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Nachgefragt – bei Jens Konrad

04. Mai 2021

  • Erstellt von Sina Metz
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Porträtfoto von Jens Konrad von "Die Zukunftsbauer" Array

Foto: Lukasz Kus

 

In der Reihe „Nachgefragt“ stellen wir in loser Folge Menschen vor, die in der Wissenschaftskommunikation arbeiten. Mit 17 Fragen - und 17 Antworten, mal ernsthaft, mal humorvoll.

In der Ausgabe Vierundsechszig sprechen wir mit Sozialunternehmer Jens Konrad, der mit der Initiative "Die Zukunftsbauer" das Thema Zukunft an die Schulen bringt.

Ein*e gute*r Kommunikator*in braucht…?

Die Fähigkeit, komplexe Dinge und Sachverhalte in Geschichten zu verpacken und dadurch ihren Zugang zu vereinfachen. Dabei ist Kreativität, aber auch ein tiefes Verständnis für die Zielgruppe gefragt sowie natürlich eine hohe Begeisterungsfähigkeit. 

Was hat Sie dazu bewogen, in der Wissenschaftskommunikation zu arbeiten?  

Für mich gilt die Wissenschaftskommunikation als Brücke zwischen theoretischen Erkenntnissen und ihrer Einbettung in die Praxis. Als Sozialunternehmer bin ich immer auf der Suche nach Innovationen, die ein gesellschaftliches und nachhaltiges Zusammenleben verbessern. Dabei ist es extrem wichtig, gewohnte Pfade zu verlassen und sich radikal neuen Denkansätzen zu öffnen.

Gerade hierfür bietet die Wissenschaft die richtige Quelle. Viele der gesellschaftlichen Herausforderungen entwickelten sich über die Zeit. Hintergrund ist, dass sich hier die grundlegenden Strukturen nicht mitentwickelt haben. Die Gesellschaft wächst und verändert sich sehr schnell, wodurch eine Kluft zwischen ihr und dem eigens erarbeiteten System entsteht. Ein gutes Beispiel ist hier etwa die Bildung: ihr heutiges Fundament liegt bereits Jahrzehnte zurück und passt nur noch bedingt zu den heutigen Anforderungen - geschweige denn denen von morgen. Die Wissenschaftskommunikation setzt hier an und ist ein wichtiger Schlüssel, um Strukturen aufzubrechen und neue zukunftsfähige Wege zu etablieren.

Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten?

Abwechslungsreich. Kreativ. Agil. 

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Kommunikator*in? 

Eines der schönsten Erlebnisse war, unsere Zukunftsreise zum ersten Mal praktisch umgesetzt in einer Schule durchzuführen. Zu sehen, wie die monatelange Arbeit junge Menschen motiviert, Bildung und Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, war Stolz und Inspiration zugleich. 

Was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Die Kommunikation auf klassischen Tagungen oder Konferenzen ist für mich wirklich herausfordernd. Hier trifft oft die alte auf die neue „Welt“, was auf extreme Spannungen stoßen kann. Ich erinnere mich an einen Vortrag auf einer großen Bildungs-Messe. Ich habe stur mein Programm durchgezogen, ohne die Zuhörer*innen dort abzuholen, wo sie stehen. Das war ein großer Fehler und ziemlich frustrierend. Heute gehe ich mit einer anderen Haltung an die Dinge und recherchiere genau, welche Kenntnisse und Interessen das Publikum hat, damit sie mit einer positiven Erfahrung raus gehen. 

Welche Ihrer Eigenscha;en stört Sie im Arbeitsalltag am meisten? 

Meine Ungeduld. 

Mit welcher (historischen) Person würden Sie gerne essen gehen? 

Nicht gerade „historisch“, aber super interessant: Yuval Noah Harari 

Ihre Lieblingswissenschaft? 

Als Zukunftsforscher schätze ich das interdisziplinäre Arbeiten sehr. Auch unser Konzept bei Die Zukunftsbauer fußt auf Ansätzen der Psychologie, Pädagogik, Soziologie oder auch der Zukunftsforschung selbst. Die Verknüpfung all dieser verschieden Disziplinen macht mir am meisten Freude. 

Welches Forschungsthema würden Sie äußert ungern kommunizieren? 

Ich denke Forschungsthemen, die ich nicht richtig verstehe oder zu welchen ich keinen Bezug habe, wären für mich äußerst schwierig.  

Ohne Hindernisse wie Geld oder Zeit: Welches Projekt würden Sie gerne umsetzen? 

Ich würde gerne gemeinsam mit dem Team ein eigenes Bildungslabor aufmachen und all die großartigen Ideen und Bildungsansätze dort vereinen. 

In welchem Bereich würden Sie gerne arbeiten, wenn nicht in der Wissenschaftskommunikation? 

Ich habe bereits in vielen verschiedenen Bereichen neben der Wissenschaftskommunikation gearbeitet - was mir noch fehlt (und ich mir sehr spannend vorstelle), ist die Raumfahrt. 

Wissenschaftskommunikation im Jahr 2030 ist … 

Interaktiv, integrativ und interdisziplinär.  

Was halten Sie für die größte Errungenschaft der Wissenschaftsgeschichte?

Der Buchdruck hat den Grundstein für chancengerechte Bildung für mich gelegt. 

Wie haben Sie sich als Kind die Zukunft vorgestellt? 

Ich habe als Kind immer viel und gerne Science-Fiction-Filme gesehen - ich dachte damals, dass ich als Erwachsener über Hologramme kommuniziere und in fliegenden Autos reise. Wenn alles gut geht, sind wir davon ja nicht mehr weit entfernt. 

Wie bekommen Sie bei Stress am besten Ihren Kopf frei? 

Beim joggen bekomme ich den Kopf frei, entspannen kann ich mich am besten in einer gemütlichen Runde mit Freunden und Musik. 

Kolleg*innen helfe ich gerne bei…

Allen Themen rund um Zukunft und Social Entrepreneurship. 

  

Jens Konrad

Jens Konrad hat gemeinsam mit Co-Gründerin Aileen Moeck die Initiative "Die Zukunftsbauer" ins Leben gerufen. Das Ziel ist es, das Thema „Zukunftsforschung“ an die Schulen zu bringen und junge Menschen bei der Studien- und Berufsorientierung zu unterstützen. Sie ist als eines der Gewinnerprojekte aus dem Hochschulwettbewerbs 2018 zum Thema „Arbeitswelten der Zukunft“ hervorgegangen. Der Sozialunternehmer studierte Future Studies an der Freien Universität Berlin.


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