Seit 1. Januar 2012 ist Markus Weißkopf Geschäftsführer von Wissenschaft im Dialog.
Seit dem 1. Januar 2012 ist Markus Weißkopf Geschäftsführer von Wissenschaft im Dialog. Markus Weißkopf studierte Politik und Management in Konstanz und Madrid. Nach einer Tätigkeit als Organisationsberater wechselte er 2007 nach Braunschweig. Dort hat Markus Weißkopf das Haus der Wissenschaft aufgebaut, für das er zuletzt als Geschäftsführer tätig war. Unter seiner Leitung profilierte sich das Haus vor allem mit Dialogveranstaltungen über kontroverse Themen aus Wissenschaft und Forschung. Im Interview spricht Markus Weißkopf über Wissenschaft, Kommunikation und seine Pläne bei Wissenschaft im Dialog.
Mein persönliches Highlight war das Finale des Science Slams zum Wissenschaftsjahr mit 350 Leuten im Festsaal Berlin-Kreuzberg. Die gute Stimmung und tolle Vorträge von Nachwuchswissenschaftlern, die sich mit ihrem Forschungsthema identifizieren, haben mich begeistert.
Zum ersten Mal kam ich mit dem Thema in Berührung, als wir als Berater in die Vorbereitung einer Bewerbung zur Stadt der Wissenschaft eingebunden waren. Mich hat dabei sofort fasziniert, mit vielen verschiedenen Personen, Wissenschaftlern, Bürgern, Politikern, aber auch Unternehmern zusammenzukommen. Das Spannende an der Wissenschaftskommunikation ist für mich, dann der Vermittler zwischen den verschiedenen Welten zu sein und selbst natürlich auch Einblick in viele verschiedene Themen zu bekommen.
Man ist vom reinen Ausstellungsmodell abgekommen und davon, Vorträge zu organisieren, die 60 Minuten dauern und bei denen anschließend zwei oder drei Fragen gestellt werden. Die Entwicklung geht dahin, mehr Interaktion mit dem Publikum zuzulassen. Man sucht einen tatsächlichen Dialog mit der Bevölkerung. Ein anderer Trend besteht darin, dass heute viele Veranstaltungen Eventcharakter haben.
Ja, aber wir wollen ja verschiedene Zielgruppen erreichen, zum Beispiel auch bildungsfernere. Das geht gut über Events. Natürlich muss man für andere Zielgruppen auch andere Angebote schaffen. Wir wollen nicht alles zum Event machen. Wenn es nur noch knallt, kracht und blitzt, aber nicht mehr vermittelt wird, welche chemische Reaktion dahinter steckt, dann haben wir unser Ziel nicht erreicht.
Alle Beteiligten müssen offen in den Dialog hineingehen und auf Augenhöhe diskutieren. Schon das kann eine Herausforderung sein. Wichtig ist eine Atmosphäre, bei der Wissenschaftler und Bürger direkt und sachlich miteinander sprechen können. Mit den richtigen Formaten, zum Beispiel Fishbowl- oder Nachtcafé-Diskussionen, kann das gelingen.
Beim Thema Beteiligung muss man erst einmal klären, woran die Bürger beteiligt werden sollen. Ich denke nicht, dass es um eine Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen geht. Das ist eine gesellschaftspolitische Frage, die wir im Umfeld der Wissenschaft nicht wirklich beantworten können. Aber es geht um Beratung. Bei der Entscheidungsfindung, welche Themen Wissenschaft und Forschung bearbeiten und welche Ziele sie verfolgen sollen, können Bürgerinnen und Bürger sehr wohl beraten. Umgekehrt muss es für die Wissenschaft ein Ziel sein, kritische Haltungen zu bestimmten Forschungsthemen offen anzunehmen, Kritik tatsächlich zu reflektieren und darüber nachzudenken, welche Lösungen für die Bürger akzeptabel sind. Ich glaube schon, dass Bürgerinnen und Bürger durch ihre Einmischung erreichen können, dass Wissenschaftler Lösungsansätze überdenken.
