Die 11-jährige Priyanshi Somani (Mitte) ist die neue Weltmeisterin im Kopfrechnen.
Foto: Ilja C. Hendel

4. Weltmeisterschaft im Kopfrechnen

Junge Inderin ist Siegerin der WM im Kopfrechnen

Priyanshi Somani (11 Jahre alt) aus Indien ist die Gesamtsiegerin der vierten Weltmeisterschaft im Kopfrechnen. Vizeweltmeister wurde der Spanier Marc Jornet Sanz. Ausgetragen wurde die WM am 6. und 7. Juni auf dem Wissenschaftssommer 2010 in Magdeburg. Insgesamt traten 38 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 16 Ländern in Magdeburg gegeneinander an.

Neben dem WM-Titel für den Gesamtwettbewerb wurden fünf Titel in den folgenden Teildisziplinen vergeben: Multiplizieren, Addieren, Wurzelziehen, Kalenderrechnen und das Lösen von Überraschungsaufgaben. So mussten die Rechenkünstler in Windeseile zehn zehnstellige Zahlen addieren, zwei achtstellige Zahlen miteinander multiplizieren oder herausfinden, was für ein Wochentag zum Beispiel der 26. März 1923 war.

Beim Kalenderrechnen wurde ein Deutscher Vize-Weltmeister: Robin Wersig (27) aus Finsterwalde/Brandenburg errechnete in nur einer Minute genau 47 verschiedene Kalendertage. Er wurde nur von Yusnier Viera (28 Jahre alt) aus Kuba übertroffen, der in derselben Zeit 48 Tage bestimmen konnte. Den dritten Platz erreichte Jan van Koningsveld aus Emden/Niedersachsen.

Der Titel in der Teildisziplin Multiplizieren ging an den Spanier Marc Jornet Sanz, der beim Wettbewerb in Magdeburg nebenbei auch den Weltrekord im Multiplizieren achtstelliger Zahlen aufstellte.

Ein Weltrekord wurde von Alberto Coto gebrochen: In nur 3 Minuten und 42 Sekunden hatte der Spanier zehn zehnstellige Zahlen addiert und gewann damit den WM-Titel im Addieren. Der Kopfrechner ist damit schneller als ein Taschenrechner.

Beim Quadratwurzelziehen aus sechsstelligen Zahlen gewann die Inderin Priyanshi Somani. Zweiter wurde der ehemalige Weltmeister von 2008, Alberto Coto (40 Jahre alt).

Als „vielseitigster Kopfrechner“ setzte sich der US-Amerikaner Gerald Newport durch. Vizeweltmeister bei den gemischten Überraschungsaufgaben wurde der Iraner Ali Bayat Movahhed.

Die WM im Kopfrechnen ist Teil des Wissenschaftssommers 2010. Das große Wissenschaftsfestival von Wissenschaft im Dialog (WiD) gastiert noch bis zum 11. Juni 2010 in Magdeburg und will die Öffentlichkeit neugierig machen auf Themen und Ideen aus Wissenschaft und Forschung. Die Kopfrechen-WM wurde von Wissenschaft im Dialog, der Fakultät für Informatik der Universität Magdeburg und dem Leipziger Mathematiker Ralf Laue organisiert.

 

Zehn zehnstellige Zahlen addieren – dies ist eine der Aufgaben, die die besten Kopfrechner der Welt während des Wissenschaftssommers in Magdeburg zu lösen haben.
Foto: Christian Kleinert/WiD

WM im Kopfrechnen 2010 in Magdeburg

Wer wird Weltmeister im Wurzelziehen?

Sie kommen unter anderem aus Indien, Australien, Kuba und Georgien. Sie ziehen im Handumdrehen und ohne Hilfsmittel Wurzeln aus sechsstelligen Zahlen. Und wer am schnellsten die richtige Lösung findet, fährt als Weltmeister nach Hause. 40 Männer und Frauen kämpfen am 6. und 7. Juni 2010 in Magdeburg um den WM-Titel im Kopfrechnen.

