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„Man kann auch höchst abstrakte Dinge einfach darstellen, wenn man es wirklich will“

23. November 2023

  • Erstellt von Alena Weil
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Armin Maiwald steht am Redepult und hält einen Vortrag. Im Hintergrund sind verschiedene Rollups vom Forum Wissenschaftskommunikation 2023 sowie von der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte zu sehen. Array

In seinem Vortrag anlässlich der Verleihung der Lorenz-Oken-Medaille plaudert Maus-Erfinder Armin Maiwald aus dem Nähkästchen des Sachgeschichten Erzählens. Foto: David Ausserhofer / Wissenschaft im Dialog

Für viele Teilnehmende war es ein Highlight beim diesjährigen Forum Wissenschaftskommunikation (FWK) in Bielefeld: Armin Maiwald, der Vater der Sendung mit der Maus, ist zu Gast, um die Lorenz-Oken-Medaille der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) entgegenzunehmen. Die Auszeichnung wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise um die Wissenschaftskommunikation verdient gemacht haben.

Die beste Art der Wissenschaftskommunikation 

„Wir sind sehr damit beschäftigt, nicht nur den Dialog zwischen den Wissenschaftlern zu pflegen, sondern auch die nächste Generation für Wissenschaft zu begeistern“, sagt GDNÄ-Präsident Prof. Dr. Heribert Hofer anlässlich der Verleihung. Die nächste Generation für Wissenschaft begeistern – kaum jemand kann das so gut wie Armin Maiwald, der in den 1970ern die Sendung mit der Maus mitentwickelt hat und seitdem an dieser mitwirkt.

Das betont auch Fernsehmoderator Ralph Caspers, seit 1999 ebenfalls Teil des Maus-Teams, in seiner Laudatio. Und erzählt dabei von seinem eigenen Aufwachsen mit Maiwald: „Wie Millionen andere Menschen bin ich mit dir groß geworden, mit der Sendung mit der Maus. Aber wie nicht ganz so viele hatte ich das Glück, nicht nur von dir in den Sachgeschichten zu lernen, sondern auch, wie man Sachgeschichten erzählt.“ Was Maiwalds Sachgeschichten so besonders mache, sei die Einfachheit, die Nahbarkeit, die Klarheit der Sprache. Maiwald spreche immer nah am Bild und erzähle, was man sieht, sagt Caspers. „Das ist einfach wohltuend anders.“ 

Mit seiner niedrigschwelligen Wissenschaftskommunikation habe Maiwald Generationen junger Menschen inspiriert. Regelmäßig kämen auf Veranstaltungen Menschen auf ihn zu – Nachwuchsforschende oder gestandene Physiker*innen – und sagten: „Ich bin eigentlich nur hier, weil ich die Sendung mit der Maus geguckt habe“, berichtet Caspers. Zum Ende seiner Laudatio wendet er sich noch einmal direkt an Maiwald: „Armin, du verkörperst die beste Art der Wissenschaftskommunikation. Deine Arbeit hat Generationen ermutigt, die Welt zu erforschen und neugierig zu bleiben.“

Modelle aus Legosteinen oder Spaghetti: Wie Wissenschaft greifbar wird

Nach der feierlichen Übergabe der Medaille plaudert Maiwald in seiner Dankesrede aus dem Nähkästchen des Sachgeschichten-Erzählens. Und gibt auch Einblicke in seine eigene Biografie. 1946 sei er in die Schule gekommen. „Es gab nichts, keine Schulbücher, kein Papier, keine Hefte. Und Fräulein Schumann sollte uns Buchstaben beibringen, etwas sehr Abstraktes.“ Die Lehrerin habe verschiedene Formen an die Tafel gemalt und einen Bezug zu Alltagsgegenständen hergestellt – aus einem Ball wurde etwa ein „O“. So habe sie den Kindern spielerisch die Darstellung verschiedener Buchstaben beigebracht. „Fräulein Schumann ging von etwas uns allen Bekannten aus und führte uns in die unbekannte Welt der Buchstaben.“ Ähnlich gehe er auch bei seinen Sachgeschichten für die Sendung mit der Maus vor.

