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Hilft Schokolade beim Denken?

23. Mai 2018

  • D Naturwissenschaften und Mathematik
Ein Stapel Schokolade

Foto: Pixabay/CC0

Hilft Schokolade beim Denken?

Dass Schokolade sich positiv auf die Denkfunktionen unseres Hirns auswirkt, klingt so verführerisch, dass wir es zu gern glauben. Doch wie viel steckt tatsächlich hinter dem Mythos? Kann Schokolade unsere grauen Zellen auf Hochtouren bringen?

Wir können uns freuen: Schokolade enthält viele Stoffe, die nicht nur an dunklen Tagen dafür sorgen, dass uns ein Licht aufgeht. Vor allem versorgt sie unser Gehirn mit der zum Denken benötigten Energie, wobei sie effektiver wirkt als andere zuckerhaltige Snacks. Schon ein kleines Stück der süßen Köstlichkeit gibt unseren Neuronen die nötige Starthilfe für große Gedanken.

Obwohl unser Gehirn nur rund zwei Prozent unserer Körpermasse ausmacht, ist es das energiebedürftigste Organ unseres Körpers: Es verbraucht täglich jeweils ein Fünftel unseres gesamten Energie- und Blutzuckerhaushalts sowie des Sauerstoffs, der im Blut enthalten ist. Damit unsere Gedanken reibungslos fließen können, brauchen wir 24 Stunden am Tag einen kontinuierlichen Energiestrom. Glucose, auch Traubenzucker genannt, hilft uns dabei. Sie ist das wohl elementarste Kohlenhydrat, wenn es um die Energieversorgung unseres Gehirns und damit unsere Fähigkeit zum Denken geht.

Viele greifen in der Schule oder während der Arbeit schnell nach konzentriertem Traubenzucker. Die Energie, die wir unserem Körper damit zuführen, verpufft jedoch in der Regel nach nur 15 Sekunden. Das schafft einen sehr kurzfristigen Energieschub, ist aber langfristig kein sehr denkförderndes Unterfangen. Anders ist das bei Schokolade: Die gibt ihre Energie deutlich langsamer an den Körper ab und kann unser Gehirn damit auf längere Zeit mit der benötigten Glucose versorgen. Das hat übrigens nicht nur Vorteile für die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns, sondern auch für die unseres gesamten Körpers. Im Gepäck von erfahrenen Bergsteigern findet man zum Beispiel nur selten Traubenzucker, viel häufiger dafür Schokolade in allen Variationen.

Doch das ist noch nicht alles: Kakao, seit jeher die wohl wichtigste Zutat in fast jeder Tafel Schokolade, enthält ebenfalls Stoffe, die uns beim Denken unterstützen können. Er ist besonders reich an Tryptophan, einer Aminosäure, die im Gehirn zum Neurotransmitter Serotonin umgewandelt wird. Neurotransmitter sind Botenstoffe, die als chemische Verbindung Nervenimpulse von Gehirnzelle zu Gehirnzelle weiterleiten. Ohne sie würden die meisten Signale nicht in unserem Gehirn ankommen. Denken, aber auch Fühlen und Handeln wären dann kaum möglich. Serotonin unterstützt den Körper bei dieser Signalübertragung und ist darüber hinaus besonders bekannt dafür, eine stimmungsaufhellende Wirkung zu haben. Der in Bitterschokolade vorhandene rohe Kakao enthält außerdem Flavonoide, sekundäre Pflanzenstoffe, die unser Körper nur über Nahrung aufnehmen und beispielsweise für die Neurogenese, also die Neubildung von Gehirnzellen, verwerten kann.

Trotz der positiven Wirkungen, die Schokolade auf unser Denken haben kann, ist sie natürlich kein Wundermittel: Tryptophan wird von unserem Gehirn nur in Serotonin umgewandelt, sofern davon ein Mangel vorherrscht, und auch Flavonoide können nur begrenzt zur Neurogenese genutzt werden. Schokolade in großen Mengen bringt daher gar nichts. Im Gegenteil, die überschüssige Energie wird nicht vom Gehirn genutzt, sondern in Fettzellen des Körpers abgespeichert. Dann also einfach zur Bitterschokolade greifen? Die enthält immerhin weniger Zucker, hat einen höheren Kakaoanteil und damit auch mehr der gesunden Stoffe, die im Kakao zu finden sind. Aber auch für Bitterschokolade gilt: Nicht tafelweise naschen, sondern Stück für Stück genießen.

Bei der Beantwortung der Frage hat uns der Neurobiologe Prof. Dr. Martin Korte unterstützt. Er ist Leiter der Abteilung für Zelluläre Neurobiologie am Zoologischen Institut der TU Braunschweig.

Redaktion WiD: Janne Steenbeck

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