Regionale und überregionale Zielgruppen

Mit Geisteswissenschaften in die Medien

Von Thoralf Dietz

Ist es ein Vorurteil, dass es Geisteswissenschaften schwerer haben, in den Medien Gehör zu finden? Ein Blick in die Medien scheint diesen Eindruck zu bestätigen: Wissenschaftsseiten der großen Tages- und Wochenzeitungen behandeln eher naturwissenschaftliche und medizinische Themen. Geisteswissenschaften findet man dort kaum.

Politikwissenschaft findet noch im Politikteil der Medien Gehör – insbesondere im Umfeld der Demoskopie oder durch Gastkommentare; ähnliches gilt für die Wirtschaftswissenschaft. Klassische Geisteswissenschaften (Germanistik, Anglistik, Philosophie) finden sich jedoch allenfalls im Feuilleton – und fristen dort eher ein Schattendasein. [...]

Welche Möglichkeiten bestehen, auch mit geisteswissenschaftlicher Forschung in der Öffentlichkeit Gehör zu finden, zeigen die folgenden Listen von Maßnahmen für verschiedene Zielgruppen.

Maßnahmen der direkten Kommunikation, um regionale Zielgruppen zu erreichen:

  • Laden Sie lokale und regionale Entscheidungsträger zu Veranstaltungen ein (Ausstellungen, Gastvorträge, Tagungen). Bitte bedenken Sie, dass diese Zielgruppe eine Vielzahl von Informationen und Einladungen erhält und ob der Adressat einen Vorteil vom Besuch der Veranstaltung hat. Regionale Entscheidungsträger wollen wiedergewählt werden – das heißt, sie legen großen Wert auf Publizität. Können Sie diese bieten? Umgekehrt kann die Anwesenheit eines (auf lokaler Ebene) prominenten Gastes Anlass zur Berichterstattung sein.
  • Bieten Sie gezielt Informationen und Angebote für Schulen an und laden Sie diese gezielt zu Veranstaltungen ein. Dies können zielgruppengerechte Informationsveranstaltungen sein, Angebote zur Kooperation im Rahmen von Facharbeiten oder der sogenannten Praxisseminare in der gymnasialen Oberstufe. Sprechen Sie gezielt die jeweiligen Fachlehrer an (Fachbetreuer etc.). Adressen erhalten Sie – abhängig vom Bundesland – in der Regel beim zuständigen Ministerium, der (Bezirks)Regierung oder den Schulämtern.
  • Suchen Sie sich gezielt lokale und regionale Kooperationspartner. Abhängig von Ihrem Projekt können Sie mit Schulen, Museen, Verbänden, Volkshochschulen, kirchlichen Verbänden oder den Kirchen selbst kooperieren.
  • Bieten Sie regelmäßig Ringvorlesungen oder andere Veranstaltungsreihen an, die sich nicht in erster Linie an ein Fachpublikum richten, sondern an eine breitere außeruniversitäre Öffentlichkeit.

Maßnahmen, um überregionale Zielgruppen zu erreichen:

  • Nutzen Sie die Erfahrung und die Kontakte der Pressestelle Ihrer Einrichtung. Diese hilft Ihnen bei der Prüfung der Frage, ob ein Thema für überregionale Medien überhaupt geeignet ist und entsprechend aufbereitet werden kann.
  • Nutzen Sie bestehende Kontakte zu Journalisten bzw. versuchen Sie auf Tagungen Kontakte zu anwesenden Journalisten zu knüpfen. Bieten Sie ihnen an, Ihren Vortrag zuzusenden oder geben Sie bereits einen Ausdruck mit. Laden Sie Journalisten, zu denen Sie bereits Kontakt hatten, gezielt zu Tagungen ein.
  • Versuchen Sie, Journalisten aktiv einzubeziehen, z. B. – sofern thematisch passend – als Referent bei Tagungen oder in eine Vorlesung. Viele Journalisten fungieren gerne als Moderatoren bei Podiumsdiskussionen. Dies ist kein Garant für eine Veröffentlichung, aber Sie pflegen langfristig Ihren Kontakt zu den Medien.
  • Versuchen Sie, sich selbst, Ihren Lehrstuhl bzw. Ihr Themengebiet zu einer „Marke“ zu machen. Fallen Begriffe wie „Namensforschung“ oder „Politikwissenschaft“, assoziiert man damit in der Regel sofort einige Namen bekannter Wissenschaftler, die regelmäßig zu diesen Themen von den Medien als Experten befragt werden. Auch diese Experten haben einmal als junge Nachwuchswissenschaftler angefangen.
  • Journalisten nutzen in der Regel zunächst die Recherche per Internet. Durch eine geschickte Platzierung „Ihres“ Forschungsgegenstandes auf den eigenen, aber auch auf anderen Internetseiten (beispielsweise beim Informationsdienst Wissenschaft) steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie von Journalisten kontaktiert werden.
  • Nutzen Sie aktuelle Anlässe, um Ihr Thema zu platzieren: Ein in den Medien diskutierter Korruptionsdelikt bietet Strafrechtlern ebenso wie Moralphilosophen die Möglichkeit der Kommentierung. Bei ethnischen oder religiösen Konflikten sind Journalisten auf der Suche nach Ethnologen, Historikern, Kulturwissenschaftlern oder Religionswissenschaftlern, die helfen können, die Hintergründe zu erläutern. Weisen Sie Ihre Pressestelle gezielt darauf hin, dass Sie zu einem aktuellen Thema etwas beitragen können. Die Pressestelle kann dies beispielsweise wiederum für die Expertenlisten des Informationsdienstes Wissenschaft nutzen.
  • Gedenk- und Jahrestage können Anlässe für PR-Aktionen liefern – entweder nur für eine Pressemitteilung oder für öffentliche Veranstaltungen. Historiker können Jahrestage historischer Ereignisse erläutern. Der Tag des offenen Denkmals, der Tag der deutschen Sprache oder der Tag der Philosophie (alles variable Feiertage) bieten Historikern, Sprachwissenschaftlern oder Philosophen mindestens einen Anlass pro Jahr für eine Pressemitteilung. Da es beispielsweise auch einen Europäischen Tag der Sprachen (26. September) gibt, bietet sich für Sprachwissenschaftler mindestens ein weiterer. Im Internet findet sich eine Vielzahl an Seiten, die eine Übersicht über die verschiedenen Gedenktage liefern.

 

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Artikel „Wie komme ich mit Geisteswissenschaften in die Medien?“, Handbuch „Wissenschaft kommunizieren“, F 7.3.

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Der Autor

Thoralf Dietz hat an der Universität Erlangen Wirtschaftswissenschaften und Geographie, an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Germanistik und Geographie studiert.

Von 2001 bis 2003 war er Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg, ab 2003 Leiter des Referats Presse, Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen an der Universität Passau, ab 2009 Leiter Kommunikation der Universität Passau.

Seit August 2010 ist Thoralf Dietz Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der IHK Ulm.

 
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