KlarText! Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2011
Exzellent forschen, anschaulich schreiben
Die Klaus Tschira Stiftung hat sechs Nachwuchswissenschaftler mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2011 ausgezeichnet. Der mit jeweils 5.000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr in den Fächern Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik und Neurowissenschaften vergeben. Insgesamt hatten sich 213 Wissenschaftler beworben. Voraussetzung waren eine herausragende Promotion im Jahr 2010 in Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik, Neurowissenschaften oder Physik und die Darstellung der Ergebnisse in verständlicher und spannender Form.
Im Fach Biologie wird Sophie Helene Richter ausgezeichnet. In ihrem Artikel „Illusion der perfekten Kontrolle“ geht sie der Frage auf den Grund, warum sich Tierversuche so selten reproduzieren lassen. Sie zeigt Möglichkeiten, die Reproduzierbarkeit von Tests zu verbessern und rüttelt dabei am wissenschaftlichen Dogma der Standardisierung von Versuchsbedingungen.
„Bei der Abfallentsorgung erwischt“ hat Frank Striebel die Erreger der Tuberkulose. Auf der Suche nach neuen Therapieansätzen gegen diese Krankheit untersucht der Biochemiker, wie die Bakterien ihren zellulären Abfall entsorgen. In seinem Beitrag erläutert er die biochemischen Vorgänge anhand einer Analogie zur Müllentsorgung im Haushalt. Striebel erhielt dafür den Klaus Tschira Preis im Fach Chemie.
Der Informatiker Stefan Valentin wird für seinen Beitrag über Funklöcher ausgezeichnet. Er entwickelte ein Verfahren, bei dem sich Handys zu kooperativen Netzwerken zusammenschließen und Funklöcher verschwinden lassen können. Der Leser werde in Valentins Beitrag zum Beobachter einer Produktentwicklung: von der rein technischen Umsetzung, über die Kostenoptimierung und schließlich den Feldversuch, lobt die Jury.
Wie mithilfe der Wissenschaft Optimierungsprobleme gelöst werden können, erfährt der Leser im Beitrag von Christian Kirches. Der Mathematiker brachte in seiner Dissertation Bordcomputern von Fahrzeugen das Schalten bei. Und zwar so, dass sie automatisch den besten Gang wählten. Dafür galt es eine Eins mit 24 Nullen zu bändigen: eine Anzahl von möglichen Schaltkombinationen in bestimmten Fahrzeugen.
Zweimal vergab die Jury den Preis in den Neurowissenschaften. Die Psychologin Britta Lorey gewann mit ihrem Beitrag „Müssen wir uns noch bewegen?“. Darin berichtet sie über Experimente, die belegen, wie sehr Vorstellungen von Bewegungen und tatsächliche Bewegungen zusammen hängen. Alexander Meyer betreut als Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Patienten mit einem sogenannten Cochlea-Implantat. Es ermöglicht gehörlosen Patienten das Hören. In seinem Beitrag „Ohren unter Strom“ berichtet Meyer über seine Forschungsarbeiten zum Aufbau des menschlichen Ohres und zu den Haarzellen im Innenohr. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse, sollen in Zukunft helfen, die Implantate zu verbessern.
Alle Siegerbeiträge können in einer Sonderbeilage des Novemberheftes von bild der wissenschaft nachgelesen werden. Mit dem Preis möchte die Klaus Tschira Stiftung Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik mehr in der Gesellschaft verankern. Auch im nächsten Jahr können sich junge Wissenschaftler wieder bewerben. Einsendeschluss ist der 29. Februar 2012.
Klaus Tschira PreisBeiträge der Preisträger 2011