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Nachgefragt - bei Ilka Bickmann

10. März 2022

  • Erstellt von Ursula Resch-Esser
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Ilka Bickmann ist Vorsitzende des Vereins science2public. Foto: science2public

In der Reihe „Nachgefragt“ stellen wir in loser Folge Menschen vor, die in der Wissenschaftskommunikation arbeiten. Mit 17 Fragen - und 17 Antworten, mal ernsthaft, mal humorvoll.

In der einundsiebzigsten Ausgabe sprechen wir mit Ilka Bickmann. Sie ist Gründerin und Vorstandsvorsitzende des Vereins science2public  Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation in Halle an der Saale.

Ein*e gute*r Kommunikator*in braucht…?

Neugier. Geduld. Starke Nerven. Hartnäckigkeit. Den Wunsch, andere wirklich verstehen zu wollen. Und dies zu vermitteln.

Was hat Sie dazu bewogen, in der Wissenschaftskommunikation zu arbeiten?

Wissenschaft hat Macht. Forschung findet und erfindet neue Wege. Daran teilzuhaben, Forscher*innen die richtigen Fragen zu stellen, die Menschen angehen, und sie dazu zu bewegen, dafür Lösungen zu finden, finde ich großartig. Damit ziehen alle an einem Strang.

Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten?

Informationen filtern, gezielt vernetzen und kooperieren, Team begleiten und coachen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Kommunikator*in?

2013 das 3. Nanospots-Kurzfilmfestival, das wir binnen zwei Wochen wegen des Hochwassers der Saale und der Überflutung ins Studio Halle verlegen mussten. Dieses Festival war dennoch das coolste Treffen von Nanoforscher*innen, jungen Medienschaffenden und der Stadtbevölkerung. Diese Art der ehrlichen und ko-produktiven Auseinandersetzung verschiedener Disziplinen mit Beteiligung der Bevölkerung war für meine Arbeit Initialzündung und ist auch immer noch Maßstab für meine Arbeit.

Was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Die Organisation eines eigenen Jugendtages im Rahmen des SILBERSALZ-Festivals, mit hoher ganzjährig aufgebauter Beteiligung und viel Engagement im Vorfeld, der dann leider auf den ersten Ferientag fiel. Die tollen vielfältigen Programmpunkte erreichten nur einen Bruchteil der erwarteten Besucher*innen. Es tat mir so wahnsinnig leid für die beteiligten Jugendlichen, die eigentlich Säle gefüllt hätten mit ihrem Programm. Ich bin auf der Bühne fast gestorben….

Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie im Arbeitsalltag am meisten?

Meine Neugier und Offenheit hindern mich manchmal am Fokussieren. Dann kommt es rasch zum Overload. Deshalb bin ich aktuell wieder auf der Insel Pellworm in unserem Haus hier und entgehe der Reizüberflutung zumindest im Alltag.

Mit welcher (historischen) Person würden Sie gerne essen gehen?

Gute Frage. Fasziniert haben mich schon im Studium tatsächlich die Universalforschenden, die Literatur mit Naturforschung verbinden. Johann Wolfgang von Goethe ist so ein Beispiel. Obgleich ich natürlich mit ihm über Genderthemen diskutieren würde. Thomas Mann fände ich auch großartig, mit seinem Spagat zwischen Süden und Norden, den ich innerlich teile. Und ich würde gern mit ihm über die aktuelle LGBTQ-Bewegung diskutieren. Martin Luther hat mich – als von meinen Eltern bewusst ungetauftes Kind – dazu gebracht, mich nach Reinschnuppern in verschiedene Religionen und Philosophien stolz als „lutherisch-protestantisch“ taufen und konfirmieren zu lassen und Latein zu lernen. Ich empfand das als Revolution.

Ihre Lieblingswissenschaft?

