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Wissenschaftskommunikation in Zeiten der Coronavirus-Pandemie

24. März 2020

  • Erstellt von Markus Weißkopf und Rebecca Winkels
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Foto: Brian McGowan/Unsplash

 

Es gilt transparent zu kommunizieren, Unsicherheiten herauszustellen, einzuordnen: Markus Weißkopf im Gespräch mit Rebecca Winkels 

Rebecca: Die Corona-Pandemie hat die deutschen Medien derzeit fest im Griff, was fällt aus Sicht der Wissenschaftskommunikation auf?

Markus: Wissenschaft hatte selten so viel mediale Aufmerksamkeit, wie in der jetzigen Situation. In der Vergangenheit ist die Stimme der Wissenschaft auch medial immer wieder zu kurz gekommen – heute ist das anders. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind derzeit in vielen Talkshows präsent, sie werden auf den Titelseiten von Zeitungen zitiert und melden sich in den Social-Media-Kanälen zu Wort. Auch die Leopoldina hat nun innerhalb sehr kurzer Zeit eine Stellungnahme zum Umgang mit der Coronavirus-Pandemie vorgelegt. Das alles ist gut und wichtig, denn es ist vor allem die Wissenschaft, die die Fakten zum Umgang mit und Ausweg aus dieser Krise liefern muss. Gleichzeitig empfinde ich es so, dass es in den Medien insgesamt ein Bemühen zu einer sachlichen Berichterstattung gibt und viele unterschiedliche Facetten beleuchtet werden. Bemerkenswert finde ich, wie geschlossen und gemeinschaftlich gegen Fake News vorgegangen wird, gerade auch von den Regierungsbehörden. Aber auch die Unternehmen der Digitalbranche scheinen dieses Mal ernsthaft gegen Falschmeldungen vorzugehen.

Rebecca: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen derzeit verstärkt zu Wort und spielen auch als Politikberaterinnen und -berater eine große Rolle. Beides haben auch wir uns schon länger gewünscht – wie schlagen sie sich aus deiner Sicht?

Markus: Es ist zunächst einmal richtig und wichtig, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler derzeit so präsent sind. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern weltweit. Nur sie können derzeit auf Basis ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse uns die aktuelle Situation erklären und einordnen. Ich habe großen Respekt vor ihrer Bereitschaft, dies aktuell in vielen unterschiedlichen Formen zu tun, und vor allem auch vor dem Pensum, welches einige Virologen derzeit – neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit – bewältigen. Bemerkenswert ist zudem, dass es vielen von ihnen sehr gut gelingt, auch Unsicherheiten zu kommunizieren und transparent zu machen. Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten, aber auch sein Twitter-Account sind hier gute Beispiele. Ebenso wichtig finde ich, dass die Forschenden sehr klar machen, wo ihre Kompetenz endet und immer wieder darauf hinweisen, dass bestimmte Abwägungen politische Abwägungen sind. Hier herrscht bis auf wenige Ausnahmen ein klares Rollenverständnis und das finde ich auch richtig so.

Rebecca: Was zeichnet gute Wissenschaftskommunikation in Krisenzeiten aus?

Markus: Natürlich schnell, klar, ehrlich und transparent zu sein. Aber im Prinzip sollte sich gute Wissenschaftskommunikation in Krisenzeiten nicht von guter Wissenschaftskommunikation in ruhigeren Zeiten unterscheiden – sie steht lediglich stärker im Fokus und dann ist es noch wichtiger, diese Prinzipien einzuhalten. Es gilt transparent zu kommunizieren, Unsicherheiten herauszustellen, einzuordnen, sich nicht in komplexen Konstrukten zu verstricken und schnell, präzise, möglichst einfach und verständlich zu kommunizieren.

Rebecca: Auch bei anderen Themen – wie beim Klimawandel – positioniert sich die Wissenschaft klar. Warum wird sie zu Corona so viel besser gehört?

