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Zurück zu den Wurzeln

09. November 2018

  • Erstellt von Jan Steffen
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Was für eine großartige Story.Turi King von der University of Leicester berichtet über die Suche nach dem seit über 500 Jahren verschollenen König Richard III. Foto: Jan Steffen Array

Was für eine großartige Story. Turi King von der University of Leicester berichtet über die Suche nach dem seit über 500 Jahren verschollenen König Richard III. Foto: Jan Steffen

Gestern durfte ich lernen, dass der Wissenschaftsbereich, für den ich aktuell als Kommunikator arbeite, sexy ist. Heute folgte die Bestätigung, dass die Fächer, die ich einst studiert habe, genauso aufregend sind. Die Rede ist von Archäologie und Geschichte. Ich muss zugeben, dass mich dabei auch nostalgische Gefühle überkamen. Die gute alte Studienzeit… 

Doch von Anfang an. Etwas übermüdet erreichte ich kurz vor 9 Uhr Hörsaal 10 im Hauptgebäude der Bonner Universität. Der erste Programmpunkt des Tages war eine Keynote von Prof. Dr. Turi King von der University of Leicester. Die folgende Stunde enthielt alles, um hellwach zu werden: Humor, Abenteuer, Intrigen, Tragödien, Gewalt, Sex (schon wieder…), ein 500 Jahre altes Rätsel … und seine Lösung dank moderner wissenschaftlicher Methoden. Hurra!

Etwas sachlicher ausgedrückt: Turi King stellte die Ausgrabung vor, die 2012 die Überreste eines mittelalterlichen Franziskanerklosters in Leicester (UK) freilegen sollte. Von vornherein hatte das Projekt einen besonderen Aspekt. In dem gesuchten Kloster war laut historischer Überlieferung Richard III. beigesetzt worden, nachdem er 1485 in der Schlacht von Bosworth erschlagen worden war. 100 Jahre später machte Shakespeare ihn zum buckligen Erzschurken der Literaturgeschichte. Das Grab des echten Richard galt aber lange als verschollen.

Tatsächlich fand das Archäologen-Team 2012 ein passendes Skelett unter einem profanen Parkplatz in Leicester. Turi King beschrieb in ihrer Keynote sehr unterhaltsam, wie das Team dann anhand körperlicher Eigenschaften und DNA-Untersuchungen mit mehr als 99,9 prozentiger Wahrscheinlichkeit nachweisen konnte, dass diese Knochen wirklich zu jenem legendären englischen Herrscher gehörten. Nebenbei wies es noch nach, dass in den Generationen seit Richard III. irgendwo in der weiten Verwandtschaft des englischen Hochadels jemand seine Gene hinterlassen hat, der nicht im offiziellen Stammbaum verzeichnet ist. Ein Skandal! Zur Beruhigung: Die Regentschaft der Queen steht nicht infrage.

Was für eine großartige Story. Und so wunderbar erzählt. Story? Erzählt? Da sind wir doch wieder beim Storytelling. Funktioniert also auch bei Wissenschaften ohne Schiff. Und, um noch einmal auf gestern zurückzukommen: Ja, hier gab es eine einzelne Wissenschaftlerin, die das Projekt nach außen vertrat. Doch sie hat in ihrem Vortrag sehr klar gemacht, dass die Ergebnisse nur im Team und in internationaler Zusammenarbeit möglich waren. Außerdem habe ich in dem Vortrag nicht nur Sex, Crime, Skandale und Staatsbegräbnisse (Events) gesehen, sondern dabei auch gelernt, wie und ob man Verwandtschaftsverhältnisse über 500 Jahre anhand der DNA ermitteln kann. Quasi nebenbei.

Auch für die Wissenschaftskommunikation konnte man etwas lernen. Denn Turi King betonte, dass die Zusammenarbeit mit der Pressestelle der Uni Leicester sehr hilfreich gewesen sei, um den gewaltigen Medienansturm zu bearbeiten, den die Entdeckung auslöste. Wichtig dabei sei, die rechtzeitige Abstimmung und genaue Vorbereitung. Eine Aussage, die ich aus meiner Erfahrung bei den Meereswissenschaften voll unterschreiben kann.

So war diese Keynote nicht nur eine Reise zu meinen Studien-Wurzeln, sondern gab wiederum interessante und mal wieder positive Anregungen zum Thema Wissenschaftskommunikation.


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