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Nachgefragt - bei Laura König

10. August 2021

  • Erstellt von Sina Metz
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Die Psychologin Laura König kommuniziert bei Twitter zu Essverhalten und Digital Health. Foto: Jürgen Rennecke/ Universität Bayreuth

 

In der Reihe „Nachgefragt“ stellen wir in loser Folge Menschen vor, die in der Wissenschaftskommunikation arbeiten. Mit 17 Fragen - und 17 Antworten, mal ernsthaft, mal humorvoll.

In der Ausgabe Siebenundsechszig sprechen wir mit Laura König. Als Psychologin forscht sie zu Essverhalten und kommuniziert ihre Wissenschaft über Twitter. 

Ein*e gute*r Kommunikator*in braucht…?

Ein gutes Verständnis für Menschen und ihre Lebenswirklichkeiten und die Bereitschaft, sich auf diese Lebenswirklichkeiten einzulassen und anzupassen.

Was hat Sie dazu bewogen, sich neben der Forschung und Lehre für Wissenschaftskommunikation zu engagieren?

Ich bin Psychologin und forsche zum Thema Essverhalten. Intuitiv entsteht dabei bei vielen Menschen die Erwartung, dass ich zu Essstörungen forsche. Dabei ist Psychologie so viel mehr als die Ergründung und Behandlung von psychischen Erkrankungen. Wie zentral menschliches Verhalten auch für die Entstehung von körperlichen Erkrankungen ist demonstriert die Corona-Pandemie seit einem Jahr sehr eindrücklich. Zu Beginn meiner WissKomm-Aktivitäten stand der Wunsch zu zeigen, dass die Psychologie auch in der Prävention (chronischer) körperlicher Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen kann und welche spannenden Forschungsmethoden dabei zum Einsatz kommen. 

Mittlerweile motiviert mich aber auch, über Wissenschaft ganz allgemein zu sprechen und anderen Wissenschaftler*innen, vor allem Nachwuchswissenschaftler*innen, eine Plattform zu geben. Ich finde es wichtig, Menschen näher zu bringen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zustande kommen und dass die Personen hinter diesen Erkenntnissen auch „nur“ Menschen sind. Auch hier zeigt Corona: Wissenschaft muss transparenter werden, um nicht abgehoben zu wirken oder als widersprüchlich und nicht nachvollziehbar wahrgenommen zu werden.

Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten?

Meetings, Lehre, Twitter

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Kommunikator*in?

Als ich im August 2020 meine Juniorprofessur angetreten habe, habe ich zum zweiten Mal den Twitter-Account @realsci_de kuratieren dürfen, auf dem Wissenschaftler*innen über ihre Arbeit und ihren Alltag berichten. Ich habe unter anderem über meine Forschung zur Daumenregel „bunt ist gesund“ getweetet, die ich in meiner Doktorarbeit als eine Möglichkeit zur Förderung einer gesunden Ernährung untersucht habe. Eine Followerin des Accounts meldete sich daraufhin und berichtete, dass sie diese Regel seit meiner ersten Kuration des Accounts Anfang 2018 befolgt und sich so mit Freude gesünder ernährt. Sie war sogar so begeistert, dass die die Daumenregel ihren Freunden und ihrer Familie empfiehlt. Diese unmittelbare praktische Relevanz meiner Arbeit rückgemeldet zu bekommen, hat mich sehr gefreut. Nur duch wissenschaftliche Publikationen hätte ich diese Wirkung vermutlich nicht erreicht.

Was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Ich nutze Twitter auch um mich auf Konferenzen über den Konferenzhashtag mit anderen Teilnehmenden zu vernetzen und besonders spannende Inhalte zusammenzufassen. Einmal war ich dabei aber scheinbar so vom Vortrag absorbiert, dass ich nicht genug Kontextinformation in den Tweet gepackt habe. Der Vortragende hatte Wahlwerbung einer rechten Partei eines EU-Landes als Beispiel zitiert, wie regionale und internationale Speisen instrumentalisiert werden können, um ein wir-versus-sie Gefühl zu erzeugen und soziale Identitäten zu schärfen. Den Gedanken, dass Speisen eine soziale Identität schaffen und Essen so zum Mittel zum Zweck wird fand ich spannend und habe den Gedanken in einem Tweet zusammengefasst. Um die Sichtbarkeit zu erhöhen habe ich ein Foto der Folie aufgenommen. Warum an dieser Stelle dort allerdings Wahlwerbrung einer rechten Partei zu sehen war, habe ich nicht erklärt. Zudem war der Tweet auf Deutsch, weil es sich um eine deutschsprachige Konferenz handelte. Für meine (relativ zur deutschen große) internationale Followerschaft kam das dann leider so rüber, als würde ich (oder der Referent) Werbung für diese Partei machen. Das habe ich natürlich nicht ausdrücken wollen und habe dementsprechend die Aussage korrigiert.

Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie im Arbeitsalltag am meisten? 

Meine Begeisterungsfähigkeit: Viel zu viel spannend zu finden und alles machen zu wollen. Am Aufgaben- und Zeitmanagement arbeite ich noch. 

Mit welcher (historischen) Person würden Sie gerne essen gehen?

