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VERS

Innovative VERkehrszugangsSysteme durch Nutzerbeteiligung

Kontakt

Projektleiterin

Ricarda Ziegler

Tel.: 030 2062295-40

ricarda.ziegler@w-i-d.de
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Wie soll das Zukunftsticket für Berlin aussehen?

Foto: VRR AöR/KCEFM
Foto: VRR AöR/KCEFM

Beim Einsteigen in den Bus einfach das Smartphone an ein Lesegerät halten und losfahren? Oder soll das Smartphone sich beim Betreten der U-Bahn automatisch einloggen und selbstständig zahlen? Alles möglich mit RFID (Radio Frequency Identification). Wie soll also das Zukunftsticket für Berlin aussehen?

Diese Frage gingen das Fachgebiet Arbeitslehre/Technik der TU Berlin, das nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung sowie Wissenschaft im Dialog im Projekt VERS nach. Dabei sollte nicht nur ausgemacht werden, wie die Nutzerinnen und Nutzer der öffentlichen Nahverkehrsmittel in Berlin zukünftig zahlen wollen. Ziel war es auch herauszufinden, wie sich eine Beteiligung der Nutzer bei der Entwicklung des Zugangskonzepts auf die Akzeptanz der neuen Verkehrszugangs- und Ticketinglösungen auswirkt.

Das Projekt begann mit einer Literaturstudie und Fallbeispielbetrachtung, an die sich eine Fahrgastbefragung anschloss, die wiederum den komparativen Grundstein für die unterschiedlichen Partizipationsverfahren Kurzplanungszelle und Online-Dialog legte. Abschließend wurden die Ergebnisse im Rahmen eines Kontrolleurs-Workshops und besonders eines Stakeholder-Workshops diskutiert und in einem Strategiepapier Handlungsempfehlungen entwickelt und dargelegt.

Partner

Wie ändert sich Technologieakzeptanz durch Partizipation?

Das Projekt VERS beschäftigte sich mit der Einführung neuer Zugangssysteme und Zahlungsverfahren im öffentlichen Personennahverkehr. Es wollte erforschen, wie sich die Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer an der Entwicklung neuer Konzepte auf die Akzeptanz der neuen Systeme auswirkt.

Zu Beginn des Projektes erfolgten eine Analyse und ein Vergleich innovativer Verkehrszugangssysteme in anderen Städten. Die Einstellungen der ÖPNV-Nutzerinnen und -Nutzer zu neuen Zugangssystemen in Berlin wurde durch eine Fahrgastbefragung mit rund 1200 Befragten ermittelt. 

Anschließend folgte eine öffentliche Diskussion der Ergebnisse und möglicher Zugangssysteme mithilfe partizipativer Verfahren. Eingesetzt wurden eine Kurzplanungszelle und eine Plattform zur Online-Diskussion. Die Ergebnisse dieser Phase flossen in einen Kontrolleurs-Workshop und besonders einen Stakeholder-Workshop ein, an dem zentrale Akteure des öffentlichen Verkehrs teilnahmen. Zum Schluss des Projektes wurde ein Strategiepapier erstellt, das die Forschungsergebnisse des Projekts VERS zusammenfasst und darauf aufbauend Handlungsempfehlungen zur nutzerfreundlichen Einführung RFID-basierter Verkehrszugangssysteme formulierte.

Ziele des Projekts

Im Projekt VERS wurden die Einstellungen gegenüber IT-basierten, insbesondere RFID-gestützten, Verkehrszugangssystemen erforscht sowie die Gründe für eine ablehnende Haltung gegenüber einem derartigen System identifiziert. An einem Praxisbeispiel wurde untersucht, ob sich durch die Teilnahme an verschiedenen Partizipationsverfahren  Einstellungen von Nutzerinnen und Nutzern zu den Technologien verändern. 

