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Ist Nachtaktivität beim Menschen Gewohnheitssache oder genetisch bedingt?

29. Februar 2008

  • D Naturwissenschaften und Mathematik

Ist Nachtaktivität beim Menschen Gewohnheitssache oder genetisch bedingt?

Die Erdrotation bedingt den verlässlichsten periodisch wiederkehrenden Vorgang in der Natur: den täglichen Hell-Dunkel-Zyklus. Das evolutionäre Resultat ist ein System aus Inneren Uhren, die die 24-Stunden-Variation in Physiologie und Psychologie aller Lebewesen bestimmt.

Der Mensch hat sich wie viele andere Tiere auf der Erde zu einem tagaktiven Wesen entwickelt, welches seine Sehkraft braucht, um sich in der Welt zurecht zu finden.

Bei ca. 30 Prozent der Normalbevölkerung funktioniert die Synchronisation des eigenen 24-Stunden-Rhythmus auf den äußeren 24-Stunden-Tag nur eingeschränkt. Hieraus resultieren Frühtypen und Spättypen. Diese Abweichungen sind in allererster Linie genetisch bedingt. Eine vollständige Umkehr mit Nachtaktivität bei Menschen ist nur für das sehr seltene Smith-Magenis-Syndrom bekannt.

Ein Umlernen von Tagaktivität auf Nachtaktivität ist nur unter extrem künstlichen Bedingungen denkbar. Ansonsten bedeutet eine solche Umgewöhnung eine sichere Störung vieler physiologischer Systeme mit der Konsequenz einer Reihe von Erkrankungen. Das häufigste ist unter dem Begriff „Schichtarbeitersyndrom“ bekannt.

Die Frage wurde beantwortet von Dr. Dieter Kunz, Psychiater, Schlafforscher und Klinischer Chronobiologe.