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Eine zentrale Anlaufstelle zur Unterstützung kommunizierender Wissenschaftler*innen

02. August 2022

  • Erstellt von Rebecca Winkels
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  • B Wissenschaft im Dialog
Zwei kommunizierende Wissenschaftler*innen in Laborkitteln zeigen ein Reagenzglas. Array

Foto: Mikhail Nilov, Pexels


Der Bundesverband Hochschulkommunikation und Wissenschaft im Dialog starten ein gemeinsames Projekt, um Wissenschaftler*innen, die sich Angriffen ausgesetzt sehen, künftig besser zur Seite zu stehen. Das Angebot soll sich zudem an Hochschul- und Wissenschaftskommunikator*innen richten, die in ihrer Arbeit aus vergleichbaren Gründen Unterstützung benötigen. Julia Wandt, sie verantwortet in der Universitätsleitung der Universität Freiburg den Geschäftsbereich Wissenschaftskommunikation und Strategie und ist Vorsitzende des Bundesverbands Hochschulkommunikation, und Markus Weißkopf, Geschäftsführer von Wissenschaft im Dialog, erläutern die Ziele und Hintergründe des Projektes.

Was genau ist der Hintergrund des Projektes und warum brauchen wir das Angebot jetzt?

Markus Weißkopf: Insbesondere in Forschungsbereichen mit unmittelbaren gesellschaftspolitischen Implikationen und damit besonders kontroversen Themen, wie beispielsweise der Forschung zum Klimawandel, der Genderforschung oder auch der Tierversuchsforschung, häufen sich die Fälle von (verbalen) Angriffen auf Wissenschaftler*innen. Insbesondere auch diejenigen, die sich zum Umgang mit der Corona-Pandemie geäußert haben, standen und stehen seit 2020 besonders im Fokus der Angriffe. Der “Lockdown-Macher-Artikel” und das, was drumherum stattfand, war da sicher nur die Spitze des Eisbergs, wie sich auch in den Gesprächen mit einigen Betroffenen gezeigt hat. 

Julia Wandt: Zudem gibt es mittlerweile einige Personen und Einrichtungen, die Erfahrung im Umgang mit und bei der Hilfestellung bei solchen Angriffen haben. Der Bedarf trifft somit auf eine durchaus vorhandene Expertise. Dies zusammenzubringen, und es vor allem in einem zentralen bundesweiten Anlaufpunkt für alle wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland zu tun, hat auch dazu beigetragen, dieses Thema jetzt gemeinsam anzugehen. Alle Expertise und Erfahrung im Umgang mit solchen Situationen soll an einer Stelle gebündelt werden, damit diese mit jeder Erfahrung und Beratung hilfreicher wird und die Angebote nicht zerfasern.

Was ist das konkrete Ziel des Projektes?

Markus Weißkopf: Wir wollen Wissenschaftler*innen direkte Unterstützung anbieten, wenn sie sich Angriffen ausgesetzt sehen. Aber wir wollen auch das gesamte System angehen und zum Beispiel Kommunikator*innen vor Ort schulen, damit diese dann besser beraten können. Letztlich geht es darum, dass die Stimme der Wissenschaft zu manchen Themenfeldern nicht einfach verstummt, weil Angst vor Hate Speech und Shit Storms besteht.

Julia Wandt: Und Kommunikator*innen sind auch aus anderen Gründen Zielgruppe des Projektes. Auch sie können Ziel von Angriffen werden oder eine unabhängige, auch mal außerhalb der eigenen Institution aufgehängte, Beratung benötigen. Es gibt von unterschiedlichen gesellschaftlichen Strömungen unterschiedliche Gründe zu versuchen, in ihrem Interesse Einfluss auf die Kommunikation von Wissenschaftler*innen und Kommunikator*innen nehmen zu wollen. Diese Kommunikation nicht einem Kräftespiel von Einzelinteressen auszusetzen, sondern eine qualitätsgeleitete wissenschaftsbasierte Kommunikation zu ermöglichen und zu schützen, ist zentrales Ziel des Projektes.