Auf der gesellschaftlichen Ebene ging es darum, dazu beizutragen, die unproduktive Konfrontation zwischen IT-Wirtschaft und kritischer Zivilgesellschaft aufzubrechen. Das Projekt hatte zwei zentrale Forschungsfragen: Wie stellen sich Bürgerinnen und Bürger einen innovativen Zugang und entsprechende Ticket-Systeme im ÖPNV vor? Und inwiefern kann Partizipation von Nutzerinnen und Nutzer Einstellungen ändern und ggf. zu einer höheren Aufgeschlossenheit gegenüber neuen, technischen Lösungen im ÖPNV führen?

Download

Hier finden Sie die Ergebnisse des Forschungsprojekts VERS im Rahmen verschiedener Projektpublikationen:

Literaturbericht „Identifikation von Nutzungsvorbehalten gegenüber RFID-Anwendungen und Strategien zur Erhöhung RFID-bezogener Technikakzeptanz“

Elektronische Ticket- und Verkehrszugangssysteme: Vergleichende Analyse internationaler Fallbeispiele

Forschungsbericht zu Technikeinstellungen und Nutzungsverhalten gegenüber einem automatisierten Verkehrszugangssystem (Check-in/Be-out)

Bürgergutachten „Neue Wege für den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr in Berlin“ 

Ergebnisbericht „Partizipative Interventionen/Inhaltliche Empfehlungen und Einstellungsänderungen durch die Teilnahme an Partizipationsverfahren“ 

Factsheet zum Online-Dialog

Strategiepapier „Empfehlungen für einen innovativen Verkehrszugang zum Berliner ÖPNV“

Verlauf

Für einen ersten Überblick über Forschungsstand und Einstellungen  verschiedener nationaler wie auch lokaler Bevölkerungen bezüglich RFID-Technologie – innerhalb als auch außerhalb des ÖPNV-Bereichs – sorgte zunächst der Literaturbericht. Die betrachteten 50 Forschungsbeiträge machten dabei deutlich, dass die meisten Bürgerinnen und Bürger durchaus offen für innovative Verkehrszugänge sind. Allerdings bietet vor allem das Thema Datenschutz einen Grund für viele, der RFID-Technologie auch vorsichtig gegenüberzustehen. 

Auch die darauffolgende Vergleichende Fallbeispielanalyse bot einen weiteren Überblick zum Thema RFID-Technologie im ÖPNV. Die neun betrachteten internationalen Beispiele von Städten und Regionen mit innovativen Verkehrszugangssystemen wiesen neben zentralen Gemeinsamkeiten auch starke Unterschiede auf. Das wiederum ließ die Schlussfolgerung zu, dass jeder innovative Verkehrszugang den spezifischen Anforderungen der jeweiligen Stadt bzw. Region entsprechen muss und es keine „one size fits all“-Lösung gibt.

Auf Basis dieser Kenntnisse wurde mithilfe einer Fahrgastbefragung in Berlin ermittelt, welche Vorbehalte Nutzerinnen und Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel gegenüber modernen Verkehrszugangssystemen empfinden. Gefragt wurde auch, welche Anforderungen erfüllt sein müssten, damit die Bürgerinnen und Bürger neue Zugangssysteme künftig nutzen würden. Für die meisten Befragten waren in diesem Zusammenhang Zuverlässigkeit, Bedienfreundlichkeit und Einfachheit besonders wichtig, während der Datenschutz und die technische Funktionalität die meisten Bedenken verursachten. Insgesamt waren mehr als 50 Prozent der Befragten offen gegenüber einem hypothetischen Check-In-/Be-Out-Zugangssystem eingestellt. 

Anschließend erarbeiteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Kurzplanungszelle Empfehlungen zur nutzerfreundlichen Entwicklung solch eines Verkehrszugangssystems. Diese wurden in dem Bürgergutachten „Neue Wege für den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr in Berlin“ zusammengefasst. Hier zeigte sich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überwiegend zufrieden mit dem aktuellen Zugangssystem waren und nur wenig Anlass für innovativere Lösungen sahen. 