Foresight als strategische Vorausschau. Dazu möchte ich noch viel mehr lernen und wissen, wie wir mehr über die Zukunft lernen und Wahrscheinlichkeiten für uns Menschen vorhersehbarer machen können. Gern auch mit Künstlicher Intelligenz, aber auch durch kreative Methodik, Szenarienentwicklung etc.. Sicherheit schafft weniger Angst. Ziemlich wichtig heutzutage. Wie entsteht ein Krieg? Wie eine Pandemie? Wie kann man das besser vorausschauen und mit Forschung den Prozess im Vorfeld besser steuern? Zukunft, und nicht nur Geschichte, soll ein Schulfach und eine Disziplin in der Lehre werden. Daran arbeiten wir mit unserem neuen Institut und der Foresight Academy.

Welches Forschungsthema würden Sie äußert ungern kommunizieren?

Alles, bei dem sich bei aller Kreativität keine Bezüge zur Alltagswelt der Menschen herstellen lassen. Ich wäre nicht gut darin, das zu kommunizieren.

Ohne Hindernisse wie Geld oder Zeit: Welches Projekt würden Sie gerne umsetzen?

Einen Plan und damit Planeten B zu entwickeln. Damit unsere Kinder das Gefühl haben, sie können unserer Welt hier, mit all dem, was wir aktuell mit zu verantworten haben, den Rücken kehren, wenn sie die Nase von uns voll haben und wir viel zu langsam und zu unentschlossen sind. Dann hätten sie einen Plan B, den sie mutig und entschlossen selbst gestalten können. Ein bisschen die Geschichte vom kleinen Prinzen, vielleicht etwas anders erzählt.

In welchem Bereich würden Sie gerne arbeiten, wenn nicht in der Wissenschaftskommunikation?

In der Forschung selbst. Anlagenbau, C02-Emmission, Bereich soziale Innovationen. Erfindungen, die die Welt ein bisschen besser machen. Vielleicht aber auch im Rahmen der Kirche oder der Politik.

Wissenschaftskommunikation im Jahr 2030 ist …

dem Menschen zugeneigt, Orientierung und Geländer für alle, ehrlich und authentisch, bestenfalls Pflicht-Schlüsselqualifikation für angehende Forscher*innen und Lehrende.

Was halten Sie für die größte Errungenschaft der Wissenschaftsgeschichte?

Das Internet

Wie haben Sie sich als Kind die Zukunft vorgestellt?

Überschaubar. Sicher. Jede*r kann das erreichen, was er oder sie will, mit der notwendigen Unterstützung.

Wie bekommen Sie bei Stress am besten Ihren Kopf frei?

Mit Lotte, unserer Wasserhündin, im Garten trainieren. Kopfkino damit abschalten.

Kolleg*innen helfe ich gerne bei…/Ich stehe gerne Rede und Antwort zu…?

Wie erreiche ich meine Ziele, eigenverantwortlich, und wie stelle ich die richtigen Fragen? Mir selbst. Anderen. Ein bisschen der Versuch zu coachen.

Wem würden Sie den Fragebogen gerne schicken und welche Frage würden Sie dieser Person gerne stellen?

Christian Drosten mit der Frage, wie wir Wissenschaftskommunikation in kritischen Zeiten gemeinsam verbessern können und was wir aus den letzten zwei bis drei Jahren dazu gelernt haben. Und meinem Mann, Professor für Physik und Materialwissenschaften, mit dem ich seit 2007 zusammen arbeite. Die Frage wäre, wie wir mehr Frauen aus Forschung und Wissenschaft in der Wissenschaftskommunikation kommunizieren können.

Ilka Bickmann 

Ilka Bickmann ist Germanistin, Journalistin und Psychologin. Diese Kompetenzen setzt sie als Vorstandsvorsitzende beim Verein science2public ein, den sie 2007 gegründet hat. Die Organisation arbeitet an der Schnittstelle zwischen Forschung, Gesellschaft und Zukunft und erprobt dazu unterschiedliche Formate und Methoden für die Begegnung verschiedener Erfahrungs- und Erlebniswelten und Disziplinen.


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