Von Andreas Archut
Selbst wenn Sie als Wissenschaftler Einzelkämpfer sind, gehören Sie vermutlich einer Wissenschaftsorganisation, einem Forschungsinstitut oder einer Hochschule an. Und fast alle diese Einrichtungen verfügen über einen festen Ansprechpartner für die Medien. Zwar kann dies tatsächlich nur ein einzelner Mitarbeiter sein, aber eine Einrichtung, die sich heute erfolgreich in den Medien präsentieren will, kommt um eine eigene Pressestelle kaum herum.
Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Der Spezialisierungsgrad ist heute höher denn je zuvor. Es ist daher sinnvoll, dass Sie auf die Spezialisten in Ihrer Pressestelle zurückgreifen, statt sich in der Kommunikation nur auf sich selbst zu verlassen. Das gebietet schon die Vernunft: Vermutlich frankieren Sie auch nicht mehr selbst Ihre Briefe, reparieren kaputte Waschbecken oder leeren die Mülltonne des Instituts (und wenn doch: Herzliches Beileid!). Greifen Sie also auf das Know-how Ihrer Pressestelle zurück! Dort arbeiten Menschen, die sich den ganzen Arbeitstag lang mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit befassen und in der Regel über bessere Kontakte zu den Medien verfügen als Sie. Das sollten Sie nutzen!
Warten Sie nicht so lange, bis sich die Mitarbeiter Ihrer Pressestelle mal zu Ihnen verirren! Dies kann gerade bei großen Organisationen sehr, sehr lange dauern. Ähnlich wie die von Rationalisierungsmaßnahmen gebeutelten Zeitungsredakteure kommen Ihre Pressestellen-Mitarbeiter kaum noch vom Schreibtisch weg. [...]
Sehr ärgerlich ist es für alle Beteiligten, wenn Sie interessantes Material zuerst unabgesprochen an einen befreundeten Journalisten geben („Sicher ist sicher?!“) und dann erst Ihre Pressestelle informieren. Stimmen Sie sich beim Timing miteinander ab! Nichts spricht dagegen, wenn Sie zeitgleich mit der Herausgabe der Pressemitteilung durch Ihre Pressestelle auch Ihre persönlichen Kontakte aktivieren. So bleibt die Chancengleichheit für alle Medienvertreter gewahrt und niemand muss sich vernachlässigt fühlen oder ärgern. [...]
Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Artikel „Nutzen Sie ihre Pressestelle! Gemeinsam kommt man schneller ans (Kommunikations-)Ziel“, Handbuch Wissenschaft kommunizieren B 2.1, Raabe Verlag.
Dr. Andreas Archut ist Leiter der Abteilung Presse und Kommunikation der Universität Bonn. Seit 2004 ist er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Hochschulpressestellen in Deutschland.
Der promovierte Chemiker war nach Abschluss seiner akademischen Ausbildung freier Mitarbeiter der Bonner Rundschau und ab 1998 als Redakteur im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Forschungskommunikation verantwortlich.