Von Cornelia Pretzer
Spätestens seit YouTube ist klar: Bewegtbilder sind im Kommen! Dank Internet braucht es keine Kooperation mit dem Fernsehen mehr, um Filme unters Volk zu bringen, und auch die Produktionskosten müssen – vor allem mit Blick auf vielfältige Verwendungsmöglichkeiten – das Budget nicht mehr sprengen. Online, aber auch offline bieten Filme vielfältige Chancen für Marketing und PR. Um diese Chancen zu nutzen, bedarf es jedoch einer genauen Identifikation der Zielgruppen und eines guten Konzepts.
Filme bewegen. Sie erzählen Geschichten, zeigen Personen und Abläufe scheinbar unmittelbar und erzeugen Gefühle und Authentizität. Kein anderes Medium bildet Realität so umfassend ab wie der Film. Die Bewegung im Film spricht das „Augentier“ Mensch besonders an. Denn wir sind evolutionär auf die Wahrnehmung von Bewegung – auch wenn es keine sich anschleichenden Tiere mehr sind – ausgelegt.
Der Ton komplettiert das multimediale Erlebnis. Und dank moderner Produktionstechnik kommen Animationen, Split-Screens oder Texteinblendungen als Informationsquellen hinzu. Damit bieten Filme geradezu ideale Möglichkeiten für die PR-Arbeit.
Doch zunächst scheinen die Hürden hoch. Produktion und Verbreitungkosten kosten im Vergleich mit Texten oder Fotos mehr Zeit und Geld. Nur eine relativ aufwendige Ausstattung oder ein professioneller Partner garantieren gute Filme. Damit Filme die gewünschten Effekte erzielen, bedarf es eines stimmigen Konzepts, einer detaillierten Planung, der richtigen Partner vor und hinter der Kamera sowie einer professionellen Umsetzung. Zusätzlich ist das produzierte Material oft für viel mehr gut als nur für einen einzigen Film. Und dank Internet oder DVD ist die Verbreitung wesentlich einfacher geworden. Die Möglichkeiten für Einsatz und Gestaltungvon Filmen sind vielfältig – und oft lohnend!
Im Zentrum der Planung sollten zwei Fragen stehen: Was soll der Film erreichen – und wen? Die Antworten sind das Fundament für die weitere Planung und helfen, die Weichen richtig zu stellen. Die erste Frage der Konzeption muss das Ziel des Projekts „Film“ definieren. Dabei kann es mehrere Ziele geben – auch Metaziele. Einige Beispiele:
- der eigenen Organisation/Institution
- Personen
- Projekten
- historischen oder
- aktuellen Ereignissen
- Produkte
- Dienstleistungen
- die eigene Arbeit
Die Identifikation der Zielgruppe ist für die Gestaltung des Films von großer Bedeutung. Denn kaum ein Medium unterliegt so stark „Moden“ und Sehgewohnheiten. So hängen die Länge des Films, die Art der Erzählform, die Schnelligkeit der Schnitte, der Einsatz von Animationen und sogar die Farbwahl von der gewählten Zielgruppe ab. Und auch die Wahl des Verbreitungsweges muss passen: Internetkurzfilme erreichen eher Jugendliche, während das klassische Fernsehformat für ältere Zuschauer attraktiv scheint.
Doch für alle Zielgruppen gilt: Eine authentische Darstellung, die zu den definierten Zielen des Projekts und der Corporate Identity der eigenen Institution steht, ist wichtiger als ein „Anbiedern“ an die – möglicherweise nur vermuteten – Gewohnheiten und den Geschmack der Zielgruppe.
Das Internet gilt als große Chance, um gerade junge Menschen für Wissenschaft zu begeistern. Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren in Deutschland sind heute fast täglich online und scheinen dadurch gut erreichbar. Doch gerade diese Gruppe hat neue Seh- und Rezeptionsgewohnheiten, die zu berücksichtigen sind. Mögliche Ansätze sind kurze Filme, überzeugende Protagonisten und packende Geschichten, schnelle Schnitte, durchaus ein guter Schuss Ironie und die Verbreitung durch soziale Netzwerke und Empfehlungsfunktionen.
Um Jugendlichen die Filme nahezubringen, bietet sich an, alternativ auch die Mittlerzielgruppe der Lehrerinnen und Lehrer anzusprechen. Dazu müssen die Filme für den Einsatz in der Schule optimiert sein. Sie müssen die Jugendlichen ansprechen, gleichzeitig aber auch ausreichend Informationen vermitteln, um den Unterricht zu bereichern. Ein zentraler Punkt ist die Abstimmung der Inhalte und Veröffentlichungstermine mit dem Lehrplan.
Ein Problem ist, dass viele Schulen immer noch nicht mit ausreichend schnellen Internetzugängen ausgestattet sind. Hier können Downloadmöglichkeiten oder DVDs das richtige Medium sein.
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Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Artikel „Der Film zum Image – Wie bewegte Bilder die Öffentlichkeit bereichern können“, Handbuch Wissenschaft kommunizieren E 8.2, Raabe Verlag.
Cornelia Pretzer, geboren 1974, ist Diplom-Meteorologin und Diplom-Journalistin. Seit März 2004 arbeitet sie als Pressereferentin und Multimedia-Redakteurin im Berliner Büro der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Zuvor war sie stellvertretende Chefin vom Dienst bei FAZ.NET, dem Online-Dienst der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.