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Gibt es Ebbe und Flut auch in der Badewanne?

12. April 2018

  • D Naturwissenschaften und Mathematik

Gibt es Ebbe und Flut auch in der Badewanne?

Wir kennen es vom Urlaub an der Nordsee: Zweimal am Tag zieht sich das Wasser bei Ebbe zurück und legt das Watt frei. Einige Stunden später kommt die Flut und lässt das Wasser wieder ansteigen. Das Kommen und Gehen des Wassers nennt man Gezeiten oder Tide. Tauchen sie nur an der Küste von Meeren und Ozeanen auf, oder gibt es Ebbe und Flut auch an unserem Badewannenrand?

Die Gravitationskraft des Mondes und die Drehung der Erde erzeugen große Wasserberge, die über den ganzen Ozean wandern. Diese sogenannten Gezeitenwellen verursachen Ebbe und Flut. Auch das Wasser in der Badewanne ist diesen Kräften ausgesetzt, allerdings ist der Effekt mikroskopisch klein. Eine Gezeitenwelle benötigt mehrere tausend Kilometer, um sich aufzubauen. Die heimische Badewanne ist nicht groß genug, damit sich sogenannte Eigengezeiten bilden könnten

Auch bei Binnenmeeren wie der Ostsee gibt es kaum Gezeiten: Mit einer Ausdehnung von nur einigen hundert Kilometern und einem fast geschlossenen System ist sie wie eine riesige natürliche Badewanne. Im Westen ist die Ostsee durch flache, schmale Zugänge mit der Nordsee und damit mit dem Atlantik verbunden. Dieser ist bis zu 6000 Kilometer breit, sodass sich eine Gezeitenwelle aufbauen kann. Aus dem Atlantik breitet sie sich in die Nordsee und von dort weiter in die Ostsee aus – und wird dabei in der Beltsee und im Öresund immer flacher. Daher kann man an der Atlantikküste und in der Nordsee Gezeitenunterschiede von mehreren Metern messen, während sie an der Ostseeküste nur noch 10 bis 15 Zentimeter betragen.

In unserer Badewanne gibt es weder Eigengezeiten – dafür ist die Wanne zu klein – noch Fremdgezeiten, die von einem großen Gewässer wie dem Ozean in das Wasserbecken hineingespült werden könnten. Um Ebbe und Flut zu beobachten, müssen wir also weiterhin an ein Meer fahren, das sich über mehrere tausend Kilometer erstreckt – zum Beispiel an die Nordsee.

Redaktion WiD: Katrin Klubert

Bei der Beantwortung der Frage hat uns Dr. Volker Mohrholz unterstützt. Er ist Meeresphysiker der Sektion Physikalische Ozeanographie und Messtechnik am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW).

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