An welche Zielgruppen richtet sich das Projekt?

Markus Weißkopf: Zielgruppe sind Wissenschaftler*innen und Kommunikator*innen gleichermaßen. Beide Zielgruppen brauchen Schutz und Unterstützung bei Angriffen und dem Versuch der Einflussnahme auf Kommunikation. Und beide Zielgruppen müssen darauf vorbereitet sein. Die Wissenschaftler*innen sind vermutlich diejenigen, die das Angebot derzeit am dringendsten brauchen, da sie gegenüber den Kommunikator*innen oft über weniger Ausbildung für diese Situationen verfügen. Ihre Bedeutung für die Kommunikation ist inzwischen so groß, dass wir hier einfach nicht riskieren können, dass sie sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. 

Wie genau soll die Unterstützung aufgebaut sein?

Markus Weißkopf: Wir wollen auf einer gemeinsamen Webseite bereits vorhandene Angebote bündeln und vorstellen sowie auch eigens erarbeitete Leitfäden und Checklisten zur Verfügung stellen. Daneben soll es auch die Möglichkeit geben, sich direkt bei uns zu melden, wenn man akut einem Angriff ausgesetzt ist. Darüber hinaus wollen wir auch Trainings entwickeln, die insbesondere den Wissenschaftler*innen die entsprechenden Skills vermitteln, die sie in der Kommunikation zu kontroversen Themen brauchen.

Julia Wandt: Fast alle Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bieten bereits Kommunikationstrainings für Wissenschaftler*innen an. Das Neue und Besondere an diesem geplanten Angebot ist zudem, dass die oben genannte, in einigen Bereichen immer größer werdende Expertise und Erfahrung im Umgang mit Angriffen und versuchter Einflussnahme so vielen Personen wie möglich zur Verfügung gestellt werden soll.

Weshalb ist eine zentrale Anlaufstelle sinnvoll?

Julia Wandt: Bereits jetzt ist eine Hauptaufgabe von Kommunikator*innen an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Wissenschaftler*innen zu beraten und für Kommunikation zu befähigen sowie eine qualitativ hochwertige Kommunikation zu gewährleisten. Diese Aufgabe hat aber zum einen eine neue Dimension durch das bereits dargestellte Aufkommen von Bedrohungen und Angriffen bekommen. Zum anderen kann in einer zentralen Anlaufstelle vorhandenes Wissen bestmöglich gebündelt werden und institutions- und personenunabhängig zur Verfügung gestellt werden.

Markus Weißkopf: Ich bin immer ein großer Fan des Subsidiaritätsprinzips. Aber nicht jede Hochschule, jede Universität oder Forschungseinrichtung kann vor Ort eine solche Beratung anbieten. Und: Manchmal sind vor Ort vielleicht sogar auch Akteure in den Konflikt involviert, so dass man eben genau da nicht anrufen will. Deshalb ist eine zentrale Anlaufstelle wichtig. Es ist aber völlig klar, dass diese eng mit anderen Einrichtungen zusammenarbeiten muss und der Netzwerkgedanke nicht verloren gehen darf. 

Wann soll es losgehen und was sind die ersten Schritte, die geplant sind?

Julia Wandt: Die Planungen sind soweit schon gut gediehen, und wir werden jetzt gemeinsam die Webseite aufbauen. Parallel dazu wurde bereits inhaltlich viel recherchiert, und wir werden darauf aufbauend die konzeptionelle Ausgestaltung, das letztliche Verfassen von Leitfäden und Checklisten vorantreiben. Parallel dazu wird die Struktur für die persönliche Beratung aufgebaut werden. Wir hoffen, dass wir noch in diesem Jahr zumindest einen Teil der Angebote zur Verfügung stellen können.


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