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Wenn Dr. Sheldon Cooper sich als Dopplereffekt verkleidet

13. Februar 2016

  • Erstellt von Artur Krutsch
  • 1
  • A Wissenschaftskommunikation
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Auch im Jahr 2015 war The Big Bang Theory die in Deutschland meistgesehene Serie bei den 14- bis 49-Jährigen. Zwei Millionen Zuschauer haben sich die Serie im Fernsehen angeschaut, dabei werden die Nutzer der Streamingdienste noch gar nicht mitgezählt.

Dass eine Serie, die vom Arbeits- und Privatleben von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern handelt, gerade bei Jugendlichen so erfolgreich ist, ist ein guter Grund einmal zu fragen, ob – und was – die Wissenschaftskommunikation davon lernen kann.
Damit ist jedoch nicht gemeint, dass jedes Forschungsinstitut jetzt eine eigene Sitcom drehen sollten. Auch darf nicht fälschlicherweise angenommen werden, dass The Big Bang Theory (TBBT) wissenschaftliche Inhalte vermittelt.
Trotzdem dürfte die Serie das Bild der Wissenschaft und besonders das des Wissenschaftlers bei jungen Menschen stärker geprägt haben, als viele Aktivitäten der Wissenschaftskommunikation. Erste Studien lassen vermuten, dass die Serie das Verständnis für Wissenschaft steigert und die Zuschauer animiert sich selbst mehr mit wissenschaftlichen Themen auseinanderzusetzen.

Der ehemalige WiD-Kollege Jörg Weiß hat die Serie in seiner Masterarbeit aus der Perspektive der Wissenschaftskommunikation betrachtet. („Darstellung der Wissenschaft in der Fernsehserie The Big Bang Theory – Eine qualitative Inhaltsanalyse.“). Jörg untersucht darin die Charaktere der Serie, (meist Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler), die Orte, an denen Wissenschaft entsteht und besonders die Darstellung des Wissenschaftsberufs.
Der Experimentalphysiker Lennart arbeitet empirisch, testet in seinem Labor zuvor aufgestellte Hypothesen, während der theoretische Physiker Sheldon in einem einfachen Büro mit Computer und Tafeln arbeitet. Die Wissenschaftler der Serie fahren auf Expeditionen und Tagungen, schreiben an Publikationen, geben Vorlesungen und müssen Fördermittel eintreiben. Jörg kommt daher unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Serie ein „umfangreiches und vergleichsweise authentisches Bild der Naturwissenschaft und seiner Akteur_innen liefert.“ 

An der Australian National University erforscht Rashel Li derzeit die Wirkung von TBBT auf das Wissenschaftsverständnis von Zuschauerinnen und Zuschauern, indem sie diese direkt befragt. In zwei Artikeln, die sie im Tagungsband der Popular Culture Association of Australia and New Zealand (PopCAANZ) und im International Journal of Science Education veröffentlicht hat, stellt sie folgende Ergebnisse vor:

TBBT trägt zum Verständnis für den Charakter der Wissenschaft (nature of science) bei. Die Zuschauer kommen durch die Serie zu der Schlussfolgerung, dass Wissenschaft empirisch vorgeht, theorielastig und in der Kultur verankert ist. Allerdings entsteht bei den Zuschauern auch der Eindruck, dass Wissenschaft subjektiv ist.
Etwa ein Viertel der Zuschauer werden dazu animiert, über die in der Serie erwähnten wissenschaftlichen Themen zu recherchieren, um Witze oder Hintergründe besser zu verstehen.
In ihrem Artikel zitiert Li dazu eine Zuschauerin:

„It’s always sort of doubtful when I watch it. I’m like ‘do they sort of dumb it down for people and not have all the facts there’ so if I’m confused about something I’ll always try to look it up later (female, 20, non-science undergraduate).” 

 

Einen ähnlichen Effekt hat Jörg in seiner Arbeit beobachtet. Kurz nach der Erwähnung in TBBT steigen die Google-Suchanfragen für die Begriffe „Doppler effect“ und „Schrödinger’s cat“  stark an. (Details auch auf Jörgs Blog.)

Und was heißt das für die Wissenschaftskommunikation?

Zunächst einmal bietet TBBT eine fantastische Steilvorlage, für Wissenschaftskommunikatoren: „Denkbar wäre es, TBBT als Aufhänger für Kommunikationsmaßnahmen zu nutzen. Beispielsweise als Aufhänger für Pressearbeit und Online-Kommunikation oder sogar in Form einer populärwissenschaftlichen Vorlesung zu den physikalischen Konzepten der Serie“, erklärt Jörg in seiner Masterarbeit.

Die Arbeiten zeigen auch, dass populäre, Serien, die mit dem Thema Wissenschaft leicht und charmant umgehen, einen erheblichen Einfluss auf das Wissenschaftsverständnis haben. Das sollten Wissenschaftskommunikatoren nutzen und Filmemachern, Serienschreibern und Autoren zeigen, welche erzählenswerten und spannenden Themen es in der Wissenschaft gibt und sie mit offenen Armen empfangen, sollten sie Wissen, Ressourcen oder Drehorte benötigen.
Wie das gehen kann, zeigt beispielsweise die US-amerikanische National Academy of Sciences. Sie hat das Programm The Science & Entertainment Exchange gestartet, in dem intensiv und aktiv zwischen Filmindustrie und Wissenschaftsinstitutionen vermittelt wird. Ein Angebot, das  auch die Macher von TBBT genutzt haben. „It’s done a terrific job melding cultures.“ kommentiert David Saltzberg, „Science Consultant“ von TBBT die Zusammenarbeit.

In Deutschland gab es von 2007 bis 2013 ein ähnliches Projekt: MINTiFF – Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften sowie Chancengleichheit im Fiction-Format. Es wurde vom Bundesministerium für Forschung und Bildung in Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft initiiert und hat bereits einige Filme und Serien unterstützt. 

Seitdem ist es in Deutschland diesbezüglich wieder ruhig geworden. Von der geplanten Nachfolgeorganisation „Stiftung für MINT-Entertainment-Education-Excellence“ hat man seitdem leider nicht mehr viel gehört.


1 Kommentare

  1. Arwen am 15.02.2016

    Wahrend Wissenschaftler im Fernsehen unterrepräsentiert sind, sind andere Berufe im Überfluss -- ich denke an Ärzte, Polizisten und Anwälte. Ich steht noch offen, ob nachfolge Serien mit Wissenschaftlern in Hauptrollen gedreht werden.

    Die Wirkung von TBTT bzgl. interesse an die Wissenschaft ist sehr interessant, aber ich frage mich ob wir als Wissenschaftskommunikatoren wirklich viel davon nehmen können -- außer vielleicht, dass ein Sinn von Humor bei der Öffentlichkeit gut ankommt -- und das wussten wir hoffentlich schon.

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