Maiwald sagt: „Man kann auch höchst komplizierte Dinge einfach darstellen, wenn man es wirklich will.“ Dafür brauche es nur „Motivation, ein Beispiel aus der bekannten Umwelt, Zuwendung und etwas Zeit.“ Gute Beispiele machten abstrakte Begriffe im wahrsten Sinne des Wortes greifbar. So habe er einmal eine Polyethylenkette mit Legosteinen und thermische Verformung mit Spaghetti demonstriert, erzählt Maiwald. „Ich nehme am liebsten Dinge, die jedes Kind kennt. Holz, Pappe, Teller, Tassen, Wasser – solche Dinge, die Kinder in ihrer Umgebung sehen.“

Die Zuhörenden erfahren auch, wie Maiwald sich – als nicht sachkundige Person – an unterschiedlichste Themen heranwagt und diesen durch intensive Recherche näherkommt. „Ich bin einfach ein Filmmensch, der keine Ahnung hat“, sagt er. Damit befände er sich aber in guter Gesellschaft mit den fragestellenden Kindern. Für die Frage „Was ist eigentlich Erdöl?“ habe Maiwald einmal den Pressesprecher einer Erdöl-Firma konsultiert. Der konnte aber auf seine beharrlichen Nachfragen irgendwann auch nicht mehr antworten, sodass immer mehr Expert*innen dazu gerufen wurden. „Begonnen haben wir das Gespräch morgens um zehn, um vier Uhr nachmittags saßen wir mit 18 Leuten zusammen.“ Für eine andere Frage – was macht Vitamin C im Körper? – habe er drei Jahre lang recherchiert, erzählt Maiwald. Und das alles für einen siebenminütigen Erklärfilm.

Ein Gruppenfoto mit vielen fröhlich aussehenden Menschen, die die Hände in die Luft reißen. In der Mitte steht Armin Maiwald, Miterfinder der Sendung mit der Maus.
Eine Gruppe Maus-Fans versammelt sich im Anschluss an die Verleihung vor der Bühne, um ein Foto mit ihrem Kindheitshelden Armin Maiwald zu ergattern. Foto: David Ausserhofer / Wissenschaft im Dialog

Geschichten, die Spaß machen

Zum Abschluss seiner Dankesrede teilt der Maus-Vater noch einige seiner Grundregeln mit dem Publikum. Zu Beginn einer Recherche frage er sich immer: Gibt es im „normalen“ Leben einen Bereich, in dem das Thema vorkommt? Und gibt es eine Person, die sich mit dem Thema sicher auskennt, die man fragen kann? Denn mit Expert*innen zu sprechen sei immer besser, als allein Bücher zu lesen. Außerdem sei es ratsam, das Problem in kleine, nachvollziehbare „Problemchen“ zu unterteilen. Und schließlich sei auch noch die Dramaturgie wichtig. Er stelle sich also die Frage: „Wie kann ich aus den Fakten eine Geschichte machen, die erzählbar ist und Spaß macht?“, sagt Maiwald. Denn: ein verlorener Zuschauer sei ein schlechter Zuschauer.

Fehlende Zuschauer*innen dürften für seine Sendung mit der Maus zumindest kein Thema sein. Mit seiner authentischen und humorvollen Art, Geschichten zu erzählen, begeistert Maiwald Menschen auch über das Kindesalter hinaus. Das zeigt sich auch an diesem Abend: Nach der Verleihung strömen zahlreiche Maus-Fans zur Bühne, um ein Foto mit Armin Maiwald zu ergattern. Auch gestandene Wissenschaftskommunikator*innen haben eben ihre Idole. Kein Wunder, denn Maiwald beweist seit über 50 Jahren, wie niedrigschwellige und unterhaltsame Wissenschaftskommunikation für ein diverses Fernsehpublikum funktionieren kann.  


Anlässlich der Preisverleihung hat die GDNÄ mit Armin Maiwald ein Interview geführt, das es hier nachzulesen gibt: https://www.gdnae.de/armin-maiwald-recherchieren-bis-der-arzt-kommt/ 


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