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Was passiert bei Schlafmangel mit dem Körper?

04. November 2015

  • D Naturwissenschaften und Mathematik
Schlaflos – erleuchtete Fenster bei Nacht (Foto: stux/pixaby, CC0)

Schlaflos – erleuchtete Fenster bei Nacht (Foto: stux/pixaby, CC0)

Schon nach nur einer schlaflosen Nacht fühlen wir uns, als hätten wir eine Promille Alkohol im Blut: Die Konzentration nimmt ab, wir reagieren nicht mehr so schnell und auch das Erinnerungsvermögen funktioniert nicht richtig. Nach mehreren Tagen ohne Schlaf arbeitet unser Immunsystem nicht mehr effektiv und das Risiko sich an Infektionskrankheiten anzustecken erhöht sich. Wer länger als eine Woche wachbleibt, leidet unter Sehstörungen, Halluzinationen und entwickelt Symptome, die denen einer Psychose ähneln.

Randy Gardner, der 1964 als 16-jähriger Highschool-Schüler 264 Stunden (oder 11 Tage) wach blieb, bekam die Wahnvorstellung er sei ein berühmter Footballspieler, der den Rose Bowl gewonnen hatte, und auf der Straße verwechselte er Straßenschilder mit Fußgängern.

Doch was genau passiert im Gehirn und im Körper, wenn wir auf Schlaf verzichten?

Schlaf ist noch immer ein wissenschaftliches Mysterium, das schwer zu erklären ist. (Siehe auch: Warum brauchen wir Schlaf?

Dass das Gehirn sich nachts ausruht, ist schon lange widerlegt. Es ist im Schlaf ähnlich aktiv, wie im wachen Zustand. Es laufen allerdings andere Prozesse ab, die dafür sorgen, dass wir das tagsüber Erlebte verarbeiten und im Gedächtnis abspeichern können.

Verzichten wir lange auf Schlaf, bildet sich im Gehirn immer mehr des zellulären Abfallstoffs Adenosin, das die Schlaf- und Wachzentren des Gehirns beeinflusst und so dafür sorgt, dass die Müdigkeit und der Schlafdruck ansteigen. Wenn wir die Nächte durchmachen und gegen die Müdigkeit ankämpfen, führt das wiederum zu Stress und einer erhöhten Ausschüttung von Cortisol, eines Stresshormons, das Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel und viele Organe hat. Diese beiden Stoffe sind es unter anderem, die dazu führen, dass Körper und Gehirn nicht mehr richtig funktionieren.

Aber da vermutlich niemand von uns vor hat, einen neuen Rekord im Durchmachen aufzustellen, müssen wir uns keine Sorgen machen … von wegen! – Auch der chronische Schlafmangel hat erheblichen Einfluss auf unsere Gesundheit. Weil auch dann Adenosin und Cortisol entstehen und die Stoffe nicht schnell genug abgebaut werden können. Das Immunsystem wird geschwächt, Herz-Kreislauferkrankungen nehmen zu, die Gefahr an Depressionen oder Psychosen zu erkranken steigt und die Lebenserwartung sinkt.

Wenn der Körper also das nächste Mal Schlaf fordert, sollten wir das Smartphone weglegen, das Licht ausschalten und uns ins Bett legen.

Bei der Beantwortung der Frage hat uns Dr. Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums im Pfalzklinikum unterstützt.

Redaktion WiD: ak

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