Von Dieter Hüsken
Wenn Wissenschaft Wissen schafft, was wird dann aus dem Wissen? In einer demokratischen Gesellschaft sollte es auch denjenigen zugänglich gemacht werden, die es finanziert haben – für öffentlich alimentierte Forschungseinrichtungen bedeutet das nichts anderes als Kommunikation mit den Steuerzahlern. In einer Form, die „ankommt“, die erklärungsbedürftige Wissenschaft auf anschauliche Weise transparent macht – warum nicht in einer Ausstellung?
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Viele Wege führen in die Öffentlichkeit. Wenn es um den direkten, den ungefilterten Zugang zu den Menschen geht, dann erweist sich eine Ausstellung als besonders effektives Medium. Dabei liegt ihr Wert nicht allein in der reinen Darstellung von Inhalten. Ausstellungen können mehr. Sie können etwas „bewegen“, sie können Ansichten verändern und Perspektiven aufzeigen. Sie machen Wissen – im wahrsten Sinne des Wortes – „begreifbar“. Eine gute Ausstellung ist ein multi-funktionales Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Sie bietet eine spannende Begegnung mit dem Unbekannten, dem Neuen; eine gute Ausstellung ist das ideale Medium, um Ideen zu vermitteln und Visionen zu entwerfen.
Wo immer heute Informationen verbreitet werden, konkurrieren sie mit anderen, und nur dort, wo sie angenommen werden, kommt es zur Kommunikation. Tatsächlich ist diese eher banal klingende Erkenntnis der Knackpunkt der Kommunikation. Wenn eine Mitteilung ihren Empfänger verfehlt, waren alle Mühen des Absenders vergebens. Das Medium Ausstellung kann Forschungsergebnisse wirkungsvoll verbreiten. Wer mit einem besonderen Anliegen die Öffentlichkeit erreichen will, dem bietet dieses Instrument eine zuverlässige Navigation zur Aufmerksamkeit der anvisierten Zielgruppe.
Ausstellungen können Einstellungen verändern. Ursache dafür ist die spezielle Form der Inhaltsvermittlung. Der Weg ins Bewusstsein der Menschen führt über ihre Sinne. Sie zu aktivieren, also einzubinden in den Prozess der Informationsvermittlung, erhöht die Chance auf Wahrnehmung. Bei Fernsehzuschauern zum Beispiel hinterlassen Nachrichten, die ohne jeden optischen Reiz vorgelesen werden, kaum Eindruck. Etwa die Hälfte, so wurde einmal ermittelt, vergisst sofort wieder, was ihnen der Sprecher vorgetragen hat.
Schon deutlich klarer wird die Erinnerung hingegen, wenn die verlesene Nachricht mit Standbildern kombiniert wird. Doch erst der Film zur Nachricht hilft
dem Gedächtnis der Zuschauer vollends auf die Sprünge und löst fast immer Erinnerungen aus. Es macht also Sinn, Kommunikation „sinnvoll“ zu gestalten.
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Privatwirtschaftliche Unternehmen können, öffentlich alimentierte Institutionen
(sogenannte Zuwendungsempfänger) müssen sich der Öffentlichkeit stellen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) etwa erhält für ihre Fördertätigkeit in jedem Jahr von Bund und Ländern rund zwei Milliarden Euro. Wenn es um derartige Summen aus der Hand des Steuerzahlers geht, treffen in einem besonderen Maße Anspruch und Verpflichtung aufeinander: der Anspruch der Gebenden auf Rechenschaft über die zweckentsprechende Verwendung der bereitgestellten Mittel und die Verpflichtung der Nehmenden, diese im erforderlichen Umfang zu leisten.
Hier übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit eine Scharnierfunktion. Unvergessen ist das Wort, das Helmut Schmidt einmal den Forschern ins Stammbuch geschrieben hat: „Öffentlichkeitsarbeit ist eine Bringschuld der Wissenschaft“. Nicht die Bürgerinnen und Bürger sollten herausfinden, was in der Wissenschaft passiert, zwingend erforderlich sei es vielmehr, dass die Wissenschaft initiativ wird und den Bürgern vor Augen führt, womit sie sich beschäftigt.
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Wie kann man nun ein solches Thema präsentieren? Eine Ausstellung über Wissenschaft ist eine „Inszenierung“ von Wissen. Um eine erfolgreiche Vermittlung zu gewährleisten, muss – wie in einer Theateraufführung – ein Spannungsbogen geschlagen werden, der die Besucher in einer dramaturgisch aufgebauten Abfolge von Einzelereignissen durch die Ausstellung führt. Die Antwort auf die Frage nach dem „Wie“ ist die Grundlage für ein Ausstellungskonzept.
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Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Artikel „Ausgestellte Forschung – das inszenierte Wissen“, Handbuch Wissenschaft kommunizieren E 17.7, Raabe Verlag.
Dieter Hüsken, Dipl.-Ing., Jahrgang 1946, war langjährig verantwortlicher Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Er war Chefredakteur der von ihm entwickelten und gestalteten Magazine „forschung“ und „german research“ und Moderator der in Bonn, München und Berlin präsentierten Vortragsreihe „EXKURS – Einblick in die Welt der Wissenschaft“.
Als Ausstellungsleiter hat er alle großen DFG-Ausstellungen konzipiert, gestaltet und weltweit präsentiert.
Zudem hat Hüsken das Corporate Design der DFG entworfen. Er erhielt Lehraufträge der Universität Siegen und der Fachhochschule Köln und wurde von der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) mit der „Goldenen Brücke“ für beispielhafte Leistungen ausgezeichnet.