Eigentlich ist die WM im Kopfrechnen ein Kind des Leipziger Mathematikers Ralf Laue. Er holte 2004 zum ersten Mal die besten Kopfrechner aus aller Welt nach Deutschland und ließ sie in vier Disziplinen gegeneinander antreten. Seither findet die WM alle zwei Jahre statt. 2008 wurde sie erstmalig in den Wissenschaftssommer integriert. „2008 war auch das Jahr der Mathematik und wir fanden, die Kopfrechnen-WM passte hervorragend dazu“, erinnert sich Christian Kleinert von Wissenschaft im Dialog (WiD), dem Veranstalter des Wissenschaftssommers. In diesem Jahr wird das Wissenschaftsfestival von der Landeshauptstadt Magdeburg und vom Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalts unterstützt.

Ralf Laue freut sich, dass WiD ihm bei der Organisation der WM erneut zur Seite steht. „Das würde ich allein nicht mehr schaffen“, sagt der 41-Jährige, der als Wissenschaftler an der Universität Leipzig arbeitet. So kümmert er sich um die Inhalte und erstellt mit einem Team die Aufgaben, während WiD die Logistik übernimmt. Viele der Teilnehmer kommen bereits zum wiederholten Mal nach Deutschland, sie haben auf den Veranstaltungen Freunde gefunden.

„Auf so einer WM lernt man die interessantesten Menschen kennen“, schwärmt Ralf Laue. „Das ist das Schönste für mich daran.“ Vor zwei Jahren trat eine ganze Familie an, die in Indien ihr Haus verkauft hatte, um teilzunehmen. Und bei der ersten WM im Jahr 2004 reiste ein Teilnehmer aus dem Libanon an, er hatte zum ersten Mal in seinem Leben seine Heimat verlassen, um dabei zu sein. Dabei winken dem Gewinner keine großen Geldsummen, sondern „nur“ Ruhm, Ehre – und die Chance, Gleichgesinnte aus aller Welt zu treffen.

„Die weltbesten Rechner werden da sein“, sagt Ralf Laue. Am 6. und 7. Juni werden sie getestet: Sie müssen zehn zehnstellige Zahlen addieren (Laue: „das ist noch am einfachsten“), zwei achtstellige Zahlen multiplizieren, die Quadratwurzel aus einer sechsstelligen Zahl ziehen und den Wochentag aus einem beliebigen Datum errechnen. Zu gewinnen sind insgesamt sieben Titel.

Und wie wird man zum Kopfrechnen-Weltmeister? Laue glaubt nicht an eine genetische Disposition zum Mathegenie. Übung macht den Weltmeister, so sein Credo. „Das ist wie beim Klavierspielen“, sagt er. „Man wird immer schneller und irgendwann geht es automatisch.“ Viel Erfahrung, viel Übung und eine gute Konzentration gehören dazu.
 
Und: Es macht Spaß. „Die WM zeigt, dass Mathematik alles andere als trocken ist“, sagt Christian Kleinert. Zwar findet der eigentliche Wettbewerb unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil die Kandidaten höchste Konzentration benötigen. Doch bei einer Art Schaukampf erleben die Zuschauer dann live, was in den Rechenkünstlern steckt. Die dürfen sich unter anderem einen Stapel Spielkarten kurz anschauen und müssen sie dann in der richtigen Reihenfolge wiedergeben. Diese Rechenshow findet am Nachmittag des 7. Juni statt. „Das wird sicher wieder sehr spannend und eine tolle Werbung für die Mathematik“, freut sich Christian Kleinert. (pk)

 

Was Wann Wo

5. bis 7. Juni 2010
Universität Magdeburg

Mit einem öffentlichen Schaurechnen endet am Montag, 7. Juni, die WM im Kopfrechnen, die während des Wissenschaftssommers erstmals in Magdeburg stattfindet.

16.00 - 18.00 Uhr
Öffentliches Show-Rechnen und Preisverleihung in den Räumen der IHK Magdeburg am Alten Markt

 
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