Checkliste für Vorgespräch und Ablauf

Spielregeln für das Interview


Von Lilo Berg

Gut gemachte Interviews sind beim Leser beliebt, weil sie wohldosierte Informationen in übersichtlicher Form bieten. Beim Vorgespräch mit dem Journalisten stellen Sie die Weichen für ein gelungenes Interview. Klären Sie dabei auch die Regeln, nach denen es verlaufen soll. Meist lassen sich nur wenige Hauptaussagen vermitteln. Wenn Sie Ihre Botschaften mit überzeugenden Zahlen belegen, mit Beispielen und treffenden Vergleichen illustrieren, werden Sie interessanter und eher gedruckt.
Nach dem Interview formt der Journalist einen Text aus dem Gesprächsprotokoll. Dabei wird immer gekürzt und umformuliert. Reagieren Sie schnell und souverän, wenn Ihnen das Manuskript zur Autorisierung vorgelegt wird. [...]


Checkliste: So verhalten Sie sich richtig

  • Freundlich, kompetent, offen, selbstbewusst – so könnte man beschreiben, was Journalisten an Wissenschaftlern mögen. Versuchen Sie beim Interview, diese innere Haltung einzunehmen.
  • Akzeptieren Sie die Gesprächsführung des Journalisten. Das gehört zu den Grundregeln eines Interviews.
  • Verzichten Sie auf Fachjargon. Wenn Fachwörter Ihnen unumgänglich erscheinen, erläutern Sie die Begriffe.
  • Vermeiden Sie lange, umständliche Sätze. So senken Sie die Gefahr missverstanden zu werden.
  • Ermutigen Sie den Journalisten, Sie zu unterbrechen, wenn etwas unklar ist.
  • Fassen Sie sich kurz. Will der Journalist Details erfahren, wird er nachfragen.
  • Sprechen Sie in einem persönlichen Stil: Sagen Sie „Ich habe herausgefunden“ oder „Wir haben entdeckt“, statt „Es wurde festgestellt“.
  • Seien Sie nicht zu bescheiden. Ist Ihr Projekt zur Erwachsenenbildung bundesweit einmalig, sagen Sie es.
  • Wenn Sie Begeisterung für Ihre Arbeit empfinden, zeigen Sie diese. Aber heucheln Sie keinen Enthusiasmus – das fällt auf.
  • Nennen Sie unbedingt Zahlen – Journalisten lieben exakte Angaben. Bieten Sie an, die Zahlen nachzuliefern, wenn sie gerade nicht verfügbar sind.
  • Sagen Sie, welche Bedeutung Ihre Forschung für die Gesellschaft hat, welche Anwendungen sich daraus ergeben. Ist der praktische Nutzen noch nicht absehbar: Stehen Sie dazu.
  • Lügen Sie nicht und versuchen Sie nicht, Fehler zu vertuschen. Meist kommt so etwas doch heraus; dann ist der Schaden groß.
  • Trauen Sie sich, über die engen Grenzen Ihres Fachgebiets hinauszuschauen, aber werden Sie dabei nicht unseriös. Journalisten stöhnen über den ängstlichen Spezialisten ebenso wie über den windigen Universalforscher.

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Artikel „Und morgen steht es in der Zeitung. Tipps für Interviews mit Printmedien“, Handbuch Wissenschaft kommunizieren E 12.1, Raabe Verlag.

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Die Autorin

Lilo Berg leitet seit 1996 das Ressort Wissenschaft bei der Berliner Zeitung. Davor war sie Redakteurin bei der Woche in Hamburg und bei der Süddeutschen Zeitung in München. Seit vielen Jahren unterrichtet sie Wissenschaftsjournalismus, unter anderem an der Universität Leipzig.

 
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