Kurzplanungszelle (Foto: Yannick Haan)
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kurzplanungszelle in der Diskussion

Die Einstellungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegenüber den Zugangssystemen wurden außerdem einmal vor und einmal direkt nach der Teilnahme an der Kurzplanungszelle erhoben. Dadurch sollten Einstellungsänderungen, die durch die Teilnahme an diesem Beteiligungsformat entstanden sind, sichtbar gemacht werden. Zusätzlich wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kurzplanungszelle in qualitativen Interviews zu ihren Einstellungsänderungen befragt. Die Ergebnisse dieser Einstellungsforschung wurden anschließend in dem Ergebnisbericht „Partizipative Interventionen“ zusammengefasst. Vor allem stellte sich heraus, dass die Kurzplanungszelle bei den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern dazu geführt hatte, dass sie einem Check-In-/Be-Out-System tendenziell eher skeptischer gegenüberstehen, aber auch, dass sie infolge dessen deutlich differenzierter in ihrer Meinung waren. 

Das Online-Diskussionsforum zukunftsticket.berlin ergänzte die Kurzplanungszelle. Dort konnten Nutzerinnen und Nutzer des Berliner ÖPNV in der Kurzplanungszelle entstandene Startideen bewerteten und diskutieren sowie ihre Erfahrungen teilen und eigene Ideen zu innovativen Verkehrszugangssystemen einbringen. Der zweimonatige Online-Dialog wurde inhaltsanalytisch ausgewertet und seine Ergebnisse in einem Factsheet zusammengefasst. Dabei zeigte sich, das vor allem anonyme Chipkarten mit automatischer Fahrpreisberechnung zum günstigsten Tarif Begeisterung unter den Nutzerinnen und Nutzern auslösten. 

Die Teilnehmer der Online-Diskussion wurden im Anschluss gebeten, an einer Online-Befragung teilzunehmen, um herauszufinden, ob sich ihre Einstellungen im Laufe des Verfahrens verändert hatten. Dabei gaben sie nicht nur selbst an, dass der Online-Dialog einen Einfluss auf ihre Einstellungen gehabt hatte. Auch zeigte sich im Vergleich mit einer systematischen Stichprobe aus der vorangegangenen Fahrgastbefragung, dass vor allem die Intention, innovative Verkehrszugangssysteme zu nutzen, durch die Teilnahme am Online-Dialog gestiegen war. Detaillierte Ergebnisse dazu sind ebenfalls im Ergebnisbericht „Partizipative Interventionen“ zu finden. 

Schließlich wurden ein Kontrolleurs- und ein Stakeholder-Workshop organisiert, bei dem mit Akteuren aus verschiedenen Bereichen (Politik, Forschung, Praxis, Zivilgesellschaft) die bisherigen Forschungsergebnisse diskutiert wurden. Verkehrsbetreiber, Serviceunternehmen, Fahrgäste, Technologieentwickler, Datenschutzbeauftrage sowie Verkehrs- und Mobilitätsforscher entwickelten darauf aufbauend Zukunftsszenarien und identifizierten Do's and Don'ts  bei der Umsetzung innovativer Zugangssysteme. Die Kontrolleurinnen und Kontrolleure machten auf aktuelle und künftige Herausforderungen mit elektronischen Tickets für das Kontrolleurswesen aufmerksam. 

Stakeholder-Workshop (Foto: Bastian Kremer/WiD)
Präsentation der Ergebnisse des Stakeholder-Workshops

Abschließend wurden die zentralen VERS-Forschungsergebnisse sowie die entwickelten Handlungsempfehlungen in einem Strategiepapier zusammengefasst und aufbereitet, welches dann an zentrale Akteure aus Verkehrswirtschaft, -politik und -forschung übermittelt wurde.