dazu die einzelnen Tourenfahrpläne).
In der Innenstadt öffnen in der Langen Nacht ebenfalls Wissenschaftseinrichtungen. Tour zu Fuß