Selbstverständlich muss man den Wissenschaftlern vor Augen führen, welche Konsequenzen es haben kann, wenn man das nicht tut. Ein Beispiel ist die grüne Gentechnik. Dort mussten teilweise Forschungsergebnisse vernichtet werden, weil es in der Gesellschaft eine Stimmung dagegen gab, die letztlich auf die Politik durchgeschlagen ist. Aber wir müssen auch positive Anreize schaffen. Wissenschaftler, die nach draußen gehen, müssen Wertschätzung erfahren. Science Slams sind hervorragend dafür geeignet, auch der Communicator-Preis. Hier muss aber noch mehr getan werden. Ich glaube, es ist wichtig, dass man vor allem die Nachwuchswissenschaftler anspricht. Da will WiD künftig einen Schwerpunkt setzen. Wir planen zum Beispiel Satellitenveranstaltungen zu unserem Forum Wissenschaftskommunikation. Dort können Nachwuchswissenschaftler in die Wissenschaftskommunikation reinschnuppern, lernen wie man einen populärwissenschaftlichen Vortrag macht oder über die Möglichkeiten von Social Media diskutieren.
Wir wollen den Erfahrungsaustausch und die Weiterbildung in der Wissenschaftskommunikation fördern. Das Forum Wissenschaftskommunikation und die Angebote für Nachwuchswissenschaftler habe ich gerade schon angesprochen. Eine weitere Säule unserer Tätigkeit ist – und bleibt – das Thema Dialog zwischen Wissenschaftlern und Bevölkerung, das führen wir ja schon im Namen. Wichtig bei unserer Arbeit ist dabei das Schaffen von Synergien. Wir tun das, was einzelne Organisationen alleine nicht können, und erreichen damit eine höhere Sichtbarkeit für die gesamte deutsche Wissenschaft. Nicht zuletzt wollen wir auch ein Experimentierfeld für neue Formate in der Wissenschaftskommunikation sein. Wir möchten Dinge ausprobieren, an die sich andere (noch) nicht herantrauen: Formate aus dem Ausland, vor allem aber auch aus anderen gesellschaftlichen Bereichen wie Kultur oder Wirtschaft übernehmen, sie an die Wissenschaftskommunikation anpassen und schauen, welche Formate funktionieren. Hier wollen wir Think Tank der Wissenschaftskommunikation in Deutschland sein.
Da ist die Bandbreite sehr groß. Die Klimawissenschaften spielen eine wichtige Rolle, ebenso die Fahrzeugtechnik und die Umweltwissenschaften. Elektrotechniker und Physiker können helfen, dass die Energiewende gelingt. Aber auch nachhaltiges Wirtschaften ist ein wichtiges Thema. Da spielen die Wirtschaftswissenschaften eine Rolle; Ethiker, Soziologen, aber auch andere Geisteswissenschaftler sind gefragt. Agrarwissenschaftler, Ernährungswissenschaftler und Gesundheitspsychologen kommen ins Spiel, wenn es um nachhaltige Ernährung geht. Beim „Zukunftsprojekt Erde“ spielen also viele Forschungszweige eine Rolle. Drei Fragen stehen im Mittelpunkt: Wie wollen wir leben? Wie müssen wir wirtschaften? Wie können wir unsere Umwelt bewahren?
Auch in diesem Jahr wird die MS Wissenschaft wieder auf Reisen gehen und an mehr als 30 Stationen anlegen. Neben der Ausstellung wird es an Bord auch Dialogveranstaltungen und Schülerworkshops zum Thema des Wissenschaftsjahres geben. Vom 2. – 6. Juni ist dann der Wissenschaftssommer in Lübeck, der diesjährigen Stadt der Wissenschaft, zu Gast. Es gibt bewährte Formate wie das Wissenschaftsfilmfest und das Puppentheater, aber auch neue Formate, die eher den Festivalcharakter betonen. Geplant sind ein internationaler Science Slam und ein Barcamp, bei dem junge Leute über nachhaltiges Handeln in der Gesellschaft debattieren. In einer Reihe von zehn Fishbowl-Diskussionen, die wir zusammen mit der Leopoldina durchführen, werden Wissenschaftler und Bürger miteinander über Themen aus der Nachhaltigkeitsforschung diskutieren, und beim Junior Science Slam können Jugendliche ihre Präsentationsfähigkeit messen.
Auf unser Forum Wissenschaftskommunikation im Dezember, bei dem wieder Wissenschaftskommunikatoren aus ganz Deutschland zusammenkommen werden, um ihre Erfahrungen auszutauschen und über die neuen Entwicklungen in der Branche zu diskutieren.