Michelle Obama. Ich bin großer Fan ihrer Bemühungen als First Lady, die ernährungs- und bewegungsbezogene Gesundheit aller Kinder in den USA zu fördern. Ihre Initiative Let’s move! verwende ich gerne als Beispiel in Lehrveranstaltungen. Vielleicht könnte ich sie bei einem gemeinsamen Abendessen für weitere solcher Projekte (mit wissenschaftlicher Begleitung!) begeistern.

Ihre Lieblingswissenschaft?

Psychologie – allerdings folgen auch viele andere Disziplinen mit geringem Abstand, z.B. Informatik, Ernährungswissenschaft, Kommunikationswissenschaft, …

Welches Forschungsthema würden Sie äußert ungern kommunizieren?

Ich gebe prinzipiell keine Ratschläge dazu, was man essen sollte oder ob bestimmte Nahrungsmittel gesund oder ungesund sind. Ich bin schließlich Psychologin und keine Ernährungswissenschaftlerin – für eine Beratung zu solchen Fragen fehlt mir eindeutig das notwendige Detailwissen.

Ohne Hindernisse wie Geld oder Zeit: Welches Projekt würden Sie gerne umsetzen?

Würden Zeit und Geld bei unserem neuen (sich im bau befindenden) Campus keine Rolle spielen, fände ich es fantastisch, auf dem neuen Campusgelände ein möglichst interaktives Museum zu Lebensmitteln und Gesundheit zu etablieren, das unsere Forschung direkt an die Öffentlichkeit vermittelt. Bis der Campus in einigen Jahren fertig gestellt ist, würde ich mich aber auch schon mit digitalen Angeboten zufrieden geben – ein In Mind Magazin für Ernährungs- und Gesundheitswissenschaften steht dabei ganz oben auf meiner Liste.

In welchem Bereich würden Sie gerne arbeiten, wenn nicht in der Wissenschaftskommunikation?

Für mich wohl eher anders herum: Wenn ich nicht selbst aktiv forschen würde und eine Aussicht auf Entfristung hätte, wäre ich vermutlich in der Wissenschaftskommunikation gelandet.

Wissenschaftskommunikation im Jahr 2030 ist …

ein etablierter Bestandteil der Ausbildung und des Berufs des*der Wissenschaftler*in.

Was halten Sie für die größte Errungenschaft der Wissenschaftsgeschichte? 

Vermutlich beeinflussen mich hier die Medien und die aktuellen Geschehnisse – gerade rangieren mRNA-Impfstoffe für mich auf jeden Fall ganz weit oben. Nicht nur, weil diese Technologie uns gerade den Weg aus den Pandemie bereitet, sondern auch, weil ich sehr gespannt darauf bin, wozu diese Technologie in der nahen Zukunft noch führen wird.

Wie haben Sie sich als Kind die Zukunft vorgestellt?

Bunt und spannend – das hat sich auf jeden Fall bewahrheitet.

Wie bekommen Sie bei Stress am besten Ihren Kopf frei?

Vor Corona waren das vor allem das Tanzen – ich tanze Swing-Tänze wie Lindy Hop – und regelmäßige Besuche im Café mit Freund*innen. Wie vermutlich viele Menschen habe ich jetzt das Spazierengehen noch einmal mehr für mich entdeckt und ein altes Hobby wieder aufleben lassen, das Computerspielen.

Ich stehe gerne Rede und Antwort zu…?

Als Professorin mit vermutlich überdurchschnittlicher Erfahrung im Bereich Wissenschaftskommunikation an unserer noch jungen Fakultät beantworte ich natürlich jederzeit gern zu Fragen zu WissKomm. Zugegeben frage ich aber mindestens genauso oft meine Kolleg*innen an, z.B. wenn es um Beiträge zu einer Serie zum Internationalen Jahr des Obst und Gemüses der Vereinten Nationen auf dem Instagram-Kanal unserer Fakultät geht. Außerdem natürlich zu allem, was Psychologie und menschliches Verhalten, insbesondere in Bezug auf Gesundheit, angeht, und last but not least: Methoden der Verhaltenserfassung. Da werde ich erst so richtig zum Nerd.

Wem würden Sie den Fragebogen gerne schicken und welche Frage würden Sie dieser Person gerne stellen?

Mich würde interessieren, wie Dr. Anna Henschel den Übergang von der aktiv forschenden Wissenschaftlerin zur Wissenschaftskommunikatorin erlebt und welche Tipps sie jungen Wissenschaftler*innen geben würde, die eine ähnliche Karriere anstreben.

Transparenzhinweis: Anna Henschel arbeitet seit Mai 2021 im Projektmanagement der Wissenschaftsjahr-Projekte bei Wissenschaft im Dialog.

Laura König

Laura König ist Juniorprofessorin für Public Health Nutrition an der Universität Bayreuth. Sie studierte Psychologie mit Nebenfach Informatik an der Universität Konstanz, wo sie 2018 ihre Promotion in Psychologie abschloss. In Forschung und Lehre lebt sie Interdisziplinarität und arbeitet u.a. mit Wissenschaftler*innen aus den Ernährungswissenschaften und der Informatik zusammen. Sie ist Mitherausgeberin des In Mind Magazins, schreibt regelmäßig für den In Mind Blog und Moderatorin des Twitter-Accounts @realsci_de. Sie selbst twittert als @lauramkoenig.

 


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