Markus: Wie man durch Kommunikation Verhaltensweisen ändert, ist eine der ganz großen Fragen in der Kommunikation allgemein. Das gilt auch in Bezug auf die Wissenschaftskommunikation. Dass es im aktuellen Fall ganz gut gelingt, liegt sicher auch daran, dass die Corona-Pandemie das tägliche Leben unmittelbar und akut betrifft. Man muss sich also damit beschäftigen, ob man will oder nicht. Der Klimawandel beispielsweise lässt sich leichter aus dem Alltag verdrängen und der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ist da viel komplexer als bei Corona. Das macht es aus kommunikativer Sicht schwieriger. Hinzu kommt, dass der Prozess schneller abläuft und daher ad hoc Reaktionen benötigt. Auch die Politik steht bei Corona unter dem Druck schnell zu handeln, dazu braucht sie die Expertise aus der Wissenschaft.

Rebecca: Können wir, kann die Wissenschaftskommunikation, aus der aktuellen Situation etwas für die Zukunft lernen?

Markus: Man kann natürlich insbesondere aus Krisen lernen. Zum einen sehen wir gerade, dass gute Wissenschaftskommunikation einen Unterschied machen kann und gesellschaftlich hoch relevant ist. Das macht Hoffnung, dass das Thema weiter auf der Agenda bleibt und gerade Forschende weiter darin bestärkt und dabei unterstützt werden, zu kommunizieren. Diesen Wandel hin zu einer fest im Forschungsalltag etablierten Wissenschaftskommunikation brauchen wir. Das verdeutlicht die aktuelle Lage hoffentlich auch denen, die es vorher noch nicht wahrhaben wollten.

Aber wir müssen auch sehen, dass Wissenschaft und auch Wissenschaftskommunikation in einigen Bereichen noch nicht schnell genug auf derartige Krisen reagieren können. Während wir – zumindest bei WiD – unseren Arbeitsalltag innerhalb einiger Stunden auf digital umstellen konnten, gelingt uns dies mit einigen unserer Angebote noch nicht. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel noch viel stärker mit virtuellen Tagungen, Diskussionen und Dialogen etc. experimentieren müssen. Da haben wir schon Einiges ausprobiert und sind daher nicht ganz unvorbereitet, aber das hätte sicher noch besser sein können. Wir werden das nun in den nächsten Tagen und Wochen vorantreiben und dann unsere Erfahrungen mit der Community teilen.

Rebecca: Wie erlebst du diesen Wandel?

Markus: Insgesamt erlebe ich nicht nur bei uns, sondern in unserer gesamten Branche eine große Bereitschaft zuhause zu bleiben, sich an die neue Arbeitsweise anzupassen und auch kreative Lösungen zu finden. Bei Wissenschaft im Dialog liegt das sicherlich auch daran, dass wir ohnehin oft digital zusammenarbeiten und viel an unterschiedlichen Orten unterwegs sind. Daher ist uns der Weg ins Home Office sicherlich leichter gefallen. Aber ich  erlebe auch allgemein eine große Bereitschaft, sich auf die neue Situation einzustellen und viele kreative Lösungen damit umzugehen. Vielleicht führt die aktuelle Situation so auch zu positiven Entwicklungen. Wir sind ja in Deutschland bisher nicht als Vorreiter in der Digitalisierung bekannt. Da kann es einen Schub gebrauchen, auch wenn die Umstände natürlich keine guten sind.

Markus Weißkopf ist Geschäftsführer von Wissenschaft im Dialog. Rebecca Winkels leitet dort die strategische Kommunikation und ist Projektleiterin der Plattform Wissenschaftskommunikation.de.

In unserem Blog haben wir erste Tipps und Links gesammelt, wie Wissenschaftskommunikation in Krisenzeiten gelingen kann.


1 Kommentare

  1. Dr. Rolf Wetzel vor 2 Wochen

    Wir haben es offenbar bei Corona mit einer Tröpfchen-Infektion zu tun. Dass ein "Industriestaat" wie Deutschland nicht in der Lage ist, alle Bürger mit Atemschutzmasken auszustatten, wie es in asiatischen Ländern normal zu sein scheint, ist mir unbegreiflich. Es werden nicht einmal Anleitungen zur Selbsthilfe gegeben. Hier versagt Wissenschaft und Technik!

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