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Nachgefragt – bei Lars Dittrich

13. Oktober 2020

  • Erstellt von Sina Metz
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Portraitfoto von Lars Dittrich Array

Lars Dittrich ist promovierter Neurobiologe und arbeitet als Wissenschaftsredakteur bei maiLab. Foto: Lars Dittrich

 

In der Reihe „Nachgefragt“ stellen wir in loser Folge Menschen vor, die in der Wissenschaftskommunikation arbeiten. Mit 17 Fragen - und 17 Antworten, mal ernsthaft, mal humorvoll.

In der Ausgabe Achtundfünfzig sprechen wir mit Lars Dittrich, Wissenschaftsredakteur beim YouTube-Kanal maiLab.

Ein*e gute*r Kommunikator*in braucht…?

Zeit für Vorbereitung und Durchführung. Deswegen werden wir nur dann eine angemessen große Szene kommunizierender aktiver Wissenschaftler*innen bekommen, wenn wir Bedingungen schaffen, in denen Wissenschaftskommunikation der wissenschaftlichen Karriere nicht schadet.

Was hat Sie dazu bewogen, in der Wissenschaftskommunikation zu arbeiten?

Hauptsächlich mein Bedürfnis Menschen Informationen nahezubringen, die ich für wichtig halte, zum Beispiel wie abgefahren Leben eigentlich ist. Ich habe ständig den Impuls Leuten zu sagen: „Raffst Du eigentlich, wie krass das ist?“. Die halten es anscheinend für völlig selbstverständlich, dass wir zum Beispiel Mitochondrien haben.

Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten?

Lesen, Staunen, Schreiben.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Kommunikator*in?

Durch eine Verkettung von Zufällen kam es, dass Bill Nye mich in seine Netflix-Show eingeladen hat. Als kleiner Postdoc aus Bonn wurde ich nach Hollywood geflogen, mit Limousine zum Studio gebracht und habe ihm vor Live-Publikum und Kameras in knapp zwei Minuten mein Forschungsprojekt umrissen. Wie ein Mini-Slam. Das war sehr surreal und alles super lustig. Ganz tolle Erinnerung.

Was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Ich habe mal ein Video darüber gemacht, warum Masaru Emotos „Ergebnisse“, dass menschliche Emotionen die Kristallstruktur von frierendem Wasser beeinflussen würden, keinerlei wissenschaftliche Aussagekraft haben. Dabei habe ich aber nicht ausreichend die Perspektive des Zielpublikums berücksichtigt und es außerdem komplizierter aufgezogen als nötig. Die Idee des Videos war, dass ich selbst als „Widerlegung“ von Emotos ein total bescheuertes Experiment vormache, bei dem die Zusehenden denken: „So kann man ja wohl gar nichts beweisen!“. Und dann sage ich: „Stimmt! Und schaut mal her, aus exakt denselben Gründen hat auch Emoto gar nichts bewiesen“, und gehe Punkt für Punkt die parallelen Probleme in seinem und meinem „Experimentalaufbau“ durch. Aber wer so wissenschaftsfern ist, dass er Emoto für glaubwürdig hält, folgt so einer Struktur gar nicht. Abgesehen davon, dass ein „Reinlegen“ des Publikums selten eine gute Idee in der Wissenschaftskommunikation ist. Seit drei Jahren kriege ich regelmäßig Kommentare unter dem Video, die mich darüber informieren, dass mein Experiment ja wohl gar nix beweisen könne und Emotos Aussagen daher weiter glaubwürdig seien.

Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie im Arbeitsalltag am meisten?

Ich muss im Home Office ständig dagegen ankämpfen, mir was zu Knabbern zu holen.

Mit welcher (historischen) Person würden Sie gerne essen gehen?

Kocht der auch? Dann François Vatel. Es gäbe noch ein paar Andere. Aber bitte nicht Prahlad Jani.

Ihre Lieblingswissenschaft?

Neurobiologie.

Welches Forschungsthema würden Sie äußert ungern kommunizieren?

Alles, wo Wissenschaftler*innen sich mit zu dünner Datenlage zu weit aus dem Fenster lehnen. Dann bin ich der Partypupser, der sagt, dass das so aber noch nicht überzeugend ist. Dass es nicht stimmt, kann ich aber natürlich auch nicht sagen. Sehr unbefriedigend. Warte, noch schlimmer ist natürlich, wenn ich mich selbst so wenig mit dem Thema auskenne, dass ich sowas gar nicht bemerken würde. „Neue Erkenntnisse zur Quantenverschränkung“ oder so. Da höre ich lieber Leuten zu, die sich auskennen.

Ohne Hindernisse wie Geld oder Zeit: Welches Projekt würden Sie gerne umsetzen?

Was ich gerade mache, finde ich schon ziemlich geil. Mit mehr Zeit würde ich wahrscheinlich einfach mehr davon machen. Wenn es aber so gar keine Notwendigkeit der Priorisierung mehr gäbe, würde ich zum Beispiel mehr Zeit in meinen Youtube-Kanal mit Kindergeschichten stecken. Da setze ich mit einer befreundeten Illustratorin Geschichten um, die ich für meinen Sohn erfinde. Und ich würde wieder Rockmusik machen. Mal wieder Theater spielen wäre auch cool. Ach ja, und ich bin gaaanz kurz davor, zwischen Arbeit und Kindern nach Jahren endlich wieder genug Zeit abzuknapsen, um mit Jiu Jitsu weiter zu machen. Am liebsten noch parallel Kickboxen, aber das geht leider nur in „Was-wäre-wenn?“-Fantasien. Wenn ich dazu so richtig Kohle hätte wie Tony Stark, würde ich ein eigenes Forschungslabor aufziehen, ist ja klar.

In welchem Bereich würden Sie gerne arbeiten, wenn nicht in der Wissenschaftskommunikation?

Forschung.

Wissenschaftskommunikation im Jahr 2030 ist …

Hoffentlich fester Bestandteil der Popkultur und das Bild von Wissenschaftler*innen genauso cool und divers wie das von Musiker*innen, Schauspieler*innen oder Maler*innen.

Was halten Sie für die größte Errungenschaft der Wissenschaftsgeschichte?

Die wissenschaftliche Methode.

Wie haben Sie sich als Kind die Zukunft vorgestellt?

Dass Alexa Kitt heißt, ein Auto ist und durch die Hauswand gerast kommt, wenn man sagt: „Ich brauche dich!“. Außerdem mehr Laserpistolen.

Wie bekommen Sie bei Stress am besten Ihren Kopf frei?

Schlafen.

Ich stehe Kolleg*innen gerne Rede und Antwort zu…?

Ich editiere gerne Texte, besonders wenn sie vorher schon sehr gut sind. Gucken, ob man sie stringenter kriegt, Argumente schärfen, wackelige Aussagen beseitigen kann. Das habe ich in der Forschung gerne mit Papers und Anträgen gemacht, heute mit Wisskomm-Texten.

Wem würden Sie den Fragebogen gerne schicken und welche Frage würden Sie dieser Person gerne stellen?

Ui, es gibt so viele interessante Wisskommer. Juli Tkotz, Servan Grüninger, Florian Dehmelt, Thora Schubert, Dennis Eckmeier, Stina Börchers, Florian Aigner, Emma Pietsch zum Beispiel.

Lars Dittrich

Lars Dittrich ist promovierter Neurobiologe und war Postdoc am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn. Dort war er in der Schlafforschung tätig und präsentierte sein Thema in der US-Netflix-Serie "Bill Nye rettet die Welt". Heute arbeitet er als Wissenschaftsredakteur für den YouTube-Kanal maiLab.


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