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Sterben bei der Immunantwort gebildete Gedächtniszellen irgendwann oder leben sie solange der Mensch lebt?

29. Februar 2008

  • D Naturwissenschaften und Mathematik

Sterben bei der Immunantwort gebildete Gedächtniszellen irgendwann oder leben sie solange der Mensch lebt?

Das weiss man nicht genau. Vermutet wird, dass die Gedächtniszellen eine Halbwertszeit besitzen, die in der Groessenordnung von einigen Jahren liegt, nachgewiesen ist das aber nicht. Vielleicht überleben sie auch ein Menschenleben lang. Vorsichtshalber werden Impfungen wie zum Beispiel die Tetanus-Impfung alle zehn Jahre aufgefrischt.

Nachgewiesen ist, dass nicht jeder Erreger überhaupt ein immunologisches Gedächtnis bildet und dass nicht jedes dieser Gedächtnisse gleich "gut", also gleich wirksam gegen neue Erreger ist. Die Lebensspanne der immunologischen Gedächtniszellen wurde beim Menschen jedoch noch nicht bestimmt. In der Literatur findet sich aber ein Hinweis (Ahmed, R. & Gray, D. Immunological memory and protective immunity: understanding their relation. Science 272, 54-60. (1996)), wonach im 19. Jahrhundert auf einer fernen Insel eine Pockenepidemie ausgebrochen war, die nur ein Drittel der Menschen überlebte. Nach 60 Jahren brach die gleiche Pockenepidemie erneut aus. Diesmal überlebten jene, die schon die erste Epidemie überlebt und 60 Jahre zuvor Antikörper entwickelt hatten. Dies könnte darauf hin deuten, dass immunologische Gedächtniszellen so lange leben wie der Mensch - im Falle dieser zumindest 60 Jahre.

Die Frage wurde beantwortet von Rudi Manz, Leiter der Gruppe Humorale Immunologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum, Berlin.